KAMPFWAHLEN: Wen hebt die SVP auf den Schild?

Die SVP Gossau-Arnegg lädt übermorgen Montag zu einer Pressekonferenz. Das kann fast nur eines bedeuten: Die SVP steigt ins Rennen ums Stadtpräsidium. Nur, mit wem?

Sebastian Schneider
Drucken
Teilen

Sebastian Schneider

sebastian.schneider

@tagblatt.ch

Vieles deutet darauf hin, dass es am 26. November zu Kampf­wahlen um das Stadtpräsidium in Gossau kommt. Und die Zeichen verdichten sich, dass es für den bisher einzigen Kandidaten, ­Daniel Lehmann von der CVP, Konkurrenz von rechts gibt. Am Freitagmorgen verschickte die Parteileitung der SVP eine Ein­ladung an die Medien für einen Termin im Zusammenhang mit den Ersatzwahlen im Gossauer Stadtrat. Vizepräsident Markus Rosenberger wollte auf Anfrage nicht preisgeben, ob es sich um die Vorstellung eines Stadtratskandidaten, eines Stadtpräsidentkandidaten oder sogar von zwei Kandidaten für beide Ämter handelt. Dass Rosenberger aber nicht ausschloss, einen Kandidaten fürs Stadtpräsidium vorzustellen, lässt tief blicken. Zudem war von der SVP-Leitung schon länger zu hören, dass man Gespräche in alle Richtungen führe.

Informell hörte man auch Stimmen in den Reihen der Partei, die nicht zufrieden sind mit der CVP-Kandidatur, man wolle darum einen eigenen Kandidaten stellen. Durchgedrungen ist ebenfalls, dass die SVP auch ausserhalb der Stadt auf Kandidaten­suche ist. Es seien etwa Gespräche mit einem Gemeindepräsidenten einer nahe gelegenen Gemeinde geführt worden, wie die «GoZ» enthüllte.

Zwei Gemeindepräsidenten und eine Kantonsrätin

Immer wieder und selbst in den Reihen der CVP ist der Name Matthias Gehring genannt worden. Der Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus soll mit der SVP-Leitung in Kontakt gestanden haben. Gehring ist offiziell, zumindest nach Angaben der Gemeinde-Homepage von Hauptwil-Gottshaus, aber immer noch Mitglied der FDP. Gehring, der als parteiloser Quereinsteiger aus Winterthur in die Thurgauer Politik kam, vermag immer wieder zu überraschen. Nicht nur seine Wahl Anfang 2011 kam unerwartet, er machte auch von sich reden mit einem Soft-Ice-Roboter. Mit seinem «Marvelboy» schaffte er es nicht nur in der Ostschweiz in die Schlagzeilen, er war vergangenen Herbst auch in einer Sendung im deutschen Fernsehsender Vox zu sehen. Gehring weilt derzeit in den Ferien, am Montag sei er zurück, hiess es in der Gemeindeverwaltung. Ein Termin für Montagmorgen sei nicht eingetragen.

Es gibt noch einen anderen Namen, der mittlerweile schon fast automatisch ins Spiel gebracht wird, wenn es um die Besetzung eines grossen politischen Mandats geht: Michael Götte, Gemeindepräsident von Tübach, Fraktionspräsident der SVP im Kantonsrat und politischer Leiter der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell (IHK). Götte hatte auch schon Grösseres vor: Im Jahr 2012 wollte er Regierungsrat werden. Der Tübacher scheiterte damals nur knapp an Fredy Fässler von der SP. Spätestens seit diesem Wahlkampf, den er leidenschaftlich und durch den ganzen Kanton joggend führte, gilt Götte ständig als potenzieller Kandidat. Viele gehen aber davon aus, dass er immer noch Regierungsrat werden will.

Seit 2006 ist Götte Gemeindepräsident von Tübach, einer der steuergünstigsten Gemeinden im Kanton (Rang 4). Stadtpräsident von Gossau wäre auch für Michael Götte ein Schritt nach vorne. Und für den heute 38-Jährigen hat der Regierungsrat ja noch Zeit. Auch Götte ist noch in den Ferien. Er habe sechs Wochen bezogen und sei seit Mitte Juni abwesend, ist in der Gemeindeverwaltung zu erfahren.

Eine Topkandidatin der SVP Gossau-Arnegg könnte ebenfalls aus der SVP-Kantonsratsfraktion kommen: Claudia Martin. Die Berufsschullehrerin sass als Fraktionspräsidentin im Gossauer Stadtparlament und war unter anderem vier Jahre lang Präsidentin der SVP-Kreispartei. Sie gilt als ehrgeizig und geradlinig und wird dennoch als Frau mit Charme wahrgenommen. Die Kandidatur mit einer Frau fürs Stadtpräsidium wäre unbestritten ein ebensolcher Coup wie Götte oder Gehring. Jüngst hat sich Claudia Martin aber entschieden, sich für die Familie mehr Zeit zu lassen und in der Politik etwas kürzer zu treten.

Wer kann die SVP ins Boot holen?

Welchen Namen die SVP am Montag auch immer präsentiert, taktisch gesehen wird es für die Volkspartei nicht leicht. Die CVP ist nach wie vor die stärkere Partei, und die Unterstützung von der linken Seite ist für CVP-Kandidaten gewisser als für SVP-Vertreter. Die Rolle der FDP ist noch völlig unklar. Hinter den Kulissen ist aber einiges in Gange, und für diese Wahlen scheint kein Sze­nario unwahrscheinlich. Die Leitung der SVP wie auch jene der SP haben signalisiert, dass eine Zusammenarbeit nicht auszuschliessen sei. Würde es der SVP gelingen, die SP und auch die Flig von ihrem Kandidaten zu überzeugen, könnte es eng werden für die CVP. Rein rechnerisch kommen SVP, SP und Flig zusammen auf einen Wähleranteil von über 55 Prozent, den Rest teilen sich CVP und FDP. Allerdings: Einen SVP-Kandidaten zu finden, der für die SP urban und grün genug ist, dürfte ein schwieriges Unterfangen sein.