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Kaffeemaschine mit Gastfreund

Eine ungarische Truppe hat für Samstag eine Alt-Sammlung in St. Gallen angekündigt. Sammeln will sie alles – auch Wunderliches. Die Aktion ist legal.
Elisabeth Reisp
Dieser Flyer kündet die Sammlung der ungarischen Familie an, die allerhand Wunderliches mitnimmt. (Bild: Elisabeth Reisp)

Dieser Flyer kündet die Sammlung der ungarischen Familie an, die allerhand Wunderliches mitnimmt. (Bild: Elisabeth Reisp)

In einigen Briefkästen St. Gallens ist dieser Tage ein Zettel eingeworfen worden, der die Bewohner einlädt, alles, wirklich alles, was sie nicht mehr brauchen, am Samstag an die Strassen zu stellen. Es werde dann abgeholt, auch bei Regen. Die Sammlung sei von einer ungarischen Familie organisiert, steht auf dem Zettel.

Egal ob Rutsche, Kettensägen, Gartengeräte, Bohrmaschinen, «Wellenreiterbrett», Kleider, Wanduhren, «Bildrand» (gemeint sind vermutlich Bilderrahmen) oder «Komputer Maschinen». In teilweise holpriger Übersetzung wird alles mögliche aufgezählt, was die Ungarn mitnehmen wollen. Selbst Porzellanpuppen und Autos (Benziner) sind willkommen. Und auch «Kaffeemaschinen mit Gastfreund» und «Kolter» sind gesucht. Eine schnelle Suche im Internet zeigt: Die ungarischen Truppen sind schon seit Jahren unterwegs. Die Zettel, in abgeänderter Gestaltung, aber stets mit dem selben Inhalt und den selben Schreibfehlern («Gestrüp Scnittmeister»), wurden bisher hauptsächlich in Deutschland und Österreich in die Briefkästen gelegt. Sehr zum Ärger der dortigen Beamten, wie diverse Lokalzeitungen berichteten. Denn dort werden die Sammlungen der ungarischen «Kleinmaschinenbrigaden», wie sie sich selbst flott nennen, illegal durchgeführt.

Anders in St. Gallen. Die Sammlung der Ungarn sei nicht illegal, sagt Dionys Widmer, Sprecher der Stadtpolizei, da die Sammler nichts vortäuschten. Es brauche dafür auch keine Bewilligung. Da sich aber ein paar Einwohner wegen dieser Zettel im Briefkasten bei der Polizei gemeldet haben, sei man der Sache nachgegangen und habe Kontakt mit den Sammlern aufgenommen. «Wir haben sie darauf hingewiesen, dass sie keine Dinge mitnehmen dürfen, die nicht ausdrücklich für die Sammlung ausgewiesen sind.»

Eine Sammlung in der Grauzone

Wozu die Sachen gesammelt werden, geben die Ungarn nicht an. Nur soviel: Sperrmüll oder Abfall nehmen sie nicht. Vermutlich wollen sie die Sachen weiterverkaufen oder den Schrottpreis dafür erhalten, denn sie sammeln auch Kupfer, Aluminium und Kabelstücke sowie defekte Laptops und alte Gaskessel. Und hier bewegen sich die Sammler in einer Grauzone. «Die Entsorgung von Siedlungsabfällen gehört in die Hoheit der Gemeinde», sagt Marco Sonderegger, Leiter Entsorgung St. Gallen. Auch die Kleidersammlung sei von der Stadt konzessioniert. Sonderegger geht aber davon aus, dass die Waren zur Wiederverwendung gesammelt werden.

Die Zettel mit den wunderlichen Gegenständen waren im Internet schon mehrfach Gegenstand einer Diskussion und es wurde nach Übersetzungen gesucht. So sei eine «Kaffeemaschine mit Gastfreund» eine Kaffeemaschine mit Kanne, weiss jemand in einem Forum. Und ein «Kolter» sei keineswegs ein Koffer, sondern eine Steppdecke.

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