KANDIDATENSUCHE: Die Drähte laufen heiss

SVP, FDP, Flig und SP sind noch immer auf der Suche nach fähigem Personal für den Stadtrat oder fürs Stadtpräsidium. Eine Partei blinzelt zur CVP rüber, eine andere übt grundsätzliche Kritik.

Sebastian Schneider
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Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Die Ersatzwahlen am 26. November dürften dem einen oder anderen Gossauer Politiker den einen oder anderen gemütlichen Grillabend verunmöglichen. Denn die Zeit, eine Kandidatin oder einen Kandidaten für den Stadtrat oder fürs Stadtpräsidium zu finden, drängt. Nach den Sommerferien bleibt etwas mehr als ein Monat Zeit; die Eingabefrist bei der Stadtkanzlei läuft am 26. September ab. Bis jetzt sind dort noch gar keine Kandidaturen eingegangen, wie eine Nachfrage bei der Stadt zeigt. Somit ist nicht einmal die Kandidatur von Daniel Lehmann, der für die CVP Stadtpräsident werden will, offiziell bestätigt.

Gleichwohl dürfte der Druck bei der CVP nachgelassen haben, derweil bei den anderen Parteien die Drähte heisslaufen.

Kommt doch noch der grosse Schulterschluss?

Nach dem Vorpreschen der CVP wird besonders heiss diskutiert, was die SVP, die zweitstärkste politische Kraft in der Stadt, unternimmt. Es kursieren Gerüchte, dass politische Grössen auch ausserhalb Gossaus angefragt werden, die gegen Lehmann antreten sollen. Nicht ganz unerwartet lässt sich die Parteileitung aber nicht in die Karten schauen. Parteipräsident Pascal Fürer erklärt auf Anfrage nur, dass man Gespräche «in alle Richtungen» führe. Der Vorstand zeige sich auch offen für Gespräche mit anderen Parteien.

Mit «anderen Parteien» könnte insbesondere die CVP gemeint sein. Denn die SVP hat schon in einem früheren Stadium der Kandidatensuche die Zusammenarbeit mit der CVP gesucht. Die Christdemokraten allerdings wollten alleine gehen, und auch zum jetzigen Zeitpunkt gibt die CVP kein Versprechen ab, auf den freien Stadtratssitz zu verzichten. Präsident Elmar Hardegger nimmt indessen die Stimmen ernst, die mehr Zurückhaltung wünschen. Zudem: «Den Sitzanspruch der SVP für den Stadtrat stellt kaum jemand in Frage», sagt Hardegger. Es seien noch einige Abklärungen auch innerhalb des Parteivorstands nötig.

Die Flig macht ziemlich sicher mit

Wie die SVP will die FDP alle Szenarien für sich offen halten. «Auch wir führen intern Gespräche», sagt Parteipräsident Sandro Contratto. Persönlich finde er zwar, dass die CVP mit Daniel Lehmann einen guten Kandidaten aufgestellt habe. Doch er wolle nicht für die ganze Partei sprechen. Die Mitglieder würden sich Ende August offiziell äussern. Dann nämlich werde seine Partei die Parolen für die Ersatzwahlen fassen.

Einige Gossauer würden Flig-Präsident Alfred Zahner im Stadtrat sehen. Doch dieser winkt scherzend ab: «Im Winter würde das vielleicht gehen, aber im Sommer will ich baden gehen.» Tatenlos ist Zahner aber nicht geblieben: Er hat unter seinen Parteimitgliedern eine Umfrage durchgeführt, aus der der Wunsch nach einer eigenen Kandidatur für den Stadtrat hervorgegangen sei. Man habe «intensive Gespräche mit mehreren möglichen Kandidaten geführt», schreibt Zahner in einer Mitteilung. Nun liege eine Bewerbung vor, die den Vorstellungen der Flig entspreche. Der Vorstand werde die Situation in Kürze abschliessend beurteilen und daraufhin informieren, verspricht Zahner im Communiqué. Zudem ergänzt er: «Es ist davon auszugehen, dass die Flig einen geeigneten Kandidaten als Stadtrat zur Wahl vorschlagen wird.»

Die SP stört sich an der bürgerlichen Dominanz

SP-Präsident Ruedi Blumer gefällt die jüngste Entwicklung in der Gossauer Stadtpolitik grundsätzlich nicht. In einer Mitteilung mahnt er, man solle die sozialen und ökologischen Anliegen nicht vergessen. Auch im bürgerlichen Gossau gehörten soziale Notlagen, Flüchtlinge oder der Klimawandel zum Alltag.

Von der Kandidatur Daniel Lehmanns ist die Partei nicht wirklich angetan: «Daniel Lehmann ist der Wunschkandidat der HIG.» Die Handels- und Industrievereinigung gehöre zu jenen Kreisen, die etwa den Standplatz für Fahrende verhindert hätten. Man wolle der Bevölkerung darum eine Alternative aus dem links-grünen Spektrum bieten. Dazu führe man Gespräche «im fortgeschrittenen Stadium». Den Anspruch auf einen Sitz im Stadtrat betrachtet die SP als gerechtfertigt: «Bekanntlich hat die SP gleich viele Sitze im Parlament wie die FDP, die heute zwei von vier Stadträten stellt.»