Kapelle als Kraftort

GOSSAU. Marienverehrung hat in Gossau einen besondern Platz: Die Kapelle auf dem Friedberg. Sie ist ein Wallfahrts- und Kraftort. Am Sonntag wird ihr 50jähriges Bestehen gefeiert.

Josef Osterwalder
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Marienkapelle auf dem Friedberg, seit 50 Jahren Gebetsstätte der Schönstatt-Bewegung und auch allgemeiner Wallfahrtsort. (Bild: Stefan Beusch)

Marienkapelle auf dem Friedberg, seit 50 Jahren Gebetsstätte der Schönstatt-Bewegung und auch allgemeiner Wallfahrtsort. (Bild: Stefan Beusch)

Eine junge Frau, die ihr kleines Kind an das Herz drückt: Diese Darstellung bildet Mittelpunkt und Blickfang der Kapelle auf dem Friedberg. Und nicht nur dort. In über 200 Kapellen hängt das gleiche Marienbild; mehr noch, selbst die Bauten sehen genau gleich aus. Sie sind jener Kapelle nachgebildet, in der 1914 die Schönstatt-Bewegung entstanden war.

Kriegszeiten

Diese Anhänglichkeit hängt mit den besonderen Umständen ihrer Gründung zusammen. Es war am Vorabend des Ersten Weltkriegs, als der charismatische Priester und Schulseelsorger Josef Kentenich ein Grüppchen seiner Schüler in eine kleine Kapelle einlud, um den besondern Schutz Marias zu beten. Diese Weihestunde in Schönstatt bei Vallendar ist manchen von ihnen in den Sinn gekommen, als sie in die mörderischen Schlachten des Weltkriegs geschickt wurden. Heimgekehrt, haben sie zur Kapelle zurückgefunden und zusammen mit ihrem Seelsorger eine besondere Marienfrömmigkeit entwickelt. In der Beziehung zu ihr wollten sie ihren Glauben erneuern und festigen. Denn wiederum trieb Europa einem Krieg entgegen.

Bewegte Geschichte

In der Zwischenkriegszeit entstand auch die erste Marienkapelle auf dem Friedberg. 1930 war es zunächst eine Lourdes-Grotte, 1938 wurde sie in einen eigentlichen Kapellenbau integriert.

Unglücklicherweise stand jener Bau mitten im Gelände, das für den Ausbau des Pallottiner-Gymnasiums gebraucht wurde. Darum entschloss man sich, sie mit einer neuen, besser plazierten Kapelle zu ersetzen. Am 18. Oktober 1961 konnte die heutige Kapelle eingeweiht werden, diesmal als exakter Nachbau des «Urheiligtums» in Schönstatt.

Ihr 50jähriges Besehen wird nun am Sonntag mit dem Jubiläumsfest gefeiert. Ein Anlass, in die Geschichte der Schönstatt-bewegung zurückzublenden. Zum Beispiel auf die Zerreissprobe, als sich 1964 die Priestergemeinschaft in eine Pallottiner- und Schönstatt-Richtung trennte. Seither haben sich die Spannungen gelegt; die Kapelle bildet heute wieder ein Bindeglied für beide Zweige, ein jedermann offenstehender Wallfahrtsort.

2006/2008 wurde die Kapelle innen und aussen renoviert und die Aussenanlage so gestaltet, dass ein Platz für Freiluftgottesdienste entstand. Mit sieben symbolischen Darstellungen wird das Thema die «sieben Freuden Marias» aufgegriffen. Diese positive Aussage hebt sich von den sonst üblichen «sieben Schmerzen Marias» ab und zeigt, dass die Schönstattbewegung die Bibel als Frohbotschaft vermitteln will.

Josef Kentenich

Nebst der besondern Beziehung zu Maria wird in der Schönstattbewegung auch die Erinnerung an den Gründer, Josef Kentenich, gepflegt. Dieser war 1941 von den Nazis verhaftet und zur Haft im Konzentrationslager verurteilt worden. Nach der Befreiung 1945 widmete er sich dem Aufbau seiner Bewegung, kam 1951 aber ins Visier der Glaubenskongregation, die ihn nach Milwaukee verbannte, bis Papst Paul VI. ihn 1965 wieder rehabilitierte.

Die Schönstattbewegung ist facettenreich aufgebaut; es gibt Gruppierungen für Familien, Jugendliche, Mütter; dazu eine Patres- und Schwesterngemeinschaft. All diese Vereinigungen sind föderativ aufgebaut, aber verbunden mit einer Spiritualität, die Beheimatung und Offenheit miteinander zu verbinden sucht.

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