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JUSTIZIRRTUM: St.Galler Staatsanwaltschaft lässt unschuldige Frau verhaften

Eine Frau ist am Flughafen Genf verhaftet und in die Ostschweiz gebracht worden, weil sie in Arnegg, Engelburg und Gossau eingebrochen sein soll. Die Staatsanwaltschaft verliess sich auf inkomplette DNA-Spuren. Das Gericht stellte fest: Sie ist unschuldig.
Die Frau verbrachte zwei Tage in Untersuchungshaft. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Die Frau verbrachte zwei Tage in Untersuchungshaft. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Am 29. Juni 2016 ist in Arnegg, Engelburg und Gossau je in ein Einfamilienhaus eingebrochen worden. Bei zwei der drei Häuser wuchtete die Täterschaft die Sitzplatztüre auf, im dritten verschaffte sie sich über ein Toilettenfenster Zugang zum Haus. Erbeutet wurden Wertgegenstände wie Bargeld, Münzen, Schmuck, Fotokameras und anderes im Wert von 26700 Franken. Der entstandene Sachschaden betrug 2650 Franken.

Im Einfamilienhaus in Gossau fanden die Ermittler auf mehreren Behältern sogenannte inkomplette DNA-Spuren. Zudem gab es bei allen drei Häusern Fragmente von Schuhabdrücken, welche den Schluss zuliessen, dass es sich um die gleiche Täterschaft handeln muss. Die Untersuchungsbehörden schrieben die DNA-Spuren in den entsprechenden Systemen aus. Als die 55-jährige Schweizerin im Frühling 2017 in Genf ein Flugzeug nach Marokko besteigen wollte, erkannte das System bei der Passkontrolle ihre DNA. Sie sei total geschockt gewesen, als sie sofort verhaftet, in Handschellen gelegt und in die Ostschweiz verfrachtet worden sei, erklärte die Frau am Kreisgericht St. Gallen.

Bedingte Geldstrafe und Busse kassiert

Nach der Einvernahme des Staatsanwalts erhielt sie einen Strafbefehl, in dem sie des mehrfachen Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruchs schuldig erklärt wurde. Sie wurde mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse von 1000 Franken sanktioniert. Dagegen erhob die Genferin Einsprache.

Sie habe in jener Zeit tagtäglich ihre schwerkranke Mutter im Spital besucht, erzählte die Frau in der Befragung des Einzelrichters. Am 29. Juni 2016 habe sie in einer Genfer Apotheke um 9.30 Uhr Medikamente abgeholt. Dies belege der Kassabon, der mit Datum und Uhrzeit versehen sei. Zudem sei sie später zum Bahnhof gegangen, um die Mutter ihrer Freundin zu verabschieden, die an jenem Tag nach Paris abgereist sei. Dies könnten sowohl die Freundin als auch ihre Mutter bezeugen. Ihr Verteidiger forderte nicht nur einem Freispruch, sondern auch eine Genugtuung für die zwei Tage Untersuchungshaft, welche seine Mandantin über sich habe ergehen lassen müssen. Er betonte, eine inkomplette DNA-Spur könne durchaus mehreren Personen in Europa zugeordnet werden. Sie reiche nicht aus, um den Tatbeweis zu erbringen. Dazu brauche es zusätzliche Beweise. Er hatte im Vorfeld mehrere Beweisanträge gestellt, welche seine Mandatin entlasten sollten. So hätte beispielsweise der Apotheker befragt werden sollen. Dieser könne bezeugen, dass die Frau ihre Medikamente am fraglichen Tag persönlich abgeholt habe.

Gericht fällt klaren Freispruch

Er sei auf sämtliche Beweisanträge nicht eingetreten, weil für ihn bereits beim Studium der Akten ziemlich klar geworden sei, dass die Frau nicht für die Einbrüche verantwortlich sein könne, erklärte der Einzelrichter in der Urteilsverkündung. Der Staatsanwalt habe sich lediglich auf die inkomplette DNA-Spur verlassen und keinerlei Anstrengungen unternommen, um Hinweise zur Entlastung der vermeintlichen Einbrecherin zu erhalten. Eine Zeugin habe beispielsweise zu Protokoll gegeben, sie habe einen grauen Audi mit St. Galler Nummernschild gesehen. Auch diesem Hinweis sei der Staatsanwalt nicht nachgegangen. Der Einzelrichter fällte einen klaren Freispruch und sprach der Frau eine Genugtuung von 600 Franken für die beiden Tage in Untersuchungshaft zu. Die Summe falle etwas höher als üblich aus, weil es verständlich sei, dass die zu unrecht Beschuldigte sehr geschockt gewesen sei, als sie nicht nur am Flughafen verhaftet, sondern auch zum Verhör in einen anderen Landesteil mit anderer Sprache verfrachtet worden sei.

Claudia Schmid

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