Kanton nutzt Abwasser der Stadt

ST. GALLEN. Der Kanton St. Gallen spart jährlich 28 000 Liter Heizöl dank einer neuen Heizung im Gebäude des Baudepartements. Energieträger ist Abwasser.

Sebastian Schneider
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Abwasserkanal unter der Stadt. (Bild: Sebastian Schneider)

Abwasserkanal unter der Stadt. (Bild: Sebastian Schneider)

Es stinkt. Durch zwei Kanäle links und rechts im ehemaligen Steinach-Kanal treiben WC-Papier-Fetzen. Der Abwasserkanal unterhalb des St. Galler Stadtzentrums ist jetzt aber kein gewöhnlicher mehr. Vor einigen Monaten sind an der Decke Rohre angebracht worden. Dem Abwasser, das vom Irabach-Kanal in den ehemaligen Steinach-Kanal mündet, wird in einem Wärmetauscher Wärme entzogen. Das damit erwärmte Wasser wird zu den Liegenschaften des St. Galler Baudepartementes geleitet und ins Heizsystem eingeschleust. Dadurch spart der Kanton Energie – 28 000 Liter Heizöl sollen es jährlich sein. Jürg Schnyder vom St. Galler Hochbauamt war Projektleiter des Umbaus. Gestern stieg er in den Abwasserkanal hinunter und präsentierte das Resultat den Medienvertretern.

Es braucht viel Abwasser

«Dieses System ist im Kanton St. Gallen einzigartig», sagt Schnyder. Es funktioniere auch nicht überall. So müsse etwa der Abwasserkanal durchschnittlich 15 Liter Schmutzwasser pro Sekunde leiten. Dies sei beim Irabach-Kanal, der das Abwasser eines grossen Teils der St. Galler Innenstadt sammelt, gegeben. «Wenn auch nachts die Menge unter 10 Liter pro Sekunde sinkt.»

63 Tonnen weniger CO2

Je nach Betriebszustand, wärmt das Abwasser das System um einige Grad Celsius. Dies genüge, um eine Menge Heizöl zu sparen. Die Anlage sei seit vergangenem August in Betrieb; seither konnten 21 000 Liter Heizöl gespart werden. «Der Winter dauert noch, das Jahresziel von 28 000 Litern schaffen wir problemlos», sagt Schnyder. Dank der Ersparnis liesse sich der CO2-Ausstoss jährlich um 63 Tonnen reduzieren.

Der Kanton investierte 800 000 Franken in die Anlage. «Eine gewöhnliche Heizung hätte weniger als die Hälfte gekostet», räumt Schnyder ein. Dafür spare man jährlich 12 500 Franken Betriebskosten. Zudem habe sich der Kanton zu solchen Massnahmen verpflichtet. Das Energiekonzept sieht nämlich für 2020 vor, den Verbrauch von fossilen Brennstoffen gegenüber 2005 um 15 Prozent zu reduzieren.

Mit der Heizung werden knapp 30 Prozent des Heizöls gespart. Da die Wärmepumpe Strom verbraucht, senkt sich der Gesamtenergieverbrauch um 15 Prozent.

Auch zum Kühlen

«Toll ist, dass wir zwei Fliegen auf einen Schlag treffen», sagt Schnyder. Das Abwasser heizt nicht nur die Büroräume der 300 Angestellten, sondern kühlt auch die Serveranlagen in den EDV-Räumen. Durch die Kühlung wärmt sich das Wasser wiederum um drei Grad Celsius auf.