Keine Fasnacht mehr?

Die verrückten Tage sind vorbei. In allen Gemeinden der Region feierten die Fasnächtler ihre Lieblingsjahreszeit tüchtig. Nicht in Steinach. Hier fand nur gerade der Kindermaskenball statt.

Fritz Heinze
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Bruno Helfenberger, «Steibi 2010», hält die Krone für seinen Nachfolger Othmar Huser bereit. (Bild: Fritz Heinze)

Bruno Helfenberger, «Steibi 2010», hält die Krone für seinen Nachfolger Othmar Huser bereit. (Bild: Fritz Heinze)

STEINACH. Wenigstens die Steinacher Kinder konnten mit dem Kinderfasnachtsball am vergangenen Samstag im Gemeindesaal Fasnacht feiern. Mit Guggemusig, einem DJ und einer Zauberkünstlerin war für die Jüngsten das Erlebnis der fünften Jahreszeit komplett. Und zufrieden zeigte sich auch Daniela Benz von Kids & Family mit dem ersten Maskenball für die kleinen Fasnächtler. «Wir hatten niemals mit 200 Eintritten gerechnet. Es war ein wirklich guter Ball», sagte sie. Denn nachdem bereits zum zweiten- mal am Samstagabend kein Maskenball für die Erwachsenen stattfand, war es für die Kids-&-Family-Frauen nicht einfach, mit dem Kinderball neu einzusteigen. «Wir vermissen natürlich den Maskenball der Erwachsenen, das hätte uns vieles erleichtert», sagt die Organisatorin.

Torte mitten im Gesicht

Ein rundum gelungener Anlass, sagt sie. Nicht einmal das Konfettiverbot, das aus personellen Gründen im Haus ausgesprochen werden musste, habe jemanden gestört. Kein Wunder, dass deshalb auch über eine mögliche Fortsetzung des Steinacher Maskenballs für die Grossen gesprochen wurde. Zwischen 1998 und 2011 wurde an dieser Veranstaltung 14 Frauen und Männern der sogenannte Steibi verliehen – per Sahnetorte ins Gesicht. Was war das jeweils für eine ehrfürchtige Stille, wenn der Vollstrecker mit der Torte zum Geehrten oder zur Geehrten trat und diese mitten im Gesicht plazierte. Das war früher, sang- und klanglos verschwand der Maskenball aus der Agenda. In der Öffentlichkeit hörte man nichts mehr von den Riesenfindlingen, die den Ball organisiert hatten.

Vor der Auflösung bewahrt

Der Verein Riesenfindlinge wird laut Claudia Zucchetti, der neuen Präsidentin, mit der Erneuerung des Vorstands vor der Auflösung bewahrt. Das plötzliche Abtauchen der bisherigen Mitglieder hätte diese zur Folge gehabt. Mit der anscheinend erfolglosen Suche nach Vereinen, die sich an der Organisation des Maskenballs beteiligen, scheint die Angelegenheit nun ad acta gelegt worden zu sein. «Solange wir keine Mitglieder haben, die zur Mitarbeit bereit sind, ist für uns die Angelegenheit gestorben. Wir wollen nicht immer auf externe Hilfe angewiesen sein», argumentiert Claudia Zucchetti. Hinzu kommt, dass die finanzielle Lage des Maskenballs jedes Jahr jeweils alles andere rosig gewesen sein solle, sagte eine Närrin aus dem Umfeld des ehemaligen Vorstands. Ihrer Meinung nach liege den Steinachern zudem das «Fasnächtle» ganz einfach nicht so richtig im Blut.

Eine unterstützenswerte Idee

Liegt es also nur an den Finanzen und den personellen Ressourcen, dass der Steinacher Maskenball zu sterben droht? «Ich bin überzeugt, dass es noch Steinacherinnen und Steinacher gibt, die mitmachen würden. Aber das können natürlich nicht immer dieselben sein», sagt Anita Popp, Präsidentin der Frauengemeinschaft, auf Anfrage. Bruno Helfenberger, Gemeindeschreiber und bisher zweitletzter Steibi im Jahr 2010, würde eine neuerliche Einführung des Fasnachtsballs begrüssen. Martin Würth, Steibi von 1998, sieht gemeinsam mit Gattin Marianne auch in der Zukunft eine Möglichkeit für den Fasnachtsball. Sie betrachten die Idee auch heute noch als unterstützenswert.

Übrigens: Der aktuell amtierende Steibi ist Othmar Huser. Er trägt den Titel wohl noch so lange, bis er seinem Nachfolger, seiner Nachfolgerin eine Torte ins Gesicht drücken und mit diesem Akt die Krone übergeben darf.