Kämpfer mit Herz und Humor

Der Lehrer und Politiker Markus Romer ist am 9. Juli gestorben. Er war einer, der sich lustvoll ins öffentliche Leben einmischte – weil er Menschen gern hatte.

Beda Hanimann
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Markus Romer, 1986 als Präsident des Gemeinderats. (Bild: Archiv Tagblatt)

Markus Romer, 1986 als Präsident des Gemeinderats. (Bild: Archiv Tagblatt)

Als unverbesserlicher Optimist habe er das Leiden tapfer und mit Geduld ertragen, schrieb Markus Romers Familie in der Todesanzeige. Mit dieser Charakterisierung schloss sich auch ein Kreis: «Unverbesserlicher Optimist», das hatte vor Jahrzehnten schon einmal ein Gymnasiallehrer in Markus Romers Zeugnis notiert. Es war als Tadel gemeint, doch Markus Romer hat sich nie darum bemüht, sich in dieser Sache zu bessern. Er blieb der Optimist.

Kämpfer mit Herz und Humor

Die Freude und das Interesse an Menschen ist im späteren Lehrer, Politiker und Fasnächtler früh erwacht. In einem Artikel über Nachbarn erinnerte er sich vor ein paar Jahren, wie er als Bub im Restaurant seiner Eltern sass und gebannt den Männern am Stammtisch lauschte, vom Käser bis zum Bankverwalter. Die Debatten der unterschiedlichen Männer verliefen friedlich, ausser wenn es ums Jassen ging. Das mag Markus Romer geprägt haben: Als Lehrer-Präsident und SP-Politiker war er «direkt im Inhalt, bissig in der Formulierung», wie er es selber beim Abschied vom Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverein umschrieben hatte. Er war ein engagierter Kämpfer, aber einer mit Herz und Humor.

Der geborene Lehrer

Markus Romer kam am 6. August 1943 in Uznach zur Welt. Schon als Kind wusste er, dass er Lehrer werden wollte. Von diesem Kindertraum rückte er nicht mehr ab. Nach der Ausbildung am Lehrerseminar Rorschach trat er 1964 in Gossau seine erste Stelle an. Vier Jahre später wurde er nach St. Gallen gewählt. Zuerst unterrichtete er im Schulhaus Heimat, dann in der Halden, schliesslich wurde er Schulleiter in Rotmonten. In einer Würdigung nach der Pensionierung hiess es im Tagblatt, er habe die Schüler streng, aber mit Humor zu erziehen versucht. Ein Grundsatz lautete: «Es muss an jedem Tag etwas zu lachen geben.»

Markus Romer war während vier Jahrzehnten Primarlehrer mit Herzblut. Doch sein Engagement reichte weit über das Schulzimmer hinaus. Als Präsident städtischer und kantonaler Lehrerverbände kämpfte er für eine kinder- wie lehrergerechte Schule – und für Eigenverantwortung. Die Lehrkräfte sollen nicht nur Umsetzer und Verwalter von Programmen sein, sondern selber kreativ tätig sein können, das war sein Credo.

Politiker, Fasnächtler, Autor

Bei der Verabschiedung als Co-Präsident des Lehrervereins sagte Markus Romer im November 2005 in wunderbarer Selbstironie, nun verstumme einer, der es gewohnt sei, selber zu denken und das Gedachte erst noch auszusprechen. Er hat das als Lehrer und Verbandsfunktionär getan, aber auch als SP-Politiker. Im Stadtparlament, das er 1986 präsidierte, war er eine gewichtige Stimme.

Die Mischung aus Debattierlust, prononcierter Haltung, Menschenliebe und Humor entging auch dem Gremium der Ehrenföbüs nicht, die ihn 1987 als Markus XIV. in ihre Runde aufnahmen. Als Holperer bereicherte er die St. Galler Fasnacht während Jahren mit träfen Reimen, er schrieb aber auch Theaterstücke für St. Galler Laienbühnen.

Schule des Zusammenlebens

Markus Romer bleibt in Erinnerung als Mensch, der sich lustvoll in das öffentliche Leben einmischte, tatkräftig, wortmächtig – und sogar dribbelstark als Fussballer des FC Gossau und des St. Galler Gemeinderats. Als er sich nach der Pensionierung daran machte, die Bibel in schweizerdeutsche Reime zu setzen, sagte er, das biblische Liebesgebot sei ihm stets das Wichtigste gewesen.

Sowohl Schulstube wie Gemeinderat sah er als Schule des Zusammenlebens. Sein Engagement rührte nicht vom Drang, sich ins Rampenlicht zu stellen, sondern von der Liebe zu den Mitmenschen. «Wenn ich Dinge ansprach, die mir missfielen, so darum, weil ich die Schule, die Stadt und den Kanton gern hatte, in denen ich wirken durfte», sagte er einmal.