Kein Stress für die Legehennen

Zu keiner Zeit im Jahr werden so viele Eier gebraucht wie an Ostern. Damit für das Fest genügend Eier vorhanden sind, wird die Produktion im voraus geplant. Gabi und Erich Ackermann aus Wittenbach geben Einblick in ihren Hühnerstall.

Linda Müntener
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8000 Legehennen leben auf dem Bauernhof der Familie Ackermann in Wittenbach. (Bilder: Urs Bucher)

8000 Legehennen leben auf dem Bauernhof der Familie Ackermann in Wittenbach. (Bilder: Urs Bucher)

WITTENBACH. Ob bunt bemalt oder naturfarben, aus Bio- oder Freilandhaltung: Eier gehören zum Osterfest. Die Nachfrage in diesen Tagen ist dementsprechend gross. Damit vor dem Fest genügend davon in den Regalen der Grossverteiler bereitstehen, liefern regionale Eierproduzenten so viel Eier wie möglich. So auch Erich und Gabi Ackermann. Das Ehepaar aus Wittenbach bewirtschaftet einen Bauernhof mit 8000 Legehennen. «Ostern ist unser Hauptgeschäft», sagt Gabi Ackermann.

«Stall ist gut isoliert»

Aus dem Hühnerstall ist lautes Gackern zu hören. Gabi Ackermann öffnet die Tür, und Tausende Legehennen beginnen zu flattern. Dicht nebeneinander sitzen sie auf den «Stängeli» im Hühnerstall. Die oberen Reihen sind alle besetzt. «Die Logenplätze sind begehrt», sagt Erich Ackermann und lacht. Dass die Hennen gerne in der Höhe sitzen, sei ein natürlicher Instinkt. «Das Huhn ist eben auch ein Vogel.» Jene Hennen, die auf den Stängeli keinen Platz haben, sind entweder auf dem Stallboden oder in einem der zwei «Wintergärten». In diesem Anbau erhalten sie auch in den Wintermonaten genügend Tageslicht. Zu kalt ist es für die Tiere in dieser Zeit laut Gabi Ackermann nicht. «Unser Stall ist gut isoliert.» Dazu komme, dass die Hennen gerne dicht nebeneinander sässen und sich so gegenseitig Wärme spendeten. Noch lieber seien sie allerdings draussen auf der Wiese. «Damit warten wir aber, bis die Temperaturen steigen», sagt Gabi Ackermann.

Ablauf vor Ostern bleibt gleich

Bis zu 50 000 Eier würden die Hennen pro Woche legen, sagt Erich Ackermann. Eine grosse Menge, die man im Familienbetrieb ohne die Hilfe einer Maschine nicht kontrollieren könnte. Per Knopfdruck fallen die Eier direkt aus dem Legenest auf ein Laufband. Gabi Ackermann stellt die Maschine ein und nimmt eines der Eier in die Hand. «Ist das nicht faszinierend?», fragt sie. «Ein fixfertiges Naturprodukt, das auch noch in einer Schale verpackt ist.» Damit diese Schale nicht zerbricht, ist Sorgfalt geboten. Deshalb wird an der Maschine zu zweit gearbeitet. «Der eine kontrolliert die Eier auf dem Laufband, der andere verpackt sie», erklärt Gabi Ackermann. Unförmige oder zu grosse Eier werden aussortiert. «Diese kann man im Detailhandel nicht verkaufen – besonders nicht zu Ostern.» Solche Eier werden an Betriebe geliefert, welche die Eier beispielsweise zu Teig verarbeiten.

Ackermanns arbeiten mit einem Grossverteiler zusammen. Für jede Woche erstellen sie gemeinsam einen Plan, in dem festgelegt wird, wie viele Paletten geliefert werden müssen. «Dreimal pro Woche holt ein Lieferwagen dann die vereinbarte Menge bei uns ab», erklärt Gabi Ackermann. Auch vor Ostern ändere sich dieser Ablauf nicht. «Die Hennen können schliesslich nicht mehr Eier legen als sonst», sagt Gabi Ackermann. Falls die Eier knapp werden, müsse der Grossverteiler andere Produzenten anfragen oder importieren. Eine frühzeitige, genaue Planung könne das verhindern.

In Suppe oder Wurst

Zur Planung gehört auch, dass die Hennen nach einem Jahr «ausgestallt» – sprich geschlachtet – und dann entweder zu Suppenhühnern oder Wurstwaren verarbeitet werden. «Das ist leider nötig, damit wir genau kalkulieren können», sagt Erich Ackermann. Denn je älter eine Henne werde, desto weniger Eier lege sie. «Und auch die Qualität der Schale lässt nach», sagt Erich Ackermann. Vor allem in der Osterzeit könne sich ein Betrieb das nicht leisten. «Die Konsumenten wollen harte Schalen, die sie auch gut einfärben und bemalen können.» Sobald die Hennen «ausgestallt» worden sind, wird der Stall gründlich gereinigt, und die Familie Ackermann kauft neue Legehennen. Im Alter von 18 Monaten werden diese «eingestallt», ungefähr zwei Monate später legen sie dann ihr erstes Ei.

«Muss nicht frisch sein»

Ist ein solches Ei erst einmal gelegt, sollte man es so frisch wie möglich verzehren, so die allgemeine Annahme. «Stimmt nicht», sagen Ackermanns. «Die Eier kann man bei guter Lagerung auch zwei Wochen nach dem Legedatum problemlos essen.» So mache es ihre Familie immer. Viel mehr Eier als beim normalen Konsumenten kommen bei Ackermanns jedoch nicht auf den Tisch. «Geht aber mal eines kaputt, haben wir immer genügend auf Vorrat.»

Ein Laufband befördert die frischgelegten Eier. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Ein Laufband befördert die frischgelegten Eier. (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

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