Kein Schandfleck mehr

RORSCHACH. Bald kehrt wieder Leben ein ins sogenannte Treppenhaus an der Kirchstrasse in Rorschach, können dort Bücher und Spiele ausgeliehen werden. Und wer genug Musse hat, kann auch eine Kaffeepause einlegen.

Marianne Bargagna
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Herausgeputzt: Das so genannte Treppenhaus an der Kirchstrasse 3 erstrahlt in neuem Glanz. (Bild: Alexandra Pavlovic)

Herausgeputzt: Das so genannte Treppenhaus an der Kirchstrasse 3 erstrahlt in neuem Glanz. (Bild: Alexandra Pavlovic)

1551 wurde es gebaut. Das haben sogenannte dendrologische Untersuchungen des Holzes ergeben. Mit dieser Methode kann das Alter des Holzes bestimmt werden. Und solches wurde beim Bau des Treppenhauses an der Kirchstrasse 3 viel verwendet. Das zeigt sich auch auf einem Rundgang durch das Haus, das derzeit saniert wird. «Am 1. Dezember sind wir fertig», sagt Elias Räbsamen, der Bauführer. Etwas später als geplant. Denn während der Bauzeit ist der Boden unter dem Haus abgesackt. Jetzt stehe es wieder auf festem Fundament, sagt Urs Räbsamen, der Besitzer des Hauses. Er ist stolz auf das Gebäude. Freut sich über die Renovation. Zeigt zum Beispiel auf den wiederentdeckten Sandsteinboden in der Küche im Erdgeschoss. Dieser Boden stamme aus alten Zeiten. Und wird auch noch weiter Bestand haben. Dann die alten Tapeten. Stellenweise sind sie schadhaft. Aber für Räbsamen noch lange kein Grund, sie gänzlich zu entfernen. Die gut erhaltenen Überreste der Tapete werden bleiben – als Erinnerung an vergangene Zeiten.

Bald wieder belebt

Das Haus hat eine bewegte Geschichte hinter sich und eine belebte vor sich. Denn in diesem Haus, das der Schlossherr von Wartensee 1562 gekauft und es der Kirche zur Nutzung zur Verfügung gestellt hatte, werden die Bibliothek, die Ludothek und das Kulturlokal des Vereins Treppenhaus Einzug halten. Noch aber gehen Handwerker ein und aus. Da und dort müssen noch Böden verlegt, Steckdosen und Schalter an den Stromkreis angeschlossen werden. Überall stehen Werkzeugkisten herum. Der Lärm von Bohrmaschinen erfüllt das Haus, Staub wirbelt durch die Luft. Urs und Elias Räbsamen schauen sich um. In diesem Haus sei immer wieder umgebaut, seien Balken herausgerissen, drei bis vier Böden übereinander verlegt worden. Dann sei die Fassade in einem sehr schlechten Zustand gewesen. Das habe die gegenwärtigen Renovationsarbeiten nicht vereinfacht.

Kultureller Treffpunkt

Jetzt ist das Gerüst weg, hängen die neuen Fensterläden. Der «Schandfleck», wie Urs Räbsamen sagt, ist keiner mehr. Frisch herausgeputzt steht das Treppenhaus da. Und bald werden in den Räumen Spiele und Bücher ausgeliehen, kann im Kulturlokal ein Kaffee genossen werden. Die Mieter konnten während der Umbauzeit auch immer wieder Wünsche anbringen. «Und die Wünsche wurden auch aufgenommen und umgesetzt», sagen die Mieter. Tatsächlich: Urs Räbsamen notiert auf einem Rundgang durch das Haus Wünsche: ein Wickeltisch zum Beispiel. Und die Farbe der Wände können sie in ihren Räumen selber wählen. Urs Räbsamen sagt, dass es anspruchsvoll sei, zusammen mit den Mietern zu bauen. Aber es mache auch Spass.

Zeugen vergangener Zeiten, wie Teile dieser Tapete, bleiben erhalten. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)

Zeugen vergangener Zeiten, wie Teile dieser Tapete, bleiben erhalten. (Bild: Rudolf Hirtl oceandesign@bluewin)