Kein Geld von der Stadt

Über die hohen Mieten und den Wegzug kleinerer Geschäfte in der Altstadt ist niemand glücklich. Pro City sieht kaum Möglichkeiten, an der Situation etwas zu ändern. Und kleinere Läden zu subventionieren, ist nicht im Sinne des Stadtrates.

Elisabeth Reisp
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Hier spielt der freie Markt: An der Multergasse können sich fast nur noch grosse Ketten ein Geschäft leisten. (Bild: Ralph Ribi)

Hier spielt der freie Markt: An der Multergasse können sich fast nur noch grosse Ketten ein Geschäft leisten. (Bild: Ralph Ribi)

Der Rückgang der Branchenvielfalt in der Innenstadt ist zum Teil auf die hohen Mieten zurückzuführen (Tagblatt von gestern und vorgestern). Ralph Bleuer, Präsident von Pro City, bedauert dies sehr. «Ich weiss gar nicht, welche Möglichkeiten wir haben, dagegen vorzugehen.»

Stadt will nicht subventionieren

Instrumente, um die Entwicklung der Innenstadt zu lenken, sind nur wenige vorhanden. «Die primäre Aufgabe der Stadt ist es, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen», sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Deshalb sei die Neugestaltung des Marktplatzes aus Sicht des Stadtrats wichtig. Die Neugestaltung der südlichen Altstadt diene ebenfalls der Steigerung der Attraktivität.

«Direkt eingreifen kann die Stadt nicht», sagt Scheitlin. Dass die öffentliche Hand Liegenschaften an bester Lage kauft und zu moderaten Preisen vermietet, schliesst er aus. «Subventionen an Unternehmen sind nicht im Sinne der Stadt.» Auch beruft er sich auf den freien Markt. «Wir haben das Umfeld geschaffen, jetzt obliegt es den Gassengesellschaften und Pro City, kreativ zu sein.»

Die Pro City versuche bereits mit verschiedenen Aktionen, die Besucher in alle Gassen und Geschäfte der Innenstadt zu locken, sagt Präsident Ralph Bleuer. «Einzelne Aktionen bewegen die Unternehmen aber noch lange nicht dazu, sich hier niederzulassen.»

Branchenmix könnte besser sein

In etlichen Städten – in der Schweiz genauso wie in Deutschland und Österreich – kämpfen Politiker und Stadtoberhäupter gegen dieselben Geister. In vielen Städten gehen sie das Problem der hohen Mieten und der damit einhergehenden Verdrängung kleinerer Geschäfte mit einem Mehrpunkteprogramm an. Ob es etwas nützt, werden die Jahre zeigen. In St. Gallen ist kein ähnliches Projekt geplant. Die Leiterin der Standortförderung, Isabel Schorer, versucht aber in ihrer Vermittlerrolle für einen guten Branchenmix zu sorgen.

Die Standortförderung vermittelt leere Ladenflächen an Unternehmen, die in der Innenstadt ein Lokal suchen. «Wir können aber nur vermitteln, wenn wir von den Vermietern die Unterlagen erhalten.» Bei dem seit zwei Jahren leerstehenden Lokal an der Spisergasse 24 sei dies erst vor kurzem geschehen.

Spisermarkt als Magnet

Die Spisergasse gehört trotz ihrer innerstädtischen Lage bereits zu den Strassen, die markant tiefere Fussgängerfrequenzen verzeichnen als etwa die Multergasse. Mit der Wiedereröffnung des Einkaufszentrums Spisermarkt könnte sich dies ändern. Der Spisermarkt erfährt derzeit eine umfassende Sanierung und öffnet seine Tore voraussichtlich im Dezember 2016. «Je nach dem, welche Geschäfte einziehen, könnte die Gasse wieder mehr Zulauf erfahren», sagt Schorer.

Der Einfluss der Standortförderung sei begrenzt. Nur wenn verschiedene Interessengruppen zusammenarbeiten, kann etwas erreicht werden. Ein Beispiel, das geglückt ist, sei etwa das Adventsprojekt «Sternenstadt».

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