Junior-Suiten für Kardinäle

Für einmal führen alle Wege nach St. Gallen: Gestern sind 50 Bischöfe für die Europäische Bischofskonferenz eingetroffen. Es seien besonders unkomplizierte Gäste, heisst es beim Hotel.

Janina Gehrig
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Auf dem Weg zur Eröffnungsfeier der Konferenz: Auch Erzbischöfe werden vom Regen nicht verschont. (Bild: Urs Jaudas)

Auf dem Weg zur Eröffnungsfeier der Konferenz: Auch Erzbischöfe werden vom Regen nicht verschont. (Bild: Urs Jaudas)

Keine Autos auf dem Parkplatz vor dem Hotel Einstein. Keine Portiers, die Koffer herumtragen, keine Bodyguards weit und breit. Da biegt ein Mann um die Ecke. Das schwarze Hemd mit Stehkragen und dem weissen Viereck verrät: Es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Touristen, sondern um einen der 50 Bischöfe, die bis zum Sonntag für die Europäische Bischofskonferenz in St. Gallen zusammenkommen und im Einstein logieren.

Ochsenbraten in Gallusstube

Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, hat es nicht eilig. «Ich habe gerade eine Trinkschokolade genossen», sagt er mit leichtem französischen Akzent und lächelt entzückt. Er sei Spezialitäten nicht abgeneigt, was man seinem Bauch ja ansehe. Er sei schon am Abend zuvor angereist, habe mit dem ungarischen Kardinal und den Bischöfen aus Griechenland und der Ukraine im Restaurant Gallusstube Ochsenbraten gegessen. Die Verständigung klappe, auch wenn nicht alle die gleichen Sprachen sprächen. Nun nehme er sich einen halben Tag Zeit, um durch die Altstadtgassen zu schlendern. Denn als Bischof habe man sonst viel zu tun. Sogleich holt der Geistliche zum Lob aus. Die Stadt sei «eine Freude fürs Auge – und der Dom erst! Und das alles bei bestem Wetter.» Für Hollerich ist es der erste Besuch in der Gallusstadt und die erste Bischofskonferenz. Besonders freue er sich auf die Führung durch die Stiftsbibliothek. «Mal sehen, woran ich mich aus dem Geschichtsunterricht noch erinnere.» Dann schlendert er in Richtung Hotel.

Dort wird es hektisch. Hinter einem Tisch in der Eingangshalle haben sich die Organisatoren aufgestellt, vor ihnen ein Schild mit der Aufschrift «Registration». Stadtpläne, Badges, Informationsblätter und Namenlisten liegen bereit. Im Hintergrund läuft Musik, die Luft ist parfümiert. Immer wieder klingelt ein Handy. «Wir koordinieren die Anreise der Bischöfe vom Flughafen oder Bahnhof hierher», sagt Corinne Lautenschlager, Assistentin des Rates der europäischen Bischofskonferenzen. Und verrät, was die Bischöfe als Souvenir mit auf den Weg bekommen: Maestrani-Schöggeli, Hug-Guezli, Ricola-Bonbons, Biberli und ein kleines Sackmesser.

Bibel im Zimmer ist Standard

Die neun Kardinäle werden vom Hoteldirektor Markus Kraus persönlich begrüsst. Sie bekämen die Junior-Suiten. 42-Quadratmeter-Räume mit lackierten Schränken, Orchideen auf den Tischen, Blick auf die Kathedrale. Und auch wenn keine Kruzifixe an den Wänden hängen, eine Bibel sei in jedem Zimmer Standard. Ebenso die Waage im Badezimmer. «Die Bischöfe dürfen selbstverständlich auch den Fitnesspark benutzen», sagt Kraus. Er sei froh, diesen «High Profile Event» veranstalten zu dürfen. Letztlich seien die Bischöfe «Gäste wie andere auch». Und obendrauf noch besonders unkomplizierte: Nur gerade ein Geistlicher habe ein vegetarisches Menu verlangt. «Normalerweise bringen fünf Prozent einer Gruppe Spezialwünsche an.»

Es werde wohl auch ruhiger zu- und hergehen, als wenn Fussballmannschaften im Hotel logierten. «So viele Fans erwarten wir diesmal nicht», sagt Kraus und lacht.

Im Kongresszentrum nebenan steht der ungarische Kardinal Péter Erdõ einem Fernsehsender Red und Antwort. Im Presseraum sind die Plätze für 25 Journalisten aus dem Vatikan, der Slowakei, Italien, Spanien, Polen und Russland eingerichtet. Es wird simultan übersetzt.

«Italian, French, Spanish»

Immer mehr Bischöfe treffen vor dem Hotel ein. «Benvenuti» da, Händeschütteln dort. Der Erzbischof von Kroatien, Marin Srakic, hat 800 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt und mag gerade nicht reden. «Italian, French, Spanish», bietet Fragkiskos Papamanolis, Bischof von Syros und Santorini, zum Gesprächsbeginn an. Mehr, als dass sich St. Gallen sehr von den griechischen Inseln unterscheidet, ist aber leider nicht zu erfahren. «Au revoir.» Man bleibt gerne unter sich. Und erst einmal steht das Mittagessen an. seite 29