Kanton erfüllt Sparvorschlag

Die St. Galler Regierung legt die Ämter für Wirtschaft und Arbeit zusammen. Peter Kuratli wird das neue Amt leiten. Vor zwölf Jahren war das Amt für Industrie aufgeteilt worden.

Ralph Hug
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Peter Kuratli wird Amtsleiter. (Bild: pd)

Peter Kuratli wird Amtsleiter. (Bild: pd)

St. gallen. Im letzten Februar hatte der Kantonsrat die Fusion des Amts für Wirtschaft mit dem Amt für Arbeit verlangt. Die Forderung stammte aus FDP-Kreisen im Rahmen der Spardebatte (siehe Kasten) und fand eine Mehrheit von 60 Stimmen (gegenüber 48 Nein). Nun kommt die Regierung diesem Wunsch nach, doch nicht ohne vernehmliches Murren: Die Organisation der Staatsverwaltung sei Sache der Regierung, heisst es in der Mitteilung der Staatskanzlei. Allerdings hatte der inzwischen zurückgetretene Volkswirtschaftschef Josef Keller bereits sein Einverständnis signalisiert. Sein Nachfolger im Amt, Benedikt Würth (CVP), nimmt nun die Sache an die Hand.

Rutz wird pensioniert

Die Gelegenheit ist günstig, denn personelle Abgänge ermöglichen eine Reorganisation ohne heikle Personalentscheide. Der bisherige Leiter des Amts für Wirtschaft, Remo Daguati, tritt Ende April aus dem Staatsdienst aus. Er geht zur Aussenwirtschaftsförderung Osec. Nächstes Jahr wird der Chef des Amtes für Arbeit, Johannes Rutz, pensioniert.

Neu wurde nun der 41jährige Generalsekretär des Volkswirtschaftsdepartements, Peter Kuratli, zum Nachfolger von Daguati gewählt. Er wird die Zusammenführung der beiden Ämter betreuen und künftig auch gleich als Chef leiten. Kuratli ist seit 2007 Generalsekretär, vorher arbeitete der Jurist und Betriebsökonom als Unternehmensberater. Regierungsrat Benedikt Würth (CVP) wird somit einen neuen Generalsekretär anstellen.

Mehr Kundennähe erhofft

Die Zusammenlegung macht eine Reform von vor zwölf Jahren rückgängig. 1999 war das ehemalige Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) aufgeteilt worden: Es entstanden das Amt für Wirtschaft mit den Bereichen Wirtschaftsförderung, Ausländer/Gewerbe und dem Arbeitsinspektorat sowie das Amt für Arbeit mit den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), die seit 1996 wegen der Arbeitslosigkeit stark angewachsen waren. Die von Regierungsrätin Rita Roos durchgeführte Reorganisation war vom Geist des New Public Management inspiriert und sollte den «Koloss Kiga» entflechten. Man versprach sich mehr «Kundennähe» und Flexibilität. Zudem sollte die Wirtschaftsförderung einen höheren Stellenwert erhalten. Ein Kanton mit 3 Milliarden Umsatz und 9000 Mitarbeitenden brauche eine leistungsfähige Marketingabteilung, hiess es damals in Anlehnung an den Unternehmerjargon.

Leistungen wurden abgebaut

Heute steht die Wiedervereinigung unter dem Spardiktat des Kantonsrats. Im Amt für Wirtschaft sind bereits Leistungen abgebaut worden, nämlich bei der Standortförderung und den Wirtschaftsförderungsbeiträgen. Was durch die Fusion tatsächlich eingespart werden kann, wird sich zeigen. Im Kantonsrat waren Zahlen im sechsstelligen Bereich genannt worden. Zumindest wird es nur noch einen statt zwei Amtsleiter geben.

Die Regierung glaubt an Synergiepotenziale. Auch könnten die Kontakte mit den Unternehmen besser koordiniert werden. Es sei möglich, gewisse Stabsfunktionen zusammenzulegen, meint Benedikt Würth. Falls es einen Stellenabbau gebe, werde man dies über die natürliche Fluktuation bewerkstelligen können. Im Amt für Arbeit sind heute die rund 300 Mitarbeitenden der RAV beschäftigt, im Amt für Wirtschaft sind es rund 40. Ansonsten glaubt Würth nicht, dass sich die Reorganisation stark auf den Alltag der Mitarbeitenden auswirken wird.