«Kampf der Orchester»: Ich war dabei

Der Kampf hat begonnen. Fäuste fliegen keine, doch die Bodensee-Arena in Kreuzlingen stellt während der SRF-Sendung «Kampf der Orchester» trotzdem eine Art Kampfring dar. Am Sonntagabend ging die erste von drei Sendungen über die Bühne – oder besser gesagt über den Arenaboden.

Ralf Rüthemann
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Die Melodia qualifizierte sich mit «Long Train Running» für den Halbfinal von «Kampf der Orchester» am kommenden Samstag, 20.10 Uhr, SRF 1. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)

Die Melodia qualifizierte sich mit «Long Train Running» für den Halbfinal von «Kampf der Orchester» am kommenden Samstag, 20.10 Uhr, SRF 1. (Bild: SRF/Mirco Rederlechner)

Der Kampf hat begonnen. Fäuste fliegen keine, doch die Bodensee-Arena in Kreuzlingen stellt während der SRF-Sendung «Kampf der Orchester» trotzdem eine Art Kampfring dar. Am Sonntagabend ging die erste von drei Sendungen über die Bühne – oder besser gesagt über den Arenaboden. Acht Formationen traten gegeneinander an. Mittendrin mein Musikverein Melodia Goldach, mein Lieblingsspielzeug, die Congas, und ich.

Pyros und 500 000 Zuschauer

Bereits am Mittwochabend stieg der Puls vor Nervosität an. Wir probten mit drei anderen Orchestern den halben Nachmittag die Choreographie zum Opener «Let Me Entertain You» und gingen am Abend für fünf Minuten auf Sendung. Das SRF testete damit die neue Voting-App. Wir waren Feuer und Flamme für den ersten TV-Auftritt – und das nicht nur wegen der brandheissen Pyros, die unsere Choreographie schon während der Proben begleiteten. Die fünf Minuten auf der SRF 1-Bildfläche haben sich gelohnt. Etwa 500 000 Zuschauer sahen sie. So oder so, wichtig ist: Wir haben Bekanntschaft mit unseren Kontrahenten gemacht. Beim Nachtessen lernte ich Musikanten der Jugendmusik Kreuzlingen kennen. «Jetzt sind wir noch Freunde, aber am Sonntagabend seid ihr unsere Feinde», sagte ein Jugendlicher zu mir und lachte.

Die magischen Congas

An der ersten Probe am Freitag für unseren Showauftritt tasteten wir uns mit der Choreographie zur Funk-Nummer «Long Train Running» an die Gegebenheiten in der Bodensee-Arena heran. Das heisst, meine Kolleginnen und Kollegen von der Melodia mussten das machen. Ich komme mit meinen Congas zu Fuss nämlich nicht allzu weit. Nichtsdestotrotz probte ich natürlich auch – und hatte vor allem Spass mit meiner Registerkollegin Carmen, die neben mir Bongos spielte. Für alle Laien: Bongos sind wie Congas, einfach kleiner. Für mich sind sie weniger attraktiv, aber das ist Ansichtssache. Congas sind einfach spitze. Diese Dinger sind irgendwie magisch. Das hat allerdings auch einen Nachteil: Wenn ich voll im Element bin, muss vor allem mein rechter Mittelfinger regelmässig Blutergüsse hinnehmen.

Der Goldacher und Tagblatt-Journalist Ralf Rüthemann jubelt an seinen Congas in der Bodensee-Arena. (Bild: pd)

Der Goldacher und Tagblatt-Journalist Ralf Rüthemann jubelt an seinen Congas in der Bodensee-Arena. (Bild: pd)

Weg vom Mittelfinger, zurück zum «Kampf der Orchester»: Für die Sendung wurde jeder Musikformation ein Promi zugeteilt. Die Melodia durfte mit Schwingerkönig Nöldi Forrer vorliebnehmen. Wer jetzt denkt, ein Schwinger kann nicht musikalisch sein, täuscht sich. Nöldi Forrer hat es drauf. Nach einigen Instruktionen von Dirigent Daniel Zeiter und wenigen Proben spielte Forrer bereits ein Solo auf der Pauke, das auch im Fernsehen zu sehen war. Aber nicht nur musikalisch, auch menschlich passt Forrer hervorragend in die Melodia. Das zeigte sich jeweils nach den Proben in der Melodia-internen «Besenbeiz».

«Schnorris» halten Spassfaktor

Weiter ging das Abenteuer «Kampf der Orchester» am Samstag. Diesmal mit allen acht Musikformationen. Zuerst probten wir den Opener für die Sendung. Disziplin war das Hauptstichwort für diese Probe, denn über 300 Musikanten mussten nun irgendwie zusammen üben. Disziplin war so oder so das Lieblingswort der SRF-Verantwortlichen. Zum Glück haben wir einige «Schnorris» in der Melodia, die den Spassfaktor trotz Disziplin aufrechterhielten. Weiter ging es am Samstagabend mit der disziplinierten ersten Hauptprobe. Wir spielten die gesamte Sendung einmal durch, inklusive Moderation des Fernseh-Gurus Sven Epiney und der langbeinigen Nicole Berchtold. Für uns war klar, es wird nicht einfach, weiterzukommen. Die Konkurrenz war stark.

Am Sonntag folgte die zweite Hauptprobe. Quasi der disziplinierteste Durchlauf aller disziplinierten Durchläufe. Danach waren wir bereit für die Sendung. Das war nochmals eine völlig andere Liga. Die Zuschauer überwältigten uns bereits zu Beginn, und der Showauftritt war einfach nur ein Genuss. Am Ende durften wir über die Qualifikation für den Halbfinal vom kommenden Samstag jubeln. Eine solche Euphorie habe ich noch nie zuvor erlebt.