Kein Sulzberg-Wein mehr

Wegen Hagel und einer Gesetzesänderung verschwindet der Rebberg am Sulzberg früher als gedacht. Die Stadt Rorschach als Eigentümerin leitet den Verkauf von Bauland ein.

Fritz Bichsel
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Der Rebberg am Sulzberg liegt auf Bauland, das die Stadt Rorschach nun verkaufen will. (Bild: Fritz Bichsel)

Der Rebberg am Sulzberg liegt auf Bauland, das die Stadt Rorschach nun verkaufen will. (Bild: Fritz Bichsel)

RORSCHACH. Als Lutz Weinbau in Wienacht den Jahrgang 2012 kelterte und die Gemeinden Rorschach und Rorschacherberg von den etwa 3000 Flaschen wie üblich einen Teil übernahmen, wussten sie nicht, dass das nach 26 Jahren der letzte Sulzberg-Wein ist. 2013 änderte sich dann viel: Pächter Felix Lutz kündigte seinen Rückzug aus gesundheitlichen Gründen an. Er konnte zwar einen Nachfolger vorschlagen, doch dann kam im Juni der schwere Hagelschlag. Er zerstörte die Trauben und beschädigte die Rebstöcke. Statt in einigen Jahren müsste der Rebberg sofort neu bepflanzt werden. Der Interessent wollte deshalb nicht den 2017 kündbaren Pachtvertrag übernehmen, sondern einen neuen auf 30 Jahre abschliessen.

Aus für Reben auf Bauland

Gleichzeitig kam das neue Raumplanungsgesetz. Nun dürfen Gemeinden nur noch Bauland für 15 Jahre einzonen. Hier kommt die Besonderheit des Rebbergs Sulzberg ins Spiel, dass er grösstenteils auf Bauland angelegt ist (siehe «Ein Rebberg auf Zeit»). Mit einem 30jährigen Pachtvertrag würde die Stadt Rorschach als Eigentümerin riskieren, dass diese Bauzone aufgehoben wird. Damit würde der Wert des Bodens um etwa eineinhalb Millionen Franken sinken. Der Stadtrat beschloss deshalb, die 3800 Quadratmeter Bauland zu verkaufen.

Mehr Grün statt mehr Bauland?

Zusätzlich strebte er an, die angrenzenden 1800 Quadratmeter der Stadt auf der Kuppe mit dem Spielplatz ebenfalls zu Bauland zu machen. Das musste die Standortgemeinde Rorschacherberg ablehnen. Aufgrund des Raumplanungsgesetzes muss sie eher Bauland auszonen. Anwohner und weitere Einwohner überlegen sich nun, wie die Fläche grün bewahrt werden könnte. Bürger könnten mit dem Einreichen einer Initiative eine Grünzone verlangen. Die Gemeinde würde dann entschädigungspflichtig.

Stadt will bald verkaufen

Eine andere, eher theoretische Möglichkeit wäre der Kauf durch eine Genossenschaft: Freunde der Grünfläche müssten dafür aber 1,5 Millionen Franken «verschenken», weil der Boden als Grünzone fast keinen finanziellen Wert mehr hätte. Und es müsste schnell gehen, denn die Stadt kann den Rebberg nicht weiter verwildern lassen und will nach Auskunft von Stadtpräsident Thomas Müller das Bauland bald verkaufen.