KANTON ST.GALLEN: Flüchtlings-Integration – St.Gallen setzt neu auf Teillohnmodell

Der Kanton St.Gallen setzt seit Anfang Jahr neu auf ein Teillohnmodell, um Flüchtlingen bessere Chancen auf Arbeitsintegration zu eröffnen. Zudem soll es ab Februar in St.Gallen, Buchs und Rapperswil spezielle Deutsch-Förderklassen für junge Asylsuchende geben.
Seit Anfang Jahr können Flüchtlinge, die im Kanton St.Gallen ein Praktikum – zum Beispiel in einer Veloflicki – absolviert haben, anschliessend in einem Teillohnmodell weiter beschäftigt werden. (Bild: Urs Bucher/Archiv)

Seit Anfang Jahr können Flüchtlinge, die im Kanton St.Gallen ein Praktikum – zum Beispiel in einer Veloflicki – absolviert haben, anschliessend in einem Teillohnmodell weiter beschäftigt werden. (Bild: Urs Bucher/Archiv)

Die beiden Neuerungen sind Teil des kantonalen Integrationsprogramms (KIP) für die Jahre 2018-2021. Der Bund hat mit allen Kantonen solche Programme abgeschlossen, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Freitag mitteilte. Die KIP wurden 2014 lanciert und gehen jetzt in die zweite vierjährige Phase.

Ein Schwerpunkt ist laut dem SEM die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Dies gilt auch für den Kanton St. Gallen, wie Claudia Nef, Leiterin des Kompetenzzentrums Integration und Gleichstellung beim Amt für Soziales, auf Anfrage erklärte. Nef ist für das KIP in St. Gallen zuständig.

Wie Lehrlingslöhne

Seit Anfang Jahr können Flüchtlinge, die im Kanton St.Gallen ein Praktikum − zum Beispiel in einer Veloflicki − absolviert haben, anschliessend in einem Teillohnmodell weiter beschäftigt werden, wie Claudia Nef der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Höhe der Löhne richtet sich dabei nach den Lehrlingslöhnen.

Bisher durfte ein Betrieb, der mit einem Praktikanten zufrieden war und ihn weiter beschäftigen wollte, diesen nur zu einem branchenüblichen, höheren Lohn anstellen. Dies verringerte die Arbeits-Chancen von Flüchtlingen. Mit dem Teillohnmodell soll sich dies ändern. Claudia Nef rechnet für die Anfangsphase mit 20 bis 30 Personen.

Neu im Kanton St.Gallen ist auch ein Projekt zur frühzeitigen Sprachförderung von jungen Asylsuchenden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Schweiz bleiben können. Sie sollen möglichst schnell integriert werden. Dazu werden ab Februar in St.Gallen, Buchs und Rapperswil spezielle Klassen geführt.

Positive Bilanz des SEM

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft weisen die seit 2014 geführten kantonalen Integrationsprogramme eine gute Bilanz auf. «Die Mehrheit der ausländischen Bevölkerung ist in der Schweiz gut integriert», heisst es. Einen wichtigen Beitrag dazu leisteten die Schulen und der Arbeitsmarkt.

Dass trotzdem viele Ausländerinnen und Ausländer keine Arbeit finden, liegt an fehlenden Deutschkenntnissen oder fehlendem Fachwissen. Dies könne den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung oder die Stellensuche erschweren, schreibt das SEM. Hier setzen die vom Bund und den Kantonen gemeinsam getragenen KIP an.

«Integration gelingt am besten vor Ort, in den Gemeinden, in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Quartier.» Zentrale Elemente sind die Erstinformation nach der Ankunft, berufliche und sprachliche Integration, der Schutz vor Diskriminierung und die Frühförderung. So sehen alle Kantone spezielle Angebote für Kinder vor.

Für die sprachliche und berufliche Integration der vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlinge erhalten die Kantone vom Bund eine Integrationspauschale von 6000 Franken pro Person. Die weiteren Angebote werden je zur Hälfte vom Bund und den Kantonen/Gemeinden finanziert.

Für 2018 haben Bund und Kantone zur Umsetzung der KIP 146,8 Millionen Franken budgetiert. Davon stammen 83,6 Millionen aus der Integrationspauschale. In St.Gallen zahlen der Bund und der Kanton je 1,64 Millionen Franken an das KIP. Hinzu kommt laut Claudia Nef die Integrationspauschale, die von der Anzahl Flüchtlinge abhängt.

Innerrhoder Effort

Auch in Appenzell Innerrhoden legt das Programm 2018 bis 2021 den Fokus auf das Deutschlernen und die berufliche Integration. Die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern und dem Amt für Berufsbildung und Berufsberatung solle nochmals verstärkt werden, teilte die Standeskommission (Regierung) Ende 2017 mit.

Die in den letzten Jahren aufgebaute Ausbildungs− und Integrationsbrücke werde weitergeführt. Die neue Vereinbarung mit dem Bund sieht für das KIP bis 2021 einen jährlichen Bundesbeitrag von 157'000 Franken vor. Der Kanton zahlt gleichviel.

Innerrhoden hatte in der ersten Umsetzungsperiode 2014 bis 2017 die Anstrengungen im Kanton forciert und eine Fachstelle Integration ins Leben gerufen. Diese dient als Ansprech− und Triagestelle für Einheimische, Zugewanderte, Arbeitgeber und Behörden. (sda)

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