Kein Konsens zur Fusion

ANDWIL. Die Situation in Andwil bleibt verzwickt. Die Politische Gemeinde hat strukturelle Probleme und befürwortet eine Einheitsgemeinde. Die Schulgemeinde hingegen will nichts ändern oder gleich eine Fusion mit Gossau diskutieren.

Rafael Rohner
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Stein des Anstosses: Der steigende Finanzbedarf der Schulgemeinde Andwil-Arnegg hat Diskussionen über eine Fusion ins Rollen gebracht. (Bild: Benjamin Manser)

Stein des Anstosses: Der steigende Finanzbedarf der Schulgemeinde Andwil-Arnegg hat Diskussionen über eine Fusion ins Rollen gebracht. (Bild: Benjamin Manser)

In Andwil stellen sich derzeit ganz grundsätzliche Fragen: Soll die Politische Gemeinde wie bisher weiterbestehen oder ist eine Einheitsgemeinde oder gar eine Fusion mit Gossau die beste Lösung? Einfache Antworten gibt es nicht, denn erstens sind die Strukturen komplex und zweitens ist es ein emotionales Thema. Wie immer, wenn es um Identität, die Schule und schliesslich auch ums Geld geht.

Am Montagabend ist Andwil in diesem Prozess ein Stück vorangekommen. Gemeindepräsident Dominik Gemperli und Schulratspräsident Emanuel Kummer haben zusammen mit Bruno Schaible vom kantonalen Amt für Gemeinden über mögliche Szenarien informiert. Etwa 200 Interessierte sind der Einladung in den Mehrzwecksaal Ebnet gefolgt.

Den Puls spüren

Beide Räte legen bei dieser Gelegenheit erstmals die Karten auf den Tisch. Gemeindepräsident Gemperli spricht sich eher für eine Einheitsgemeinde aus, Schulratspräsident Kummer für den Status quo oder eine Fusion mit Gossau. Wobei Gemperli im Laufe des Abends nicht müde wird zu betonen, dass man sich erst am Anfang des Meinungsbildungsprozesses befinde. Die gemachten Aussagen seien lediglich Präferenzen und keinesfalls ultimativ zu verstehen. Ziel des Abends ist es folglich, in erster Linie die möglichen Varianten aufzuzeigen und zu diskutieren. Dabei wollen die beiden Räte auch den Puls der Bevölkerung spüren und herausfinden, in welche Richtung die Stimmung kippen könnte. Letzteres stellt sich allerdings als eher schwierig heraus. Viele Andwiler und Arnegger scheinen selbst noch nicht genau zu wissen, für welche Variante ihr Herz schlägt. So werden viele Fragen gestellt und eher wenige Stellungnahmen abgegeben. Ein Votant will zum Beispiel wissen, was eine Fusion mit Gossau für finanzielle Auswirkungen hätte und wie viel der Kanton beisteuern würde. Bruno Schaible vom Kanton kann keine konkrete Zahl nennen. Er lässt aber durchblicken, dass andernorts in solchen Fällen bereits «prominente» Beträge gesprochen wurden. Ein anderer Votant fragt, was eine Einheitsgemeinde an Sparpotenzial bringen würde. Planung und Organisation könnten deutlich vereinfacht werden, antwortet Gemperli. «Das wäre der grosse Vorteil.» Schulpräsident Kummer fügt dem hinzu, dass die Kommunikation bereits heute gut sei. «Wenn fusionieren, dann komplett.» Also mit Gossau.

Dank an Gemeinderat

Gemperli verdeutlicht am Montag, dass er nichts überstürzen will und die Bevölkerung letztlich aufgrund noch zu beschaffender Grundlagen entscheiden sollte. Die Anwesenden scheinen dieses behutsame Vorgehen zu begrüssen, mehrere Bürger danken dem Gemeinderat für die Arbeit. Trotzdem sind zwei der Ansicht, dass der Schulrat und der Gemeinderat zu früh Stellung bezogen hätten. Einer davon ist Kantonsrat Peter Boppart (CVP). Seiner Meinung nach sollte eine Abstimmung über die Einheitsgemeinde Klarheit bringen. Die Schulgemeinde müsse keine Angst vor dem Ergebnis haben, sagt er und deutet dabei an, dass eine Einheitsgemeinde bei einer Abstimmung einen schwierigen Stand hätte. Auch Markus Giger, Präsident der Dorfkooperation Arnegg, äussert sich kritisch gegenüber einer Einheitsgemeinde: «Die Arnegger würden ausgeschlossen.» Gemperli hingegen ist überzeugt, dass ebendies nicht geschehen würde. «Andwil ist daran interessiert, auch die Arnegger Schulkinder zu unterrichten.»

Weiteres Vorgehen noch offen

Wie es weitergeht, ist derzeit noch offen. Am kommenden Montag an der Bürgerversammlung können die Andwiler über eine Änderung der Gemeindeordnung abstimmen. Damit will der Gemeinderat die Grundlagen schaffen, damit eine Grundsatzabstimmung über eine Fusion mit Gossau an der Urne durchgeführt werden könnte und nicht an der Bürgerversammlung. Eine Einheitsgemeinde kann die Politische Gemeinde hingegen nicht forcieren. Diesen Prozess müsste die Schulgemeinde anstossen.

Dominik Gemperli (Bild: pd)

Dominik Gemperli (Bild: pd)

Emanuel Kummer (Bild: pd)

Emanuel Kummer (Bild: pd)

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