Kein Boot reicht ihm das Wasser

James Bond hängte mit dem italienischen Edelflitzer seine Verfolger ab, Verleger Axel Springer kurvte mit ihm auf dem Wannsee. Mitglieder des Riva-Motorbootclubs huldigten in Horn diesem Boot mit Kultstatus.

Max Eichenberger
Drucken
Konrad Börries mit seinem edlen Riva-Motorboot «Hermes», mit dem der Verleger Axel Springer vor 48 Jahren auf dem Wannsee herumfuhr. (Bild: Max Eichenberger)

Konrad Börries mit seinem edlen Riva-Motorboot «Hermes», mit dem der Verleger Axel Springer vor 48 Jahren auf dem Wannsee herumfuhr. (Bild: Max Eichenberger)

HORN. Angetrieben von zwei je 195 PS starken grollenden Craft-Achtzylinder-Motoren ist es über den See von Hagnau nach Horn herübergefahren. Es liegt an einem Gästeplatz im Hafen. In der «Traube» trafen sich am vergangenen Wochenende Mitglieder des Riva-Clubs. Sie haben es mit den legendären Motorbooten aus der italienischen Werft am Lago d'Iseo, die heute aber nicht mehr produziert werden.

Spielzeuge von Gunter Sachs

Riva-Boote sind der Inbegriff von schwimmendem Lifestyle. Gunter Sachs kurvte mit seinen Playgirls im Fond vor Nizza und hinterliess Wellen wie Fontänen. Brigitte Bardot hatte eines, Richard Burton ebenso, auch Sophia Loren. Nicht jeder konnte sich ein Luxusboot leisten, das in den Sechzigerjahren ein Markenzeichen des Jetsets war – ein Rolls-Royce auf dem Wasser.

Der letzte Meeresgott

Konrad Börries hat seine «Hermes» mit den türkis-beigen Polstern am Schiffssteg in Horn festgemacht, streicht mit der Hand über die edle Mahagonibeplankung. Der Berliner Unternehmer hat seine «Riva» in vielen Gewässern Europas schon gewassert – und den Transport mit dem eigenen Lastwagen besorgt. Er ist stolz auf sein Boot mit der Baunummer 258: Es ist das letzte der Modellreihe Tritone – was so viel heisst wie Meeresgott.

Des Verlegers «Hermes»

1966 ist das Boot in der Werft von Carlo Riva gebaut worden. Auf Bestellung nicht eines Jetsetters, sondern des deutschen Verlegers Axel Springer. Auch einer, der auf der Riva-Welle ritt. Drei Jahre zuvor schüttelte James Bond noch mit dem bis zu 40 Seemeilen schnellen Wasserflitzer in «Liebesgrüsse aus Moskau» seine hartnäckigen Verfolger ab. Das hat nicht nur Konrad Börries Eindruck gemacht. Man begnügte sich mit kleinen Spielzeugbooten aus Plastik. Der Bub von damals konnte sich den Riva-Traum leisten, als die Produktion schon ausgelaufen und der Kult-Wert der Luxusmotorboote weiter gestiegen war.

Aus dem Museum erweckt

Axel Springers Boot verkehrte nur vier Jahre auf dem Wannsee. Dann galt es in einem Privatmuseum im Harz als «verschollen», ehe es Börries gelang, den untergetauchten Meeresgott zu erwerben und zu reaktivieren. Zur Freude der Riva-Freunde, die sich in Horn ein Stelldichein geben und «Hermes» bewundernde Blicke zuwerfen. Selber sind sie auch Eigner der sportiv-eleganten Klassiker, schonen ihre Wasserfahrzeuge an diesem Regentag aber.

Weit über eine halbe Million

Unter dem schützenden Blätterdach im «Traube»-Garten stösst auch Jürgen Renken standesgemäss an. Der Hamburger Geschäftsführer der Public Image Design hat Börries' Boot 2011 restauriert und es zu einem zeitlosen Schmuckstück veredelt. Den Auftragswert verrät er nicht. Dafür liess sich der Berliner Besitzer dann doch noch den Marktwert seines Kultbootes entlocken: 600 000 bis 650 000 Franken.

Aktuelle Nachrichten