Kein Hundeschmaus am Bahnhof

Gestern wollte die Tierambulanz Thurgau Hilfspakete für Obdachlosen-Hunde verteilen. Die Aktion wurde jedoch nicht bewilligt. Die Pakete kommen jetzt vielleicht Zürcher Hunden zugute.

Janina Gehrig
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Die Tierambulanz muss die «Doggy-Bags» anderswo verteilen. (Bild: Janina Gehrig)

Die Tierambulanz muss die «Doggy-Bags» anderswo verteilen. (Bild: Janina Gehrig)

Ein Hundeschmaus hätte es werden sollen. Die «Doggy-Bags» mit eineinhalb Kilogramm Hundefutter, Nassfutter und Hundeguezli waren bereits vorbereitet. Die Tierambulanz Thurgau wollte sie gestern am Hauptbahnhof St. Gallen an obdachlose Hundehalter abgeben (Tagblatt vom 11. Januar). Doch die geplante Verteilaktion fand nicht statt.

Keine Bewilligung für Aktion

«Leider wurde unser Projekt durch die Behörden beendet», sagt Andreas Gähler, Leiter der Tierambulanz Thurgau. Von der Stadtpolizei habe man die Antwort bekommen, das Sozialprojekt «weise kein Bedürfnis auf», da sich auf dem Gemeindegebiet der Stadt kaum obdachlose Personen aufhalten würden. «Diese Begründung ist für uns fragwürdig», sagt Sybille Bruggmann von der Tierambulanz. «Für uns sieht es so aus, als wolle man Randständige vom öffentlichen Raum fernhalten.» Dass dort Verteilaktionen nicht bewilligt würden, sei hingegen die Regel, nicht die Ausnahme, sagt Stadtpolizeisprecher Benjamin Lütolf. Im Grunde sei niemand auf die «Doggy-Bags» angewiesen. Denn mittellose Personen wüssten, wohin sie sich bei Problemen wenden könnten: Der Tierschutzverein stelle Naturalien wie Hundefutter zur Verfügung. Im Normalfall sei das aber nicht nötig. «Die Hunde werden meist gut gehalten», so Lütolf. Ausserdem müsse bei solchen Verteilaktionen auch ein kommerzieller Hintergrund in Betracht gezogen werden.

Guter Zweck oder Werbung?

Das verneinen die Veranstalter der Aktion vehement: «Die Aktion sollte einem guten Zweck dienen. Werbung zu machen, stand für uns nie im Vordergrund», sagt Gähler. Auch von den SBB erhielt die Tierambulanz eine Absage. Die Begründung: Das Verteilte sei nicht für die Passagiere gedacht. Diese könnten sich von den Hunden bedroht fühlen. Auch in der Gassenküche habe man die «Doggy-Bags» nicht verteilen können. «Unser Ziel ist, die Selbständigkeit der Leute zu fördern», sagt Thomas Spahr von der Gassenküche. Leute, die sich einen Hund halten, würden dazu angehalten, auch für ihn zu sorgen. «Es ist schade, dass man eine Bewilligung braucht, um zu helfen», sagt Gähler. Man kläre jetzt ab, ob die Aktion in Zürich stattfinden könne.