Kassensturz beim Samichlaus

Bei vielen katholischen Chlausgruppen hat Spenden Tradition. Nach dem Chlausen wird nun abgerechnet. Dieses Jahr gehen fast 10 000 Franken aus den Chlausbesuchen an verschiedene Hilfsorganisationen und Projekte.

Corinne Riedener
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Das Bischofsgewand wandert wieder in den Schrank: Zeit für die Abrechnung. (Bild: Reto Martin)

Das Bischofsgewand wandert wieder in den Schrank: Zeit für die Abrechnung. (Bild: Reto Martin)

Die Chlausensaison ist vorbei. Jetzt werden Bischofsgewand und Schmutzlis Kutte gereinigt und verstaut, der Bart gekämmt und gepflegt, Kaputtgegangenes geflickt. Die anstrengendsten Tage für den Chlaus sind zwar vorbei, die Arbeit aber noch nicht. Denn auch der Samichlaus muss sich um Administratives kümmern. Die Listen mit Lieferanten und «Stammkunden» müssen nachgeführt, vielleicht Offerten für neue Bärte eingeholt werden. Und ganz wichtig: der Kassensturz – denn jetzt wird erörtert, wie viel Geld aus den bezahlten Besuchen und Spenden zusammengekommen ist. Dieses Jahr waren es gegen 10 000 Franken.

Moderne Robin Hoods

Der Samichlaus-Brauch geht zurück auf den grosszügigen Bischof Nikolaus von Myra, eine Ortschaft in der heutigen Türkei. Er galt als Wohltäter der Kinder, weshalb die Chlausgruppen katholischer Pfarreien in St. Gallen ihre Überschüsse jedes Jahr Hilfsorganisationen, Vereinen oder eigenen Projekten spenden.

«Wir wollen Gutes tun, wie Nikolaus in der Legende», sagt Walter Schöb von der Chlausgruppe Dom. «Dieses Jahr konnte unsere Gruppe der Gassenküche gut 3000 Franken übergeben.» Die Dom-Gruppe habe 60 Familien besucht und etwa gleich viele Caritas-Besuche gemacht. Caritas-Besuche sollen jungen, mittellosen Familien einen kostenlosen Samichlaus-Abend ermöglichen. Der Chlaus bringt diesen Familien jeweils einen Zopf und ein Lebensmittelpaket mit, das aus den Einnahmen der regulären Chlausbesuche stammt. «Eigentlich ähnlich wie bei Robin Hood», sagt Walter Schöb.

Für Schulprojekte in Nepal

Auch im Heiligkreuz hatte man viel zu tun: «Wir haben dieses Jahr über 200 Kinder und etwa 150 Erwachsene besucht», sagt Felix Rütsche von der Chlausgruppe Heiligkreuz. Die 19köpfige Gruppe spende ihre Überschüsse aus diesem Winter zusammen mit der Kolpingfamilie an verschiedene Projekte, darunter einem Schulprojekt in Nepal. «Es ist einiges zusammengekommen, den definitiven Betrag kennen wir aber noch nicht», sagt er.

Eine «äusserst erfolgreiche» Saison erlebte gemäss einer Mitteilung auch die Chlausgruppe St. Martin, die das Gebiet um Bruggen «bechlaust». Sie habe rund 120 Familien einen Besuch abgestattet. 1000 Franken hätten gespendet werden können.

Auch in Abtwil ist man zufrieden. Die Chlausgruppe St. Nikolaus habe etwa 170 Kinder beschenkt, sagt Liliane Frick. Dieses Jahr sei die Gruppe zweimal für ein «Waldchlausen» bestellt worden. Über 70 Kinder seien gekommen, um zu singen oder dem Samichlaus ein Sprüchli aufzusagen. «Wir konnten 1300 Franken spenden. Das Geld geht an Schulprojekte in Nepal und Kolumbien», sagt Liliane Frick. Ihnen sei es vor allem wichtig, einen persönlichen Bezug zu den von ihnen unterstützen Projekten zu haben.

Lachen als schönster «Lohn»

Um das Gebiet St. Georgen kümmert sich nur ein einziger Chlaus. «Ich kann dafür aus drei Schmutzlis auswählen», sagt Meinrad Senn. Er habe dieses Jahr an acht Tagen fast 150 Kinder besucht. Der Erlös von 830 Franken komme dem Familientreff in St. Georgen zugute. Dort wisse er genau, wie die Spende eingesetzt wird.

In einem sind sich alle Chlausgruppen einig: Egal, wie viel sie sammeln konnten, das Lachen auf den Gesichtern sei noch immer das Schönste.