Kanton hat extra angerufen, ob kein Irrtum vorliegt

Nachgefragt

Drucken
Teilen

Als einzige der 77 Gemeinden im Kanton hat Mörschwil am Wochenende der Unternehmenssteuerreform (USR III) zugestimmt. Überhaupt stimmen die Mörschwiler oft anders ab als die anderen – und stets mit einer überdurchschnittlichen Stimmbeteiligung. Gemeindepräsident Paul Bühler freut’s, über die Gründe kann er nur rätseln.

Mörschwil sagte am Sonntag als einzige Gemeinde im Kanton Ja zur USR III . . .

. . . wir haben das schon kurz nach dem Auszählen erfahren. Das Departement hat extra angerufen, ob das Resultat wirklich stimmt, oder ob wir Ja- und Nein-Stimmen verwechselt hätten.

Mit 800 Ja- zu 636 Nein-Stimmen fiel das Resultat klar aus. Wie erklären Sie sich das Ja?

Das ist natürlich Kaffeesatz lesen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass in Mörschwil viele Wirtschaftsleute wohnen. Vielleicht auch damit, dass wir von der Steuerreform nicht so stark betroffen gewesen wären. Es hätte nicht gleich unseren Finanzhaushalt durcheinandergebracht, wenn einige Firmen etwas weniger Steuern bezahlt hätten.

Freut Sie das Ja?

Auf jeden Fall. Es entspricht meinem Abstimmungsverhalten. Und irgendetwas muss sich ändern bei den Unternehmenssteuern. Nach dem Nein wird die Unsicherheit für alle Firmen jetzt einige Jahre lang grösser bleiben.

Mörschwil stimmt immer mal wieder anders ab als die anderen. Auch bei der Masseneinwanderungs-Initiative 2014. Als einzige kleinere Gemeinde weitherum lehnte das Dorf die Initiative ab. Mit St. Gallen und Rorschach. Am Wochenende war Mörschwil eine von nur einem Dutzend Gemeinden, die Ja sagten zur erleichterten Einbürgerung.

Das hat sicher mit der etwas speziellen Struktur der Bevölkerung zu tun. Eigentlich ist Mörschwil bürgerlich und rechts der Mitte, aber auch offen für die Welt. Soziale und liberale Anliegen werden ernst genommen. Wir sind kein Sozidorf, aber ein Dorf mit Herz.

Mörschwil hat auch immer eine hohe Stimmbeteiligung. Diesmal lag sie im Kanton bei durchschnittlich 44,5 Prozent, in Mörschwil bei 57 Prozent. Ich verfolge das seit Jahren und stelle fest: Mörschwil ist in der Regel unter den ersten drei Gemeinden. Ich bin stolz, dass die Bevölkerung politisch so interessiert ist. Es sind nicht nur Stammtischbrüder, die sagen «Wir sollten mal», sondern Leute, die die direkte Demokratie leben. (cor)

Aktuelle Nachrichten