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JUNGPOLITIKER: Basil Oberholzer tritt zurück: Kämpfer für den grünen Ring um die Stadt St.Gallen

Der 28-jährige Basil Oberholzer hat an vorderster Front gegen die Überbauung des Waltramsbergs gekämpft und sich für den Schutz des grünen Rings um die Stadt engagiert. Am Dienstag sitzt der Junge Grüne letztmals im Stadtparlament.
Christina Weder
Basil Oberholzer am Schauplatz eines seiner grössten politischen Erfolge, am Waltramsberg unterhalb von Peter und Paul. Der junge Grüne sitzt am Dienstag letztmals im St.Galler Stadtparlament. (Bild: Urs Bucher - 26.3.2018)

Basil Oberholzer am Schauplatz eines seiner grössten politischen Erfolge, am Waltramsberg unterhalb von Peter und Paul. Der junge Grüne sitzt am Dienstag letztmals im St.Galler Stadtparlament. (Bild: Urs Bucher - 26.3.2018)

Andere denken in seinem Alter noch längst nicht an ein politisches Mandat. Der 28-jährige Basil Oberholzer aber sitzt bereits seit sechseinhalb Jahren für die Jungen Grünen im Stadtparlament – am Dienstagnachmittag zum letzten Mal. Er hat vor kurzem seinen Rücktritt bekannt geben.

Für ein Treffen hat er den Waltramsberg, die grüne Wiese unterhalb des Wildparks Peter und Paul, vorgeschlagen. Die Kulisse ist ländlich. Es würde sich ein Blick auf den Alpstein bieten, wäre der Tag nicht wolkenverhangen. Die Wiese liegt Oberholzer seit seiner Kindheit nahe. Er ist in der Nähe im Quartier Heiligkreuz aufgewachsen. Und er hat hier seinen ersten politischen Erfolg erzielt. An vorderster Front hat er 2012 gegen die Überbauung des Waltramsbergs gekämpft – mit Erfolg. Damit hat sich der Junge Grüne früh Respekt verschafft. «Ich hatte im Parlament nie das Gefühl, belächelt zu werden – trotz meines jungen Alters.»

Kein «Ämtlisammler»

Basil Oberholzer sitzt seit Herbst 2011 im Stadtparlament, vor zwei Jahren wurde er zudem in den Kantonsrat gewählt. «Langfristig ist es sinnvoll, sich auf ein Mandat zu konzentrieren», begründet er seinen Rücktritt aus der städtischen Legislative. Ambitionen auf ein Nationalratsmandat hegt er noch nicht. «Ich schiele nicht auf Ämter und will nichts forcieren.»

Er krempelt die Ärmel hoch, auch wenn die Temperaturen noch kühl sind. Die Brille mit den schmalen Gläsern ist sein Markenzeichen. Oberholzer antwortet ruhig, überlegt und wirkt ernsthafter, als man es von einem Jungpolitiker erwarten würde. Er ist keiner, der ins Rampenlicht drängt, schon gar kein Showman. Im Gegenteil. Er gilt als nüchterner, stiller Schaffer, der sich in die Themen hineinkniet und sehr hartnäckig sein kann, wenn ihm etwas am Herzen liegt. Im Stadtparlament hat er sich vor allem für den Erhalt von Freiflächen eingesetzt.

Gegen den Stadtrat vor Gericht gezogen

Als seinen grössten Erfolg im Stadtparlament nennt Basil Oberholzer nicht den Einsatz für den Waltramsberg, sondern die städtische Initiative zum Schutz des Grünen Rings. Die Jungen Grünen hatten sie 2013 mit dem Ziel lanciert, die Grünflächen an den Hügeln der Stadt zu erhalten. Da war Durchhaltewillen gefragt, denn der Stadtrat erklärte die Initiative damals für ungültig.

Oberholzer und seine Parteikollegen liessen nicht locker, zogen den Rekurs bis vors kantonale Verwaltungsgericht und bekamen Recht. Die erforderlichen 1000 Unterschriften sammelten sie 2016 in kurzer Zeit. «Seither gibt es im Stadtparlament parteiübergreifend einen Konsens, dass der grüne Ring geschützt werden muss», sagt Oberholzer. Es ist ihm gelungen, das Thema auf die politische Agenda zu setzen. «Kleine Siege zu feiern ist etwas vom Schönsten. Das verleiht Rückenwind.»

