KARRIERE: Auf einer Gratwanderung

Im internationalen Motorsport spielt das Geld eine wesentliche Rolle. Der junge St.Galler Kartfahrer Titus-Shanghai Schmidli ist ein grosses Talent. Ob sich sein Traum erfüllt, ist allerdings ungewiss.

Daniel Good
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Rennfahrer Titus-Shanghai im 35 PS starken Kart. Der St.Galler ist zweigleisig unterwegs. (Bild: Benjamin Manser)

Rennfahrer Titus-Shanghai im 35 PS starken Kart. Der St.Galler ist zweigleisig unterwegs. (Bild: Benjamin Manser)

Daniel Good

daniel.good@tagblatt.ch

Ayrton Senna war ein Champion im Kartfahren und wurde hernach dreimal Formel-1-Weltmeister. Der Vater von Rekordweltmeister Michael Schumacher war Pächter einer Kartbahn. Auch die aktuellen Formel-1-Stars Lewis Hamilton und Max Verstappen lancierten ihre Karrieren im kleinen Rennauto. Ein junger St.Galler ist schon seit ­Jahren ebenfalls mit einem Kart in ganz Europa unterwegs. Der 15-jäh­rige Titus-Shanghai Schmidli ist Sekundarschüler, bald Lehrling und Rennfahrer. Seit bald zehn Jahren gehört die Leidenschaft Schmidlis den Motoren, Pneus und Aus­puffen.

Die Kosten fürs Kartfahren sind vergleichsweise gering. Deshalb machen viele den ersten Schritt in dieser Kategorie und träumen von den Formel 1. Aber der Bedarf an Finanzen wird mit der Zeit sehr hoch, wenn man die Sportart auf einem professionellen Niveau wie Schmidli betreibt.

Britisches Know-how für St.Galler Rennwagen

Vater Christian Schmidli wendet aussergewöhnlich viel Zeit auf, um die Finanzen im Lot zu ­halten. Der Rennsport ist nicht nur auf der Piste, sondern auch finanziell eine Gratwanderung. Die Sponsoren rennen Schmidlis nicht die Bude ein. So muss auch der Vater kräftig investieren. Der HSG-Absolvent mit Doktortitel ist einer der Hauptgeldgeber. Aber nicht nur das. Er kümmert sich um fast alles, auch ums Technische. Seit drei Jahren erhält das Team im technischen Bereich aber immer mehr Unterstützung von professioneller Seite. Denn der Sohn hat mittlerweile ein Niveau erreicht, in dem nur noch mit hochkomplexem Material ein Staat zu machen ist. Britische Motorsportexperten kümmern sich um Schmidlis Boliden.

Ein Kart, wie ihn Schmidli steuert, hat etwa 35 PS und ist 140 Stundenkilometer schnell. Der Feinschliff und die Abstimmung des Gefährts sind entscheidend, wenn es um die Spitzenplätze geht. Das Talent lässt nichts unversucht, um einmal ganz nach oben zu kommen. Dazu gehören auch Sponsorenauftritte, die sich über das ganze Wochenende erstrecken können.

Grosse Anstrengungen, ungewisser Ertrag

Die Garantie, dass es einmal zu einer grossen Karriere reicht, hat niemand. Auch deshalb ist es eine Gratwanderung. Alle Anstrengungen können schliesslich für die Katz sein. Das ist dem Team Schmidli schon bewusst. Deshalb beginnt der junge Rennfahrer auch eine Lehre in einem St.Galler Technologie-Unternehmen, die ihn im Motorsport auch einmal weiterbringen könnte. Abseits der Rennpiste als Ingenieur vielleicht. Zunächst aber heisst es Gas geben auf der Strecke wie in der vergangenen Woche bei Tests in Italien. Der Traum lebt.