Kampfwahl bei den Katholiken

Nach dem Rücktritt von Heidi Mayer-Popp bewerben sich zwei junge Frauen um einen Sitz im Kirchenverwaltungsrat. Die Katholiken haben also am kommenden Sonntag für einmal eine echte Wahlmöglichkeit.

Sarah Schmalz
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Patricia Staub wurde von der Pfarrei Riethüsli zur Wahl nominiert. (Bild: pd)

Patricia Staub wurde von der Pfarrei Riethüsli zur Wahl nominiert. (Bild: pd)

Heidi Mayer-Popp (Kasten), hat im vergangenen Herbst überraschend ihren Rücktritt aus dem Kirchenverwaltungsrat bekanntgegeben, offenbar wegen Unstimmigkeiten zwischen den Ratsmitgliedern. Sie sei bei schwierigen Personalentscheidungen zu wenig unterstützt worden, begründet die 60-Jährige ihren Entscheid.

Zwei Kandidatinnen

In einem Kollektiv entscheide nun einmal die Mehrheit über die Minderheit, räumt Ratspräsident Guido Corazza ein. «Als Leiterin des Ressort Dienststellen fühlte sich Heidi Mayer-Popp aber bei einem heiklen Personalentscheid übergangen.» Nach intensiven Diskussionen habe sie sich deshalb zum Rücktritt entschieden.

Für die Ersatzwahl vom kommenden Sonntag wurden zwei Kandidatinnen nominiert: Die 37jährige Religionslehrerin Patricia Staub sowie die 44jährige Kindergärtnerin Caroline Sturzenegger. Das ist ungewöhnlich, stehen bei Kirchenverwaltungsrats-Wahlen doch traditionell gleich viele Kandidaten wie Sitze zur Verfügung. «Meist lässt sich nur auf die Liste setzen, wer die Wahl garantiert bekommt», sagt Corazza. Nicht so Caroline Sturzenegger. Sie habe sich nominieren lassen, um eine echte Wahl zu ermöglichen, sagt die dreifache Mutter. «Die Kandidatur von Patricia Staub stand damals bereits fest.» Aus einem katholischen Elternhaus stammend, engagiert sich die Kindergärtnerin seit ihrer Jugend in der Kirche: Erst als Pfadfinderin, später im Pfarreirat und im Club junger Familien.

Mit Sportsgeist ins Gremium

Neben der Kirche gehört Caroline Sturzeneggers Leidenschaft dem Handball: Sie trainiert Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren. Sie sei ein Teamplayer, sagt sie. «Und überzeugt davon, dass eine respektvolle Zusammenarbeit Berge versetzen kann.»

Etwas bewegen will auch Patricia Staub. Die Religionslehrerin wünscht der Kirche «mehr authentische Menschen, die sich jenseits von Dogmatismus engagieren.» Sie selbst sei es sich aus ihrem Alltag an der Meitli-Flade gewohnt, genau hinzuschauen und auf die Bedürfnisse von Menschen einzugehen.

Den Zeitpunkt für ihre Kandidatur bezeichnet die 37-Jährige als ideal: «Ich habe bereits mit Anfang zwanzig eine Familie gegründet und habe nun wieder Zeit für neue Aufgaben.» Viele Frauen ihres Alters seien hingegen noch voll im Familienleben eingespannt, ihre Generation deshalb in Politik und Kirche untervertreten.

Das bestätigt Guido Corazza: «Es ist wichtig, dass wir auch die junge Generation ins Boot holen.» Dass auf Heidi Mayer-Popp wieder eine Frau ins männerdominierte Gremium folgt, bezeichnet er als «zwingend». Welche Aufgaben auf die Wahlsiegerin warten, steht noch nicht fest: «Wie beim Stadtrat werden die Ressorts nach der Wahl verteilt.»

Caroline Sturzenegger engagiert sich in der Seelsorgeeinheit Ost. (Bild: pd)

Caroline Sturzenegger engagiert sich in der Seelsorgeeinheit Ost. (Bild: pd)

Heidi Mayer-Popp (Bild: pd)

Heidi Mayer-Popp (Bild: pd)