Kanton St. Gallen will Selbsthilfegruppen fördern

Erfahrungen aus Selbsthilfegruppen können mithelfen, die Qualität der Gesundheitsversorgung weiterzuentwickeln. Der Kanton will diese Gruppen besser fördern: Die Bevölkerung könne so mehr Eigenverantwortung für ihre Gesundheit übernehmen.

Christoph Renn
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ST. GALLEN. Im 19. Jahrhundert stand die Hygiene im Zentrum des medizinischen Erfolgs. Der heutige Hygienestandard musste damals seine Berechtigung bei der Bevölkerung und in den Spitälern erkämpfen. «Ein Beispiel ist jene Theorie, die besagt, dass das Auftreten von hohem Kindbettfieber auf mangelnde Hygiene bei Ärzten und Krankenhauspersonal zurückzuführen ist, die lange abgewiesen wurde», sagt die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann gegenüber den Medien. So müsse sich nun auch die Eigenverantwortung der Bevölkerung für ihre Gesundheit künftig etablieren.

Eigene Ansprüche reflektieren

Das Gesundheitsdepartement unterstütz deshalb die Initiative der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen und der Psychiatrischen Dienste Süd im Bereich der ambulanten Psychiatrie, Selbsthilfegruppen unter professioneller Anleitung zu fördern. «Wir informieren über die verschiedenen Gruppen, vermitteln Kontaktadressen, unterstützen Gruppengründungen oder beraten bestehende Gruppen», sagt Sylvia Huber, Stellenleiterin der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen. Dazu komme die Zusammenarbeit mit Organisationen aus dem Gesundheits- und Sozialwesen wie der Psychiatrie Süd.

«Selbsthilfegruppen können Betroffenen ein neues soziales Netz geben», sagt Huber. Neben dem Aufbau neuer Kontakte könne in Selbsthilfegruppen Wissen ausgetauscht werden. «Ihre Erfahrungen mit der professionellen Behandlung, ihr Erleiden von Krankheiten oder ihr Erleben der Reaktion des sozialen Umfeldes sind Faktoren, welche die Betroffenen zu Expertinnen und Experten in eigener Sache machen.» Das versetze die Betroffenen in Situationen, die eigene Haltung und die eigenen Ansprüche zu reflektieren und dadurch die Selbstverantwortung zu stärken, um diese schliesslich selbst wahrnehmen zu können.

Qualität weiter verbessern

Selbsthilfegruppen ermöglichen zudem einen Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten. «Die Zusammenführung des Erfahrungswissens der Betroffenen und des Fachwissens der Berufspersonen aus dem Gesundheitsbereich hilft mit, die Qualität unserer Gesundheitsversorgung weiterzuentwickeln», sagt Heidi Hanselmann. Das Potenzial dieses Austausches sei noch lange nicht ausgeschöpft.

Fachveranstaltungen zum Thema in den Psychiatrischen Diensten Süd am 30. August in Rapperswil, 6. September in Heerbrugg und 13. Dezember in Trübbach.