Keine Kapazität für Kontrollen

ST.GALLEN. Ab heute gilt im Kanton das verschärfte Rauchverbot. Mit verschärften Kontrollen müssen St.Galler Gastronomen allerdings nicht rechnen. Derweil planen die Betreiber der ersten offiziellen Raucherbeiz, bald das Handtuch zu werfen.

Malolo Kessler
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Die letzten Zigaretten: Die ehemalige Raucherbeiz «Melchiori» gestern abend vor der Einführung des verschärften Rauchverbots. (Bild: Michel Canonica)

Die letzten Zigaretten: Die ehemalige Raucherbeiz «Melchiori» gestern abend vor der Einführung des verschärften Rauchverbots. (Bild: Michel Canonica)

Es ist ein schwarzer Tag, zumindest für einige Raucher, sicher ein schwieriger Tag für viele Wirte und ein erfreulicher hingegen für die Lungenliga. Heute tritt das kantonale Rauchverbot in Kraft. Raucher werden demnach entweder ins Freie oder in Fumoirs verbannt. In Fumoirs ist Bedienen ab heute verboten – die einschneidendste Änderung gegenüber dem bisherigen Rauchverbot.

Als dieses 2008 eingeführt wurde, zeigte sich, wie schwierig dessen Durchsetzung ist. Der Kanton verlangte von den Gemeinden, dass sie das Rauchverbot selbst kontrollieren. Das funktionierte vielerorts – vor allem in ländlicheren Gegenden – mehr schlecht als recht. In der Stadt St. Gallen hingegen kontrollierte die Polizei zu Beginn relativ rigoros. Sie büsste zahlreiche Wirte, einem wurde gar das Patent entzogen.

Keine gezielten Kontrollen

Das verschärfte Rauchverbot macht die Durchsetzung nicht einfacher. Gemäss der Verordnung über den Schutz vor Passivrauchen sind das kantonale Lebensmittelinspektorat und das kantonale Arbeitsinspektorat für die Kontrollen zuständig. Das Lebensmittelinspektorat wird laut Kantonschemiker Pius Kölbener allerdings keine gezielten Kontrollen machen. «Die Kontrolleure schauen im Zuge ihrer regulären Kontrollen, ob das Rauchverbot eingehalten wird.

» Stellen sie einen Verstoss fest, wird dieser der Gewerbepolizei gemeldet.

Auch die Stadtpolizei plant keine gezielten Kontrollen. Der Aufwand sei zu gross, sagt Mediensprecher Benjamin Lütolf. Für flächendeckende Kontrollen der über 500 Lokale auf Stadtgebiet fehlen die Kapazitäten. Daher wird laut Lütolf nur in drei Fällen kontrolliert: Wenn die Polizei wegen anderer Vergehen vor Ort ist, wenn sie während einer Patrouille zufällig einen Verstoss bemerkt oder wenn sie gerufen wird.

Die Hochburg kapituliert

Abseits der Kontrollschwierigkeiten scheint das verschärfte Rauchverbot ein erstes Opfer gefordert zu haben: das «Melchiori». Die erste offizielle Raucherbeiz, Gründungsort der Raucherliga, Hochburg der Raucher. Wie andere Beizen in der Stadt (siehe Kasten) muss sie vor dem Volksentscheid kapitulieren. Ab heute ist sie rauchfrei.

Marcel Segmüller und Salome Della Casa, die das Lokal führen, ziehen ihre Konsequenz aus dem verschärften Verbot: Sie werfen wahrscheinlich Ende Jahr das Handtuch.