Kanton heizt mit Abwärme

Das kantonale Baudepartement nutzt seit August 2012 die Abwärme der Kanalisation der Stadt St.Gallen, um seine Liegenschaften zu heizen und zu kühlen. Jährlich sollen dadurch mindestens 28'000 Liter Heizöl eingespart werden.

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Das entspricht einem Verbrauch von 15 Einfamilienhäusern. Das Baudepartement wolle seiner ökologischen Vorbildfunktion gerecht werden, sagte Projektleiter Jürg Schnyder vom Hochbauamt des Kantons St.Gallen am Montag vor den Medien.

Immer störungsanfälliger
Das Energiekonzept des Kantons St.Gallen orientiert sich an der langfristigen Vision der 2000-Watt-Gesellschaft. In einer ersten Phase soll bis zum Jahr 2020 der Verbrauch von fossilen Brennstoffen im Kanton gegenüber 2005 um 15 Prozent gesenkt werden. Seit 2009 werde nach Lösungen gesucht, erneuerbare Energien zum Heizen und Kühlen der Gebäude einzusetzen. Die bestehende Heizung an der Lämmlisbrunnstrasse war zunehmend störanfällig und die Grenzwerte der Luftreinhalteverordnung wurden deutlich überschritten.

In einer Studie wurden mehrere Lösungen geprüft. «Es stellte sich heraus, dass auch in den nächsten 20 Jahren im Quartier keine Fernwärme der Stadt zur Verfügung steht», sagte Schnyder. Dank eines direkten Zugangs zur städtischen Kanalisation lag die Nutzung des Abwassers auf der Hand.

Energie zum Nulltarif
2012 wurde im Abwasserkanal Irabach, der unterhalb der Rorschacherstrasse liegt, eine über 48 Meter lange Wärmetauscher-Wanne aus Chromstahl eingebaut. Diese entzieht dem Abwasser die Wärme und beheizt mit einer Wärmepumpe die Gebäude des Baudepartements mit rund 300 Mitarbeitenden. Die Wärme aus dem Abwasser erhält der Kanton zum Nulltarif von der Stadt. Die Kosten der Anlage beliefen sich auf rund 800'000 Franken, rund das Doppelte einer herkömmlichen Heizung. Die Energiekosten könnten laut Schnyder dafür um rund 15 Prozent gesenkt werden.

Bereits nach rund einem halben Jahr Betrieb seien rund 21'000 Liter Heizöl eingespart worden. Der CO2-Ausstoss soll sich jährlich um 63 Tonnen reduzieren. Selbst der Stromverbrauch sei nachhaltig, da die kantonale Verwaltung zu 100 Prozent Ökostrom beziehe.

Einzigartig im Kanton
Das Abwasser, das durch den Kanal fliesst, misst zwischen 10 Grad im Winter und 20 Grad im Sommer. Dank dieser Temperatur können das ganze Jahr über die EDV-Räumlichkeiten und im Sommer einige exponierte Büros gekühlt werden. Die Anlage ist zwar einzigartig im Kanton St.Gallen; in Zürich, Winterthur oder Basel werde bereits Abwärme aus dem Abwasser genutzt, sagte Erich Brauchli von der Entsorgung St.Gallen. (sda)