KANDIDAT: «Der Verkauf ist der beste Weg»

Daniel Lehmann, der sich für die CVP ums Stadtpräsidium bewirbt, brachte ziemlich genau dann die Nachfolgeregelung seiner Firma zu Ende, als der Stuhl des Stadtpräsidenten frei wurde. Das Timing war Zufall.

Sebastian Schneider
Drucken
Teilen

Kurz vor den Sommerferien hat die CVP Gossau-Arnegg die Katze aus dem Sack gelassen: Mit Daniel Lehmann präsentierte sie ihren Kandidaten fürs Stadtpräsidium. Nur einen Tag zuvor liess der designierte Kandidat verlauten, dass er die Nachfolge des Familienunternehmens Lehmann Arnegg AG geregelt hat. Das sei alles aus langer Hand geplant gewesen, sagt Lehmann.

Daniel Lehmann, den Familienbetrieb zu verkaufen, der 1875 gegründet wurde und den Sie in fünfter Generation geführt haben, muss weh tun.

Vorsicht. Wir, also die Verwaltungsräte, haben die Bereiche Türen und Service verkauft, die Lehmann Arnegg AG gibt es weiterhin. Dennoch gab es Emotionen beim Verkauf. Der Prozess wurde aber bereits vor zwei Jahren eingeleitet. Unser Entscheid fusst auf der Überlegung, was das Beste für Mitarbeiter und Kunden ist. Und da ich wusste, dass dies der beste Weg ist, gingen die Emotionen auch nicht so hoch. Und zudem gibt es die Marke Lehmann-Türen weiterhin, die Geschichte der Lehmann AG wird fortgeschrieben.

Was drängte Sie zu diesem einschneidenden Entscheid?

Das Marktumfeld im Bereich des Fensterbaus hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – aus unserer Sicht nicht wirklich zum Guten. Wir haben ständig unser Unternehmen hinterfragt. Die Situation immer wieder neu zu analysieren, gehört ohnehin zu einer verantwortungsvollen Führung eines jeden Unternehmens.

Warum haben Sie nicht einfach den Fensterbau aufgegeben und den Bereich Türen in Arnegg weitergeführt?

Wir haben alle denkbaren Optionen genau geprüft. Die Lösung, die mit der Koster AG Holzwelten seit Anfang Juli vorliegt, war aus strategischen Überlegungen klar die Beste.

Böse Zungen behaupten, Sie hätten die Firma einfach verkauft, weil Sie das Geschäft nicht mehr im Griff gehabt hätten.

Wie gesagt, die Lehmann Arnegg AG gibt es weiterhin. Im Bereich Türen geniessen wir eine hohe Reputation mit herausragenden Referenzen in der ganzen Deutschschweiz. In diesem Bereich haben wir in den vergangenen Jahren auch viel investiert. Wir übergeben der Koster AG Holzwelten einen hochmodernen Produktionsbetrieb. Wir waren eine der ersten Firmen in unserem Umfeld, die auf neue Informationstechnologie setzte.

Sie sagen, Sie hätten bereits vor zwei Jahren beschlossen, die Nachfolge Ihrer Firma zu regeln. Wussten Sie damals von Rücktrittsplänen des Stadtpräsidenten?

Nein.

Das gute Timing der Nachfolgeregelung mit der Kandidatur war also Zufall?

Der Rücktritt von Alex Brühwiler kam auch für mich überraschend. Allerdings schloss ich schon früher nicht aus, einmal in die Politik einzusteigen. Von der CVP wurde ich früher schon für mögliche Mandate angefragt, doch die Zeit ist erst jetzt reif geworden.

Dann hätten Sie auch gewusst, was Sie gemacht hätten, wenn der Rücktritt Brühwilers nicht gewesen wäre?

Natürlich habe ich einen Plan für meine berufliche Zukunft. Nun konzentriere ich mich aber voll und ganz auf die Kandidatur.

Dann haben Sie auch einen Plan bei einer allfälligen Nichtwahl?

Selbstverständlich.

Wie sieht der aus?

Das kann ich Ihnen leider nicht verraten.

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch