Katholiken kämpfen um Wähler

ST.GALLEN. Der Katholische Konfessionsteil des Kantons St.Gallen hat sich für die bevorstehenden Erneuerungswahlen externe Unterstützung geholt. Ein St.Galler Kommunikationsbüro soll mithelfen, mehr Wähler an die Urne zu locken.

Marion Loher
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Die katholischen Kirchbürger haben bislang wenig Interesse an den Wahlen ihrer Kirchgemeindebehörde gezeigt. Das soll sich nun ändern. (Bild: ky/Gaetan Bally)

Die katholischen Kirchbürger haben bislang wenig Interesse an den Wahlen ihrer Kirchgemeindebehörde gezeigt. Das soll sich nun ändern. (Bild: ky/Gaetan Bally)

In zwei Wochen, am 13. September, wird im Kanton St.Gallen gewählt. Nicht für den Regierungsrat, nicht für den Kantonsrat und auch nicht für den Stadt- respektive Gemeinderat. Die St.Galler Katholiken bestimmen die Mitglieder ihrer Kirchgemeindebehörden für die nächsten vier Jahre sowie jene des Parlaments, des sogenannten Kollegiums.

Wahlen meist ohne Wahlkampf

In der Öffentlichkeit werden diese Wahlen, im Gegensatz zu den politischen, kaum wahrgenommen. Es gibt keine Plakate am Strassenrand mit lachenden Kandidierenden, und es werden auch keine Jasskarten oder Sonnenbrillen verteilt. Dies, weil in den meisten Kirchgemeinden auch keine Kampfwahlen stattfänden, sagt Thomas Franck, Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St.Gallen. Trotzdem sollen die Katholiken mehr für die Wahlen sensibilisiert werden. Viele würden gar nicht wissen, dass sie damit demokratisch mitentscheiden könnten, wofür beispielsweise die Kirchensteuer verwendet werde, sagt Franck.

Geringe Stimmbeteiligung

Aus diesem Grund hat der Katholische Konfessionsteil auf die diesjährigen Wahlen hin erstmals ein St.Galler Kommunikationsbüro beauftragt, ihn bei der Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. So wurden unter anderem Broschüren gedruckt und die Homepage wurde mit detaillierten Informationen zu den Wahlen ergänzt. Hier begründen auch bekannte St.Gallerinnen und St.Galler wie Ständerätin Karin Keller-Sutter oder Kantonsrat Michael Götte, weshalb sie am 13. September an die Urne gehen. Im aktuellen «Pfarreiforum», dem katholischen Pfarrblatt, sind den Wahlen zudem zwei Seiten gewidmet. In die Werbekampagne wurden gemäss Franck etwa 10 000 Franken investiert. «Mit dem verstärkten Auftritt in der Öffentlichkeit hoffen wir, mehr Wähler zu gewinnen.» Dass hier noch Potenzial steckt, zeigt die Stimmbeteiligung an den letzten beiden Wahlen: 2007 betrug sie 14 Prozent, vier Jahre später waren es 15 Prozent.

Der Verwaltungsdirektor des Katholischen Konfessionsteils sieht keinen Zusammenhang zwischen der tiefen Stimmbeteiligung und den Kirchenaustritten. «Die Austritte sind in den vergangenen Jahren konstant bei 0,5 bis 0,7 Prozent pro Jahr geblieben.» Vielmehr führt er das geringe Interesse der Katholiken darauf zurück, dass die Kirche vielfach nur durch den Gottesdienst oder negative Schlagzeilen wahrgenommen werde. «Die Kirchgemeinden leisten jedoch einen wesentlichen Beitrag an das Gemeinwohl.» Sei es in der Seelsorge, im Sozialen, in der Bildung oder in der Kultur. «Oft ist es eine Arbeit im Hintergrund, die nicht viel Aufsehen erregt», sagt Franck. Die Teilnahme an den Wahlen ist seiner Ansicht nach auch eine Wertschätzung der Arbeit der Behörden. «Schön wäre deshalb in diesem Jahr eine Steigerung der Stimmbeteiligung auf 20 bis 25 Prozent.»

Noch fünf Präsidenten gesucht

Im Kanton St.Gallen leben rund 235 000 Katholiken. Wahl- und stimmberechtigt sind alle ab dem 18. Lebensjahr – unabhängig von ihrer Staatszugehörigkeit. Das sind etwa 185 000 katholische Erwachsene. Gewählt wird in zwei Wochen in 101 Kirchgemeinden. Kandidierende zu finden, sei nicht immer einfach gewesen, sagt Franck. «Ein Handicap ist, dass das Amt einen für vier Jahre verpflichtet.» So sind mit dem heutigen Tag denn auch noch einige Sitze vakant. In fünf Kirchgemeinden beispielsweise gebe es derzeit noch keinen Kandidaten für das Präsidium, sagt Franck. Eine Ausnahme bildet in diesem Jahr die katholische Kirchgemeinde der Stadt St.Gallen. Hier gibt es doppelt so viele Kandidaten wie Sitze. «Das kommt wahrlich selten vor», weiss Franck, der das grosse Interesse auch mit der Attraktivität des Amts in einer derart grossen Kirchgemeinde begründet.

Auch für das Kollegium, das 180köpfige Parlament des Katholischen Konfessionsteils, finden sich eher Kandidaten. Die Legislative tagt allerdings auch nur zweimal im Jahr.