Karriere vor der Kamera

GOLDACH/NEW YORK. Der Goldacher Philip Andrew Trümpi will den Durchbruch als Schauspieler in New York schaffen. Doch die Konkurrenz ist gross. Umso härter muss der 23-Jährige für seinen Traum kämpfen – mit ersten Erfolgen.

Linda Müntener
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Philip Andrew Trümpi (im dunkelblauen Anzug) hat kürzlich seinen ersten eigenen Kurzfilm mitten in New York gedreht. (Bild: pd)

Philip Andrew Trümpi (im dunkelblauen Anzug) hat kürzlich seinen ersten eigenen Kurzfilm mitten in New York gedreht. (Bild: pd)

Ein Mann liegt regungslos auf der Strasse. Er trägt ein weisses Sweatshirt, sein Kopf ist blutverschmiert. Unter ihm breitet sich das Blut langsam aus. Das ist die Anfangsszene von Philip Andrew Trümpis erstem Kurzfilm. Vor wenigen Wochen hat der Goldacher «Clash» mit einem Freund mitten in New York gedreht. «Es ist einiges schiefgelaufen, doch ich habe viel gelernt», sagt er. Eine neue Erfahrung für den 23-Jährigen, der eine Ausbildung am namhaften Lee Strasberg Theatre & Film Institute absolviert. Und ein weiterer Schritt auf dem Weg zu seinem grossen Traum: in New York den Durchbruch als Schauspieler schaffen.

Wertvolle Kontakte

Vor wenigen Monaten hat er seinen Job bei einer Bank in Zürich gekündigt, das Wirtschaftsstudium hingeschmissen und ist in einen Flieger nach New York gestiegen. Der Goldacher war schon als Kind vom Schauspielerberuf fasziniert. Der Entschluss, es tatsächlich mit einer Schauspielkarriere zu versuchen, kam plötzlich. Dank einer Freundin bekam er die Möglichkeit, im Film «Ziellos» mitzuspielen, der im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wurde. «Als ich zum ersten Mal am Filmset war, wusste ich sofort: Das willst du jetzt machen.» Dass das nicht einfach ist, merkte er schnell. «Ich hatte keine Ahnung, wie ich alles finanzieren soll. Und ich wusste nicht, ob ich als Laie an einer Schule wie der von Strasberg angenommen werde.»

Der 23-Jährige hatte Glück. Durch Zufälle gelangte er an die richtigen Kontakte. Er wurde am Lee Strasberg Theatre & Film Institute angenommen und hat bisher in neun Kurzfilmen mitgespielt, die alle an Filmfestivals gezeigt wurden.

Erstes Drehbuch geschrieben

Doch Philip Andrew, wie er sich in New York nennt, will mehr. So hat er kürzlich sein erstes Drehbuch geschrieben und dieses verfilmt. Den Regisseur Artiom Savelev hat er zufällig kennengelernt – beim Zähneputzen im Studentenheim. «Wir waren damals beide gerade in New York angekommen und träumten davon, im Filmgeschäft zu arbeiten.» Savelev als Regisseur, Philip Andrew als Schauspieler. Ihr Budget für den Film betrug nur 300 Dollar. Sie haben Freunde um Hilfe gebeten, zwei Lichter und einen Mikrophonstab gekauft. «Wir hatten keine Ahnung, wie man dreht, editiert, vertont oder beleuchtet.» Doch nach etlichen Stunden war der zehnminütige Film im Kasten. «Eigentlich war er als Testfilm gedacht. Wir hatten nicht die Absicht, ihn zu veröffentlichen.» Vieles hätte man besser machen können. Dennoch haben die Freunde den Kurzfilm auf YouTube gestellt. «Weil wir einfach unglaublich viel Spass hatten.»

Zugang zu eigenen Gefühlen

Philip Andrew geniesst es, in die unterschiedlichsten Charaktere zu schlüpfen. «Ich mag es, Zugang zu vielen eigenen Gefühlen zu bekommen und sie zuzulassen.» Zudem hätten ihm in der Vergangenheit Filme in schwierigen Situationen immer geholfen. «Die Vorstellung, dass ich eines Tages als Schauspieler auf der Leinwand anderen Leuten vielleicht auch helfen kann, finde ich super.» Doch mit diesem Wunsch ist er in New York nicht alleine. Unzählige Nachwuchsschauspieler versuchen dort ihr Glück. «Die Konkurrenz ist riesig. Es wimmelt hier genauso von Schauspielern wie in Hollywood», sagt Philip Andrew, der Christian Bale und Will Smith zu seinen Vorbildern zählt. «Ich kann einfach nur hart arbeiten und versuchen, die richtigen Leute zu treffen.» Damit dies gelingt, spielt er in Kurzfilmen mit und besucht Filmfestivals sowie Industrietreffen. Diese haben einen weiteren Vorteil: kostenloses Essen. «Das tut meinem Portemonnaie gut», sagt Philip Andrew. Denn langsam neigen sich seine Ersparnisse, von denen er lebt, dem Ende zu. Geld verdienen darf er mit seinem Studentenvisum nicht. Je länger, je mehr ist er von Freunden abhängig, die ihn unterstützen – sei es mit einem Schlafplatz oder einer Mahlzeit.

Der 23-Jährige glaubt fest daran, dass er es einst auf die grosse Leinwand schafft. Durch seinen ersten eigenen Kurzfilm ist die Produktionsfirma SaveArtPictures entstanden. «Mit der Hilfe von grosszügigen und talentierten Menschen verfilmen wir derzeit bereits das nächste Projekt.» Zwei weitere seien geplant. «Träume können wahr werden», ist Philip Andrew überzeugt. «Wenn man daran glaubt, hart arbeitet und niemals aufgibt.»

Philip Andrew Trümpi Schauspielstudent (Bild: pd)

Philip Andrew Trümpi Schauspielstudent (Bild: pd)