Keine Arbeit während der Ferien

Sein Sackgeld in den Sommerferien mit Regaleauffüllen oder Heuen verdienen – das war einmal. Grossverteiler sowie Bauernhöfe bieten kaum mehr Ferienjobs an. Und auch die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren stark gesunken.

C. Renn/S. Grünenfelder
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Jugendliche, die während der Sommerferien auf Bauernhöfen ihr Sackgeld aufbessern, gibt es kaum mehr. (Bild: fotolia)

Jugendliche, die während der Sommerferien auf Bauernhöfen ihr Sackgeld aufbessern, gibt es kaum mehr. (Bild: fotolia)

Die Sommerferien sind nicht nur die Zeit, sich an den schönsten Stränden der Welt zu bräunen oder sich auf Wanderungen durch die Alpen zu erholen. Während der fünf Wochen könnte auch mit Arbeiten auf dem Bauernhof oder bei Grossverteilern das Sackgeld aufgebessert werden. Doch das System Ferienjob scheint zumindest in der Region ausgedient zu haben. Zum einen fehlt die Nachfrage, zum anderen das Angebot. Wenn Jugendliche ausserhalb des Schulbetriebs arbeiten gehen, dann nicht primär, um Geld zu verdienen, sondern um sich in Schnupperwochen bereits auf den Berufsalltag vorzubereiten.

Sackgeld bereits gut genug

«Die Arbeiten sind aus Sicherheitsgründen für Jugendliche meist zu gefährlich», sagt Werner Kühne, Präsident des Baumeisterverbands Region Stadt St. Gallen. Deshalb gebe es nur wenige bis gar keine Ferienjobs in dieser Branche mehr. «Manchmal hilft beispielsweise der Sohn eines Poliers auf einer Baustelle aus, der wird dann aber auch sehr gut behütet.» Momentan wisse er von keinem Betrieb in der Region St. Gallen, der einen Jugendlichen während der Sommerferien beschäftige. Früher habe es das noch eher gegeben. «Jugendliche haben Nägel gegrädet oder Holz gesäubert», sagt Kühne. Das sei aber schon viele Jahre her. «Heute ist es zudem mit den Versicherungen komplizierter geworden.»

Ähnlich äussert sich Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands: «Sobald Jugendliche offiziell angestellt sind, wird es schwierig mit den Versicherungen, und es werden schnell Vorwürfe laut, dass man Kinderarbeit betreibe.» Früher sei das anders gewesen. «Hunderte von Kindern halfen auf den Höfen beispielsweise beim Heuen.» Doch mit der immer stärkeren Mechanisierung habe sich das ebenfalls geändert. Was es jedoch noch immer gibt, sind Landdiensteinsätze. «Wir haben jährlich rund 100 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahre, die zwei Wochen auf einem Betrieb arbeiten», sagt Widmer. Diese Entwicklung beobachtet auch Bäuerin Andrea Angehrn aus Häggenschwil: «Wir beschäftigen zurzeit keinen Jugendlichen. Es hat sich auch niemand bei uns gemeldet», sagt sie. Jedoch sei auf ihrem Hof mit dem Obstbau die Arbeit nicht prädestiniert für Jugendliche oder gar Kinder. Die Arbeit sei streng, und die Tage dauern lang. «Vor rund 20 Jahren ist das schon noch anders gewesen.»

Auch auf dem Bauernhof von Cornelia und Hans Brandes in Berg SG arbeiten während der Sommerferien keine Kinder oder Jugendlichen. «Die Ferien werden wohl mehr genossen, oder das Sackgeld muss nicht mehr aufgebessert werden», mutmasst Hans Brandes.

Allen Negativtrends zum Trotz bietet man bei der Permapack in Rorschach Schülern noch die Möglichkeit, ihr Taschengeld aufzubessern. «Wir haben über die Sommerferien sechs Oberstufenschüler eingestellt», erzählt Personalleiter Peter Gasser. Diesen Sommer seien bis zu 20 Bewerbungen von Schülern und auch Studenten eingegangen, die sich während der Sommermonate etwas dazuverdienen möchten. Sie arbeiten zwischen einer und drei Wochen im Betrieb mit und ersetzen kurzfristig ausgefallene Mitarbeiter. «Sie reinigen beispielsweise Maschinen und helfen in der Druckerei aus», sagt Gasser.

Administrativer Aufwand

Anders bei der Landi in Goldach: «Wir bieten keine Ferienjobs an», sagt Geschäftsführer Hans Popp. Beim Fachhandel für Landwirtschaftsprodukte fehlt es laut Popp schlicht an Kapazitäten. Stattdessen seien das ganze Jahr über Studenten in Teilzeitarbeit angestellt. «Damit decken wir die Arbeiten bereits ab», sagt Popp. Auch bei der Frisco Findus sind gemäss Recruitment Assistant Dominik Eigenmann aktuell am ganzen Standort keine Ferienjobs zu vergeben. «Der Hauptgrund liegt im hohen administrativen Aufwand», sagt er. Seit die Arbeitsverträge über das Headquarter in Vevey geregelt werden, sei der Einstellungsprozess für Ferienmitarbeiter komplizierter geworden.