Keine kalten Füsse mehr

BERNHARDZELL. Der 91jährige Otto Fischer ist zufrieden. Seit gestern wohnt, bastelt und schläft er in einem Zimmer im neuen Alters- und Pflegezentrum Wiborada. Beim Zügeln halfen ihm seine Kinder.

Marianne Bargagna
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Otto Fischer, «Wiborada»-Bewohner, hat eine genaue Vorstellung, wohin der Fernseher zu stehen kommen soll. (Bild: Ralph Ribi)

Otto Fischer, «Wiborada»-Bewohner, hat eine genaue Vorstellung, wohin der Fernseher zu stehen kommen soll. (Bild: Ralph Ribi)

Bananenschachteln, gepackte Koffer, prallgefüllte Papier- und Plastiksäcke stehen herum. Tablare lehnen an den Wänden. Die Türen an manchem Kasten und Stufenbuffet stehen weit offen, lassen den Blick frei in die ausgeräumten Möbel. Im alten Alters- und Pflegeheim Wiborada ist Zügeltag. Das neue Zentrum ist fertig, das alte Heim hat ausgedient. Und das freut Otto Fischer, der vor drei Jahren zusammen mit seiner Frau von Romanshorn nach Bernhardzell, ins «Wiborada», zügelte. Damals in den Pavillon. Das sei nicht schlecht gewesen. Aber oft habe er kalte Füsse gehabt. Diese Zeiten sind vorbei. Im neuen Zentrum gibt es eine Bodenheizung. Wenn Otto Fischer nun also an seinem Arbeitstisch sitzt und seine Flugzeuge bastelt, wird er das mit warmen Füssen tun können. Er strahlt. «Jetzt haben wir eine Bodenheizung.»

Teppich macht heimelig

Trotz der Bodenheizung: Der Stubenteppich kommt mit ins neue Zimmer. «Das macht es heimelig», sagt Otto Fischer. Er sitzt in einem bequemen Sessel auf dem Flur. Sein Sohn Markus, seine Tochter Monika und deren Mann René Müller sind gekommen, um ihm beim Zügeln zu helfen. Seine Frau sei gegenwärtig im Spital. Nichts Schlimmes, versichert Otto Fischer, steht auf und geht in sein neues Zuhause. Möbliert wird nach seinen Anweisungen. Die Betten links, das Büchergestell rechts. Vor das Fenster kommt sein Arbeitstisch. Dann müssen noch der Kasten und der hübsche Schreibpult gezügelt werden. Die Kleider liegen auf den Betten. Der Fernseher wird vorläufig auch dort deponiert.

Bis 10. Dezember räumen

Thomas Günter, der Geschäftsführer, schaut vorbei, plaudert mit Otto Fischer, sagt, dass nicht nur Angehörige beim Umzug helfen, sondern auch fünf Männer vom Zivilschutz. Er selber hat sein Büro bereits gezügelt. Drei Tage dauert diese Woche die Züglete. Dann werden die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Zimmer auf den Abteilungen Enzian, Tulpe, Rose, Lilie oder Orchidee, so die Namen der verschiedenen Abteilungen auf den zwei Etagen, bezogen haben. Und bald danach werde mit dem Rückbau des alten Alters- und Pflegeheims begonnen, sagt Günter und informiert eine helfende Angehörige, dass die Zimmer im Altbau und Pavillon bis 10. Dezember geräumt sein müssen.

«Das ist ja wunderbar»

Otto Fischer entgeht nichts. Er fragt den Handwerker, der eine letzte Kontrolle im Badzimmer durchführt, wann dann der Closomat komme? Bald, lautet die Antwort. Fischer nickt, lacht und kommentiert: «Das ist ja wunderbar.» Derweil sich sein Sohn und Schwiegersohn eine kleine Pause gönnen, bevor sie die letzten Möbel aus dem Zimmer im Pavillon holen. Dann können die Kleider eingeräumt und die Bilder aufgehängt werden. Dazu gehört auch ein Foto des 65. Hochzeitstages, den Fischers im «Wiborada» gefeiert haben. Der 91-Jährige lächelt und sagt: «Es war ein schönes Fest.» Überhaupt würden er und seine Frau sich sehr wohl fühlen im «Wiborada».