KANTON ST.GALLEN: Kehrtwende bei den Deutschkursen

Die St.Galler Regierung hat einen Vorstoss mit kritischen Fragen zur Kehrtwende der Gemeinden bei den Verbilligungen von Deutschkursen beantwortet: Der Entscheid habe Folgen für die professionellen Schulen und für Migrantinnen und Migranten, die mehr bezahlen müssten.

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Migrantinnen und Migranten werden in Zukunft nicht mehr an professionellen Sprachschulen in Deutsch unterrichtet. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Migrantinnen und Migranten werden in Zukunft nicht mehr an professionellen Sprachschulen in Deutsch unterrichtet. (Bild: Keystone/Symbolbild)

ST.GALLEN. Seit 2014 werden im Kanton St.Gallen Deutschkurse für Migrantinnen und Migranten an professionellen Sprachschulen je nach Einkommen nach einem einheitlichen Konzept vergünstigt: Der Kanton steuert an die Verbilligungen jährlich 800'000 Franken bei, die Gemeinden sollten ursprünglich rund eine Million Franken zahlen und das Defizit übernehmen. Doch dann erwies sich das Konzept als Erfolg, die Teilnehmerzahlen an den Kursen stiegen an − wie auch die Ausgaben für die Verbilligungen.

Kehrtwende löste Kritik aus
«Der freiwillige Sprachförderbereich unterliegt einem hohen Mengenwachstum», bestätigte die Regierung diese Entwicklung in der Antwort auf eine einfache Anfrage von SP-Kantonsrätin Bettina Surber. Konkret zahlen die Gemeinden 2016 um die 1,8 Mio. Franken, der Beitrag des Kantons blieb bei 800'000 Franken.
Im Oktober folgte dann die Kehrtwende, die unter anderem den Vorstoss aus dem Kantonsrat auslöste. Die Vereinigung der St.Galler Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten (VSGP) gab bekannt, dass sie ab 2017 aus der gemeinsamen Finanzierung aussteigen und auf ein flächendeckendes Angebot von Quartierschulen setzen werde. Dort sollen Laien oder pensionierte Lehrkräfte unterrichten. Damit trennen sich die Wege: Dem Kanton liege aktuell kein detailliertes Konzept für die Einführung von Quartierschulen in den Gemeinden vor, schreibt die Regierung. Und: Wie die Gemeinden die geplanten Mittel einsetzen, «ist dem Kanton nicht bekannt». Die Regierung geht davon aus, dass der Unterricht an Quartierschulen «einen anderen Lernfokus» besitzt als an professionellen Schulen «und sich an anderen Qualitätsmerkmalen» orientiert. Aufsicht und Qualitätssicherung der neuen Schulangebote obliege «allein der VSGP».

Weniger Lektionen vergünstigt
Das zuständige Departement habe die Gemeinden «ausdrücklich» auf die mit einem Rückzug verbunden Konsequenzen aufmerksam gemacht und eine Übergangslösung angestrebt. Der Entscheid der Gemeinden sei «sehr kurzfristig» erfolgt und werde nicht ohne Konsequenzen «für die anbietenden Schulen und insbesondere für die Deutschlernenden» bleiben, die mehr Eigenmittel einsetzen müssten. Die Regierung will als Ausgleich zum Rückzug der Gemeinden den bisherigen Beitrag von 800'000 auf 1,2 Mio. Franken erhöhen. Damit steht für die Verbilligung von Deutschkursen aber insgesamt weniger Geld zur Verfügung: Anstelle von 500 Lektionen würden künftig noch 120 Deutschlektionen vergünstigt, rechnet die Regierung vor. Bei den Alphabetisierungskursen gehe die Unterstützung von 300 auf 120 Lektionen zurück. (SDA-ATS/ka/ny)