KEHRTWENDE: Weihern-Festival nun doch auf Dreilinden

Das Weihern-Festival findet vom 14. bis 16. September im Familienbad Dreilinden statt – so wie ursprünglich geplant. Überraschend sind sich der Veranstalter des Open Airs und die Stadt doch noch einig geworden.

Roger Berhalter
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Der Chrüzweier mit Familien- und Frauenbad: Die Bühne des Weihern-Festivals steht jeweils auf der grünen Wiese in der Bildmitte. (Bild: Michel Canonica)

Der Chrüzweier mit Familien- und Frauenbad: Die Bühne des Weihern-Festivals steht jeweils auf der grünen Wiese in der Bildmitte. (Bild: Michel Canonica)

Damit hatte niemand mehr gerechnet. Doch seit Donnerstag ist es offiziell: Das Weihern-Festival wird nun doch auf Dreilinden stattfinden, also wie ursprünglich geplant unter freiem Himmel und nicht in der Grabenhalle. Dies teilen die Veranstalter mit: "Wir bedanken uns beim Stadtrat für seine wohlwollende Haltung und konstruktive Gesprächsbereitschaft, mit welcher er die Klärung der in den letzten Wochen entstandenen Missverständnisse ermöglicht hat."

Angesichts der turbulenten Vorgeschichte kommt dies überraschend. Am 9. Mai gab der Stadtrat grünes Licht für das Weihern-Festival 2017. Dies mit der Auflage, die Bühne so zu drehen, dass weniger Schall in Richtung Notkersegg und Birnbäumen dringt. Diesmal sollten sich die Stadtbewohner von der Musik nicht mehr gestört fühlen. Nicht so wie am Weihern-Festival 2016, als Lärmklagen zu einem umstrittenen Polizeieinsatz führten und das Festival beinahe abgebrochen wurde.

Empfehlungen darf man ignorieren

Nach dem 9. Mai waren sich Stadt und Veranstalter grundsätzlich einig. Doch danach formulierten die städtischen Behörden weitere so genannte Lärmschutzziele: Ab 22 Uhr sollte die Musik leiser spielen. Darauf blies der Veranstalter das Open Air ab und verlegte es in die Grabenhalle. "Es war nicht mehr daran zu denken, unter diesen Bedingungen ein Musikfestival durchzuführen", erinnert sich OK-Chef Dario Aemisegger. Nun hat er aber dennoch ein Bewilligungsgesuch für ein Open Air eingereicht. Weshalb das Hin und Her? "Die Missverständnisse sind nun geklärt, und wir können das Festival im gleichen Rahmen wie im vergangenen Jahr durchführen", sagt Aemisegger.

Mit den Missverständnissen meint er konkret die Frage, wie er als Veranstalter mit den "Lärmschutzzielen" des städtischen Amtes für Umwelt und Energie umgehen soll. Dies habe sich nun in erneuten Gesprächen mit dem Stadtrat geklärt: Die Lärmschutzziele seien keine verbindlichen Auflagen, sondern unverbindliche Empfehlungen. Die Weihern-Festival-Veranstalter müssen sie also nicht befolgen – und das werden sie auch nicht. Die "Empfehlungen einiger Dienststellen fliessen nicht in die Umsetzung der diesjährigen Ausgabe ein", heisst es in der Mitteilung.

Laut Stadtpräsident Thomas Scheitlin war von Anfang an klar, dass der Stadtrat Empfehlungen abgegeben und keine zusätzlichen Auflagen gemacht habe. "Seitens der Stadt kann es sich deshalb auch nicht um ein Missverständnis handeln." Scheitlin betont, dass sich seit dem 9. Mai an den Rahmenbedingungen für das Weihern-Festival nichts verändert habe. "Wir haben keine zusätzlichen Auflagen gemacht. Das Festival wäre auch schon vorher in diesem Rahmen durchführbar gewesen."

Auf das Open Air folgt die Revolution

Das Open-Air-Gelände liegt im Perimeter der Schutzverordnung Dreilinden-Notkersegg. Der Stadtrat selbst schrieb am 19. Mai in einer Mitteilung, dass das Festival "mit Blick auf die inzwischen erreichten Dimensionen" mit der Verordnung "nur mehr bedingt in Einklang gebracht" werden könne. Laut Scheitlin ist das Festival noch Weihern-kompatibel: "In der jetzigen Form ist das Festival mit der Schutzverordnung vereinbar." Ein weiteres Wachstum komme allerdings nicht in Frage.

Für Dario Aemisegger wird das Weihern-Festival 2017 das letzte als Veranstalter sein. Danach will er sich aus dem OK zurückziehen und auf seine "Revolution 9000" konzentrieren. Mit dieser Initiative rief er kürzlich den Kampf gegen die "Diktatur der Bünzlis" aus und lud in den Stadtpark, um Stadtbewohner miteinander ins Gespräch zu bringen. Für das Weihern-Festival habe die Geschichte nun ein gutes Ende genommen, sagt Aemis­egger. Doch bei der städtischen Bewilligungspraxis für kulturelle Anlässe bestehe nach wie vor Handlungsbedarf.