Globalisierungskritik am Familientisch

Der 28-Jährige ist in einem kirchennahen Haushalt aufgewachsen und früh politisiert worden. Globalisierungskritik und Entwicklungspolitik wurden ganz selbstverständlich am Familientisch diskutiert. Sein Vater Peter Oberholzer, der Gemeindeleiter der katholischen Pfarrei Heiligkreuz, gehört zwar keiner Partei an, er engagierte sich aber aktiv, zum Beispiel gegen erweiterte Ladenöffnungszeiten.

Basil Oberholzer war selber jahrelang Ministrant. Hilfsprojekte wie jene des Fastenopfers hätten ihn geprägt, sagt er. Daher rührt sein Widerwille gegen Armut und Hunger in der Welt und sein Engagement für soziale Gerechtigkeit. Jahrelang arbeitete er im Organisationskomitee des Sozial- und Umweltforums Ostschweiz (Sufo) mit. Hinzu kommt ein persönliches Interesse an klassischen Umweltthemen wie Klimawandel, Regenwaldabholzung, Artensterben, Umweltverschmutzung und Energie.

Bald habe er gemerkt, dass soziale und ökologische Themen eng miteinander zusammenhingen. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, entschied er sich für ein Volkswirtschaftsstudium an der Universität Zürich, das er längst abgeschlossen hat.

Nachhaltig leben: «Mir fehlt nichts»

Seine Dissertation schrieb Basil Oberholzer über «Geldpolitik und Ölmarkt» und publizierte sie vor einem Jahr in Buchform. Derzeit arbeitet er in einem Büro für Nachhaltigkeitsberatungen. In seiner spärlichen Freizeit wandert oder liest er gerne – vor allem Fachliteratur über Ökonomie, Ethnologie, Politische Philosophie und Entwicklungspolitik. Oder er diskutiert mit Freunden über Gott und die Welt.

Zudem versucht er, ein nachhaltiges Leben zu führen. «Das bedeutet für mich keinen Verzicht», sagt er. Statussymbole sagen ihm nichts. Oberholzer fährt kaum Auto, auch wenn er unterdessen den Führerschein besitzt. Er steigt nur in Flugzeuge, wenn es sich beruflich nicht vermeiden lässt. Und er reist selten ins Ausland. Irgendwo auf der Welt zu «pläuscheln», sage ihm nicht zu. Er ist überzeugt: «Wenn man die Migranten kennenlernt, die in St. Gallen leben, lernt man mehr über ihre Länder als auf einem Kurztrip dorthin.»

Doch das persönliche Verhalten sei nur ein kleiner Teil. «Veränderungen brauche es vor allem auf der politischen Ebene.» Dafür will er sich im Kantonsrat weiter einsetzen.

Basil Oberholzer in jüngeren Jahren als Präsident der Jungen Grünen des Kantons St.Gallen im Gespräch mit Journalisten. (Bild: Urs Jaudas - 7. Juli 2010)

Basil Oberholzer in jüngeren Jahren als Präsident der Jungen Grünen des Kantons St.Gallen im Gespräch mit Journalisten. (Bild: Urs Jaudas - 7. Juli 2010)

Basil Oberholzer neu im St.Galler Stadtparlament. (Bild: Ralph Ribi - 20. September 2011)

Basil Oberholzer neu im St.Galler Stadtparlament. (Bild: Ralph Ribi - 20. September 2011)

Basil Oberholzer (im grünen Hemd) bei der Pressekonferenz über die Initiative für den Schutz des grünen Rings um die Stadt St.Gallen. Links von Oberholzer Anja Bürkler, rechts Andreas Hobi und Franziska Ryser. (Bild: Daniel Dorrer - 24. Mai 2016)

Basil Oberholzer (im grünen Hemd) bei der Pressekonferenz über die Initiative für den Schutz des grünen Rings um die Stadt St.Gallen. Links von Oberholzer Anja Bürkler, rechts Andreas Hobi und Franziska Ryser. (Bild: Daniel Dorrer - 24. Mai 2016)

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