Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KANTON ST.GALLEN: Wo die St.Galler Regierungsräte ihre Steuern zahlen

Der Waadtländer Finanzminister Pascal Broulis kam in Verruf, weil er den Grossteil seiner Steuern nicht in Lausanne, sondern in einer günstigeren Gemeinde bezahlt. Im Kanton St. Gallen zahlen nur drei Regierungsmitglieder an ihrem Arbeitsort auch Steuern.
Janina Gehrig

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: <strong style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent; color: rgb(0, 120, 190);"><em style="margin: 0px; padding: 0px; font-size: 18px; vertical-align: baseline; border: none; outline: 0px; background: transparent;">www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Pascal Broulis witterte eine «Deutschschweizer Verschwörung». Nachdem der Waadt­länder Finanzdirektor vom «Tages-Anzeiger» der Steueroptimierung bezichtigt worden war, wies er zuerst sämtliche Vor­würfe zurück und schwieg dann ­während mehrerer Wochen. Erst unter dem wachsenden medialen Druck legte er schliesslich Verdienst und Steuerabzüge 2015 doch noch offen.

Der Grund für den Medienwirbel: Obwohl Broulis mit Frau und Sohn mehrheitlich in Lausanne lebt, entrichtet der FDP-Finanzminister dort nur einen Drittel seiner Steuern. Zwei Drittel gehen an die steuergünstigere Gemeinde Sainte-Croix im Waadtländer Jura, wo Broulis aufgewachsen war und ein Haus besitzt. Zu reden gaben vor allem auch die Steuerabzüge für Transportkosten. Im Jahr 2015 machte Broulis dafür 15'000 Franken geltend.

Was soll diese «unsägliche Fragerei»?

Über fiskalische Angelegen­heiten spricht man auch in der ­Ostschweiz eher ungern. Als die «Ostschweiz am Sonntag» bei den St.Galler Regierungsräten sowie auf dem städtischen Einwohneramt und den Steuerämtern entsprechende Fragen deponierte, empfindet man dies als intransparente Vorgehensweise oder auch als «unsägliche Fragerei». Ein Regierungsmitglied meint gar, «man sei nun gewarnt». Das Einwohneramt der Stadt St.Gallen, das bereitwillig Auskünfte über Drittpersonen in Aussicht gestellt hatte, verweigerte diese einen Tag später mit der Begründung, es liege kein «schutzwürdiges Interesse» vor.

Dabei scheint in St.Gallen alles mit rechten Dingen zuzugehen. Von den sieben Regierungsräten wohnen fünf in der ­Kantonshauptstadt oder in unmittelbarer Nähe und bezahlen ihre Steuern auch dort. Fredy Fässler (SP) wohnt in der Stadt St.Gallen, Bruno Damann (CVP) in Gossau, Marc Mächler (FDP) in Zuzwil, Stefan Kölliker (SVP) in Bronschhofen (Wil). Martin Klöti (FDP) hat seinen Wohnsitz von Romanshorn in die Stadt St.Gallen verlegt, nachdem er im Jahr 2012 in die Exekutive gewählt worden ist. «St.Gallen ist mein Lebensmittelpunkt. Hier liegen meine Schriften, und hier zahle ich meine Steuern, hier halte ich mich während der ganzen Woche auf», sagt Klöti. Sein Haus am Bodensee bezeichnet er als Feriendomizil, das er gelegentlich während der Ferien oder am Wochenende nutze.

Einen weiten Arbeitsweg auf sich nehmen müssen insbesondere Benedikt Würth (CVP) und Heidi Hanselmann (SP). Würths Wohnort liegt in Rapperswil-Jona, die rund 70 Kilometer nach St.Gallen pendelt er häufig. «Ich fahre in der Regel jeden Abend nach Hause», sagt er. In Rapperswil-Jona seien er und seine Familie verankert.

Heidi Hanselmann indes fühlt sich im gut 90 Kilometer entfernten Walenstadt zu Hause, wo sie seit 18 Jahren ein Haus besitzt und Wurzeln geschlagen hat, wie sie sagt. «Die ersten fünf bis sechs Jahre im Amt pendelte ich noch fast täglich hin und her», sagt Hanselmann. Dies sei auf Dauer jedoch sehr zeitraubend geworden. Hanselmann kaufte sich in der Stadt St. Gallen eine Zweitwohnung, wurde zur Wochenaufenthalterin. Nun lebe sie etwa je hälftig an beiden Orten. «Damit ich alles korrekt abrechne, habe ich vor Jahren einen Fachexperten beigezogen», sagt sie.

St.Gallen kennt keinen Verteilschlüssel

Obwohl Pascal Broulis seit mehreren Jahren über eine Zweitwohnung in Lausanne verfügte, bezahlte er erst seit 2011 Steuern in der Kantonshauptstadt. Broulis beruft sich dabei auf eine Besonderheit im Waadtländer Gemeindesteuergesetz. Dieses erlaubt es Bürgern, die an über 90 Tagen im Jahr an einem Zweitwohnsitz im Kanton leben, dort separat Steuern zu zahlen.

Eine solche Zweitwohnungsregelung, welche zur Steueroptimierung genutzt wird, kennt der Kanton St.Gallen aber nicht. Massgebend dafür, wo jemand Steuern bezahlt, ist der Wohnsitz. In bestimmten Fällen könne es zwar zu einer Aufteilung kommen, sagt Felix Sager, Amtsleiter des kantonalen Steueramts, auf Anfrage. «Die Beziehung zu mehreren Gemeinden oder ­Kantonen führt dazu, dass eine Steuerausscheidung durchzuführen ist.» Will heissen: Wenn jemand andernorts noch eine weitere Wohnung, ein Haus oder einen Betrieb besitzt, fallen dort Vermögenssteuern an. Zu einer Aufteilung des Einkommens kommt es aber nicht.

Das Steueramt prüft immer wieder, wo das Hauptsteuer­domizil der Bewohner liegt. Die Kantonsverfassung schreibt einzig vor, dass Regierungsräte im Kanton wohnen müssen. Das tun sie offensichtlich – wobei die Steuerbelastung in der Kantonshauptstadt wie auch in anderen Kantonen am höchsten ausfällt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.