Kanton St.Gallen erreicht Impfziele nicht

ST.GALLEN. Die Masern-Impfrate bei Zweijährigen im Kanton St.Gallen ist im Vergleich mit anderen Kantonen tief. Die Verantwortlichen rätseln, weshalb das so ist.

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Handlungsbedarf besteht im Kanton St.Gallen bei den Zweijährigen: Hier hat die Impfrate gegen Masern 2014 nicht zu-, sondern abgenommen. (Bild: Nana do Carmo)

Handlungsbedarf besteht im Kanton St.Gallen bei den Zweijährigen: Hier hat die Impfrate gegen Masern 2014 nicht zu-, sondern abgenommen. (Bild: Nana do Carmo)

Die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Masernelimination 2011 – 2015 ist abgeschlossen, wie der Kanton St.Gallen in seinem Newsletter schreibt. Ziel der Kampagne sei es gewesen, die Bevölkerung zu motivieren, ihren Impfstatus zu überprüfen und fehlende Impfungen nachzuholen. "Dies mit Erfolg: Heute sind in der Schweiz mehr Menschen gegen Masern geimpft als vor der Kampagne, insbesondere mehr Jugendliche. Zudem sind seit Beginn der Kampagne die kantonalen Unterschiede bei der Durchimpfungsrate kleiner geworden", heisst es in der Mitteilung.

"Gemäss den Daten aus acht Kantonen für 2014 haben zum Beispiel mittlerweile im Schnitt 93 Prozent der zweijährigen Kinder eine erste und 87 Prozent auch die zweite Masernimpfung erhalten. Besonders markant fiel der Anstieg bei den 16-Jährigen aus: Waren im Zeitraum 2008 bis 2010 schweizweit erst 85 Prozent mit zwei Dosen geimpft, ergab die Stichprobe im 2014 einen Wert von 93 Prozent, was auf zahlreiche Nachimpfungen hinweist." Dennoch seien weitere Anstrengungen nötig, damit die Schweiz masernfrei werde und auch bleibe - das Ziel der 95 Prozent Masernimmunität ist laut der Mitteilung noch nicht erreicht. Aktuell liegt der nationale Durchschnitt für zwei Impfdosen bei den Zweijährigen bei 86 Prozent, bei den Achtjährigen bei 90 Prozent und bei den 16-Jährigen bei 89 Prozent.

Impfrate bei Zweijährigen hat abgenommen
In St.Gallen allerdings ist Handlungsbedarf angezeigt, wie der Kanton weiter meldet. Um den Masern-Impfstatus für den Kanton St.Gallen zu erheben, wurde eine Stichprobe bei den Zweijährigen, den Achtjährigen und den 14-Jährigen erhoben. "Eine positive Entwicklung zeigt sich in Übereinstimmung mit dem nationalen Trend bei den Jugendlichen, bei denen die Durchimpfrate gestiegen ist – zwischen 2011 und 2013 von 90 auf 92 Prozent", heisst es in der Mitteilung. Dieser Erfolg sei zu einem grossen Teil der Verdienst der Schulärztinnen und Schulärzte, die insbesondere bei Jugendlichen den Impfstatus erhöben und Nachimpfungen anböten. "Handlungsbedarf besteht im Kanton St.Gallen jedoch bei den Zweijährigen: Hier hat die Impfrate 2014 nicht zu-, sondern abgenommen – von 84 auf 81 Prozent. Damit hat sich der Kanton St.Gallen vom Ziel einer 95-prozentigen Durchimpfungsrate bei den Zweijährigen weiter entfernt", so der Kanton.

"Schwächung und Komplikationen"
"Es kann nur vermutet werden, warum die Impfrate dieser Altersgruppe im Kanton St.Gallen im Vergleich mit anderen Kantonen so tief ist", schreibt der Kanton weiter. Ein möglicher Grund könnte der Einfluss von Personen sein, die Impfungen gegenüber generell kritisch eingestellt seien. Diese Einstellung sei in der Deutschschweiz, insbesondere in der Ostschweiz, weiter verbreitet als beispielsweise in der Westschweiz. "Aus medizinischer Sicht ist dies problematisch: Im Vergleich zu den seltenen und geringen Nebenwirkungen der Masern-Impfung führt eine Masernerkrankung in jedem Fall zu einer Schwächung des Immunsystems, kann schwere Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Hirnhautentzündungen verursachen und im schlimmsten Fall sogar tödlich sein", heisst es im Newsletter.

Um dies zu vermeiden, wird sich der Kanton St.Gallen gemäss der Mitteilung auch in den nächsten Monaten mit verschiedenen Massnahmen für eine bessere Durchimpfung einsetzen. "Dazu müssen insbesondere die Kinder- und Hausärztinnen und –ärzte noch besser in die Bekämpfung der Masern einbezogen werden. Eine weiterhin wichtige Massnahme ist auch eine umfassende Information und Aufklärung bei den Eltern." (pd/red.)

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