Kein Glück mit gestohlenen Losen

Ein 39jähriger Schweizer soll aus einem Tankstellenshop Lose im Wert von über 3000 Franken gestohlen haben. Er bestreitet die Tat. Das Kreisgericht glaubte ihm jetzt nicht und sprach ihn schuldig.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte war an der Verhandlung am Kreisgericht St. Gallen sichtlich erbost. Vehement verlangte er, dass eine anwesende Schulklasse den Saal zu verlassen habe. Der Richter wies ihn darauf hin, dass Gerichtsverhandlungen grundsätzlich öffentlich sind. Nur in Ausnahmefällen werden Zuhörerinnen und Zuhörer nicht zugelassen. Zudem muss der Ausschluss der Öffentlichkeit im Vorfeld beantragt werden.

Einsprache gegen Strafbefehl

Widerwillig liess sich der Mann schliesslich auf die Gerichtsverhandlung ein. Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft seien komplett falsch, betonte er. Sie habe keinerlei Beweise, dass er in die Migrol-Tankstelle eingebrochen sei. Er sei unschuldig und akzeptiere weder den Strafbefehl, den er von der Staatsanwaltschaft erhalten habe, noch eine allfällige Verurteilung durch das Kreisgericht. Falls nötig werde er mit seinem Fall bis vor Bundesgericht gehen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 39jährigen Schweizer im Juli einen Strafbefehl wegen Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes geschickt. Sie sah es als erwiesen an, dass er in der Nacht auf den 1. April in die Migrol-Tankstelle an der Rorschacher Strasse eingebrochen war und zwei Los-Ständer mitgenommen hatte. Den Wert der Lose bezifferte die Staatsanwaltschaft auf 3192 Franken, den Sachschaden auf weitere 2000 Franken.

Unbedingte Strafe

In der Anklageschrift wies die Staatsanwaltschaft darauf hin, dass der Beschuldigte mehrfach vorbestraft ist. Die letzte Strafe habe das Kreisgericht im Januar 2014 ausgefällt. Ein bedingter Strafvollzug sei aus diesen Gründen nicht mehr möglich. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von 60 Tagen und eine Busse von 600 Franken. Eine Geldstrafe sei nicht zweckdienlich, da der Mann keinen festen Wohnsitz, keine Arbeitsstelle, kein Einkommen und kein Vermögen habe.

Schriftliches Urteil verlangt

Als der Richter am Schluss der Verhandlung ankündigte, er werde das Urteil beraten und es danach mündlich verkünden, widersprach der Beschuldigte erneut. Er werde sich das Urteil nicht vor den Zuschauerinnen und Zuschauern anhören, sondern verlange eine schriftliche Version, die ihm zugeschickt werde. Auf diese Forderung ging der Richter ein und beendete die Verhandlung. Im dieser Tage schriftlich eröffneten Urteil fällte das Gericht nun einen Schuldspruch im Sinne der Anklage. Die Verfahrenskosten belaufen sich auf rund 2500 Franken.