Kein Platz für Minderheiten

Die Mehrheit des Gossauer Parlaments, genauer gesagt SVP, CVP und FDP, hat den Durchgangsplatz für Fahrende abgelehnt. Die vorgebrachten Argumente verdeutlichen dank ihrer Dürftigkeit den wahren Ablehnungsgrund: Man will diese Leute nicht.

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Die Mehrheit des Gossauer Parlaments, genauer gesagt SVP, CVP und FDP, hat den Durchgangsplatz für Fahrende abgelehnt. Die vorgebrachten Argumente verdeutlichen dank ihrer Dürftigkeit den wahren Ablehnungsgrund: Man will diese Leute nicht. Warum eigentlich? Die SVP sei daran erinnert, dass die betroffenen Fahrenden Schweizer sind und in diesem Fall unter ihre Schirmherrschaft fallen. Das liberale Credo der FDP sollte doch auch für die Fahrenden gelten! Und die CVP? Sie hat zwei Optionen: Entweder schickt sie ihre Neinsager zur Beichte oder sie bleibt glaubwürdig und kippt das C aus ihrem Namen.

Patrick Huber,

Hofeggstrasse 20, 9200 Gossau

Gossau hat eine Chance verpasst

Am vergangenen Dienstag ging ein Raunen durch den Fürstenlandsaal in Gossau. Vereinzelt waren sogar Buhrufe zu hören. Das Stadtparlament hatte soeben dem Durchgangsplatz eine Abfuhr erteilt. 60 Prozent der Parlamentarier und Parlamentarierinnen stimmten gegen ein grosses Anliegen der jenischen Bevölkerungsgruppe. Das «Wunder von Gossau» blieb aus. Die Mehrheit stimmte gegen einen Durchgangsplatz für eine national geschützte Minderheit. In meiner bald sechsjährigen parlamentarischen Tätigkeit hat mich selten ein Thema so bewegt. Als Mitglied der vorberatenden Kommission war ich unmittelbar an den Beratungen zu diesem Geschäft beteiligt. Als Schwiegersohn einer Jenischen bin ich zudem mit der leidvollen Geschichte der Schweizer Fahrenden vertraut. Im Vorfeld der Parlamentssitzung versuchten wir Befürworter unsere Kollegen vom Durchgangsplatz zu überzeugen. Viele Gossauerinnen und Gossauer unterstützen uns mit Leserbriefen und persönlichen Gesprächen in unserem Vorhaben. Das hat uns gefreut und Hoffnung gemacht, die jedoch jäh zunichte gemacht wurde. Die Meinungen waren festgefahren. Die Gegner argumentierten mit nicht nachvollziehbaren und nicht belegbaren Argumenten. Meiner Ansicht nach war es schlicht ein Entscheid gegen Menschen, die eine andere Lebensform wählen. Der Entscheid des Stadtparlaments macht mich traurig. Er macht mich traurig als Gossauer, der gerne in dieser Stadt lebt und auf vieles in dieser Stadt stolz ist. Gossau hat es verpasst, ein mutiges Zeichen zu setzen. Gossau hat ein egoistisches Zeichen an die Aussenwelt vermittelt. Das ist enttäuschend und das muss man zuerst einmal verarbeiten. Trotzdem werden viele andere und ich weiterhin für ein weltoffenes Gossau einstehen. Irgendwann wird Gossau mutig, ganz bestimmt...

Florian Kobler, SP-Stadtparlamentarier, Zeughausstrasse 6a, 9200 Gossau