Kathedrale: Bausünde verhindern

«Kathedrale: Opposition kommt zu spät», 12.3.2013, und «Öffentliche Information zu spät», Leserbrief, 14.3.2013, und «Der erste liturgische Ort im Bistum»/«Ein Ort des Lebens», Leserbriefe, 21.3.2013

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«Kathedrale: Opposition kommt zu spät», 12.3.2013, und

«Öffentliche Information zu spät», Leserbrief, 14.3.2013, und

«Der erste liturgische Ort im Bistum»/«Ein Ort des Lebens», Leserbriefe, 21.3.2013

Ich schreibe diesen meinen ersten Leserbrief nur aus einem einzigen Grund, und zwar deshalb, weil mir als Stadtsanktgallerin unsere wunderschöne spätbarocke, zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Kathedrale einfach am Herzen liegt.

Ich glaube auch, wie Martin Schregenberger in seinem Leserbrief schreibt, dass sich die Besucherinnen und Besucher der Kirche, falls das Projekt tatsächlich realisiert wird, dann die Augen reiben werden, weil sie sich das Ganze anders vorgestellt haben. Und dies ist genau der Punkt. Am Anfang dachte auch ich, dass die Visualisierung des Projektes «Placidus» für eine neue Altarinsel mit den beigen Elementen auf schwarzem Hintergrund schön aussieht. Eine wirklichkeitsnahe 3D-Visualisierung ist mir jedoch nicht bekannt.

Gemäss Urteil einer Kunsthistorikerin und zweier Kunsthistoriker fügt sich die Altarinsel nicht in den Kuppelraum ein, zudem ist das Entfernen von zwei Bankreihen schon zu viel, hat doch jede Bankreihe an jeder Seite eine individuelle Bankwange, nicht zu reden vom Schrägstellen der vorderen Bänke, was die etwa 100 Meter lange Flucht in den Seitengängen durchbricht. Das Projekt ist meiner Meinung nach aus all diesen Gründen eine «kunsthistorische Sünde».

Vielen Kirchgängern war überhaupt nicht bekannt, dass es sich beim jetzigen Zustand um ein 45jähriges Provisorium handelt. Jedenfalls fügt sich der heutige Volksaltar, auch wenn er nur furniert ist, bestens in den Raum ein. Ich weiss nicht, wie der neue Zehn-Tonnen-Terrazzo-Altarblock (Farbe?) beim Kirchenvolk ankommen wird. Warum konnte man nicht das bewährte Provisorium zum Providurium erklären, die schadhaften Stellen reparieren und fehlende Elemente integrieren? Vielen Leuten gefallen auch die Ornamente auf den Stufen nicht. Die neue Altarinsel hat einfach zu viele Mängel.

Leider fühle ich mich in dieser Angelegenheit als Katholikin durch das Katholische Kollegium nicht vertreten. Es tut mir leid, wenn eine solche Polemik um den Altar unseres Herrn Jesus Christus entsteht, denn es geht ja letztlich um das Zentrum des katholischen Glaubens, nämlich das würdige Feiern der Eucharistie. Es tut mir aber jedes Mal in der Seele weh, wenn ich mir von der Empore aus die neue Altarinsel in der Kathedrale vorstelle. Ich kann nur hoffen, dass sich doch noch eine gute Lösung ergibt und dass sich mein Vorstellungsvermögen nicht bewahrheitet.

Silvia Bärlocher

Falkensteinstr. 54, 9000 St. Gallen

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