Keine Bademode im Winter

In St. Gallen haben die grossen Modeketten genauso wie die kleineren Boutiquen mit dem Ausverkauf begonnen. Überraschend früh. Traditionellerweise beginnt der grosse Ausverkauf erst am 27. Dezember. Als Grund werden die schlechten Geschäfte und vor allem der zu warme November genannt.

Elisabeth Reisp
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In St. Gallen haben die grossen Modeketten genauso wie die kleineren Boutiquen mit dem Ausverkauf begonnen. Überraschend früh. Traditionellerweise beginnt der grosse Ausverkauf erst am 27. Dezember. Als Grund werden die schlechten Geschäfte und vor allem der zu warme November genannt.

Die Wirtschaft steht seit dem Frankenschock unter enormem Druck. Im laufenden Jahr haben etliche grosse Modeketten ihre Filiale in St. Gallen aufgeben müssen. Verständlich, dass die Modegeschäfte mit Aktionen und attraktiven Preisen auf sich aufmerksam machen wollen. Dieses Massnahme ist aber der erste Schritt in einen Teufelskreis. Denn die Modepreise verlieren an Glaubwürdigkeit. Wieso im sommerlichen September einen Wintermantel zum vollen Preis kaufen, wenn das Stück Ende November zum halben Preis angeboten wird? Die Kundin merkt sich das und wird nächstes Jahr nicht mehr bereit sein, den vollen Preis zu zahlen.

Ganz egal, ob in Mailand oder in Paris die Frühlingsmode bereits im Oktober auf dem Laufsteg gezeigt wird; die Modeketten und Boutiquen hier müssen die Gnade haben, sich etwas vom Zeitdiktat der Modemacher zu lösen. Sie sollten ihr Angebot wieder verstärkt der jeweiligen Jahreszeit anpassen. Denn ein alter Grundsatz lautet: Der Köder muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Was heisst: Biete den Kunden im Dezember Winterjacken an und keine Frühlingskleidchen. Und Bademode wenige Wochen nach Weihnachten – das will dann wirklich auch niemand.

Wer in seinem Laden trotzdem die Jahreszeiten durcheinander bringen will, schneidet sich ins eigene Fleisch. Zum halben Preis lässt sich ein Kunde den Mantel gerne aufdrängen. Der kalte Winter kommt gewiss. Die Klage über mangelnde Rendite des Ladens auch.

elisabeth.reisp@tagblatt.ch