Kampfansage der CVP-Kreispartei

Nach der Wahlschlappe bei den Nationalratswahlen bündelt die CVP St. Gallen-Gossau ihre Kräfte. An der Delegiertenversammlung hat sie ihre Kandidierenden für die Kantonsratswahlen präsentiert. Die grösste CVP-Kreispartei des Kantons hat die Liste nicht voll: Sieben Plätze sind frei.

Elisabeth Reisp
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Bruno Dammann Vorgeschlagen als Regierungsratskandidat der CVP (Bild: Ralph Ribi)

Bruno Dammann Vorgeschlagen als Regierungsratskandidat der CVP (Bild: Ralph Ribi)

Die Katze liess die Findungskommission der CVP St. Gallen bereits am Vortag aus dem Sack: Ins Rennen um den freiwerdenden Regierungsratssitz will sie den Arzt und Kantonsrat Bruno Damann aus Gossau schicken. Am Donnerstag hat die Kreispartei St. Gallen-Gossau nun die Kandidierenden für den Kantonsrat bekanntgegeben. Die Liste der grössten CVP-Kreispartei des Kantons ist aber noch unvollständig: von 29 Listenplätzen sind bisher nur 22 besetzt. Es mangelt an Frauen.

Säbelrasseln in der CVP

Die CVP St. Gallen-Gossau ist derzeit mit sechs Mitgliedern im Kantonsrat vertreten. Vier stellen sich erneut der Wahl, hingegen treten Markus Bollhalder aus St. Gallen und Vreni Breitenmoser-Häberli aus Waldkirch nicht mehr an.

Der Partei fehlt es gemäss eigenen Angaben an Frauenpower. Lediglich vier Frauen, darunter auch Stadträtin Patrizia Adam, liessen ihre Namen auf die Liste setzen. Die Kreispartei hofft, bis zum 21. Dezember weitere Kandidatinnen nachnominieren zu können.

Obschon die CVP die zweitstärkste Partei im Kanton ist, hat sie bei den Nationalratswahlen vom letzten Sonntag eine empfindliche Einbusse einstecken müssen. Fast vier Prozent Wähleranteil verlor die CVP, auch ihr Kandidat für den Ständerat hat sich nicht durchsetzen können. Entsprechend wurde an der Delegiertenversammlung der Kreispartei vom Donnerstagabend inbrünstig zum gemeinsamen, geeinten Auftritt aufgerufen – es fiel auch das Wort Kampf. Die Scharte gelte es auszumerzen. Der Stadtparlamentarier und Kantonsratskandidat Michael Hugentobler forderte die Mitkandidierenden denn auch auf, jetzt aktiv um Stimmen zu werben: «Jeder Tag, an dem Sie nicht jemanden aufgefordert haben, am 28. Februar zu wählen, ist ein verlorener Tag.» Keine Frage, der CVP steckt die Wahlschlappe in den Knochen.

Eine eigentliche Brandrede hielt der portierte Regierungsratskandidat Bruno Damann zur Situation in der CVP: «Der zweite Sitz in der Regierung ist nicht garantiert. Ohne ihn werden wir aber bedeutungslos.» Die CVP müsse wieder lernen zu kämpfen. «Ansonsten kommen wir unter die Räder.»

Kein Wunschdepartement

Dass der von der Findungskommission vorgeschlagene Kandidat für die Regierungsratswahl an der Delegiertenversammlung der Kreispartei bestätigt wird, war unbestritten. Ihm selbst sei es zuerst nicht leicht gefallen, die Kandidatur anzunehmen. Damann habe sich gefragt: «Sollte man nicht jemand Jüngeren nehmen?». Nun sieht er es aber als eine Ehre.

Bei einer erfolgreichen Wahl in den St. Galler Regierungsrat möchte der Hausarzt nicht unbedingt dem Gesundheitsdepartement vorstehen: «Als Arzt weiss ich, was alles nicht rund läuft. Dieses Departement ist sehr anspruchsvoll.»

Medizinakademie erwünscht

Dennoch liegen Dammanns politische Schwerpunkte im Gesundheitsbereich. So referierte er an der Delegiertenversammlung über die Zukunft der Hausarztpraxen und ob es eine medizinische Akademie in St. Gallen braucht. Zwei Themen, die für Damann eng miteinander verknüpft sind. Denn Hausärzte werden immer weniger, mit einer medizinischen Akademie könnte man die notwendigen Grundversorger ausbilden. Damann plädiert dafür, sich in St. Gallen auf die stiefmütterlich behandelte Fachrichtung Allgemeinmedizin zu spezialisieren und nur Hausärzte auszubilden. Allerdings würden frühestens in 15 bis 20 Jahren die ersten Allgemeinmediziner aus dieser Akademie hervorgehen.

Seline Heim-Keller stellt sich an der Delegiertenversammlung vor. Sie ist eine von nur vier Frauen auf der Liste der CVP-Kreispartei. (Bild: Ralph Ribi)

Seline Heim-Keller stellt sich an der Delegiertenversammlung vor. Sie ist eine von nur vier Frauen auf der Liste der CVP-Kreispartei. (Bild: Ralph Ribi)