Junge Talente mit Biss fördern

Knapp über 70 Schülerinnen und Schüler besuchen derzeit die Talentschule der Stadt St. Gallen. Seit der Gründung vor bald zehn Jahren wurde das Angebot kontinuierlich erweitert, um die Jugendlichen und deren Begabungen zu fördern.

Perrine Woodtli
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Förderung im Bereich Gestalten: Karin Bucher unterrichtet die Talentschülerinnen und -schüler der zweiten und dritten Oberstufe. (Bild: Urs Bucher)

Förderung im Bereich Gestalten: Karin Bucher unterrichtet die Talentschülerinnen und -schüler der zweiten und dritten Oberstufe. (Bild: Urs Bucher)

Wer eine Begabung hat, sollte diese auch weiter entwickeln können. Dieser Meinung ist Claudia Herold, Abteilungsleiterin Schulen des städtischen Schulamts. Deshalb sei die Talentschule der Stadt St. Gallen nicht mehr wegzudenken. Diese besuchen aktuell 38 Oberstufenschülerinnen und -schüler im Bereich Sport, 23 im Bereich Gestalten und 10 im Bereich Musik.

Sport, Musik und Gestalten

Angefangen hat die Talentschule 2006 als Pilotprojekt. Damals wurden gerade mal neun Schülerinnen und Schüler im Sport gefördert. «Sie spielten alle Fussball oder Handball», sagt Claudia Herold. Unterdessen sind zahlreiche weitere Sportarten dazugekommen wie beispielsweise Eiskunstlaufen, Tennis, Judo, Voltigieren, Go-Kart und rhythmische Sportgymnastik. «Die Sportarten variieren ständig. Es kommt ja drauf an, was für Talente wir haben.» Seit 2009 werden auch Musiktalente gefördert. Jeder Schüler lernt ein Haupt- sowie ein Nebeninstrument. Egal ob Gesang, Schlagzeug oder Hackbrett – auch hier sind die Möglichkeiten gross. 2011 kam als letzter Förderbereich das Gestalten hinzu.

Wenn ein Time-out nötig ist

Wer an die Talentschule möchte, müsse «Biss haben, ehrgeizig sein und nebst seinen Fähigkeiten auch etwas im Kopf haben», wie Claudia Herold sagt. Die Jugendlichen seien einer grossen Belastung ausgesetzt. Aufgrund verpasster Lektionen müssen die Schüler den Schulstoff oft für sich selber in kurzer Zeit erarbeiten. «Zudem befinden sich die 12- bis 14-Jährigen in einer pubertären Entwicklungsphase. In dieser Zeit kann es vorkommen, dass sie nicht alles auf die Reihe kriegen.» In solchen Phasen hat sich schon ein kurzes Time-out bewährt. «Der Schüler nimmt eine Auszeit vom Talentbereich und fokussiert sich auf die Schule. Der Schulabschluss hat Priorität.»

Etwas, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat, ist, dass zunehmend mehr Sekundarschüler als Realschüler die Schule besuchen. Anfangs sei es relativ ausgeglichen gewesen, besonders in der Sparte Sport, wie Claudia Herold sagt.

Keine Talentschmiede

Nach dem Schulabschluss machen laut Claudia Herold die wenigsten Jugendlichen ihr Talent zum Beruf. «Die Gestalter gehen oft in die GBS. Dort konnten sie in der Vergangenheit sogar den Vorkurs überspringen, was für die Qualität der Talentschule spricht», sagt sie. Die Sportler und Musiker würden eine Lehre absolvieren oder an die Kantonsschule gehen. Einige würden weiterhin etwas in ihrem Bereich machen. Bei vielen bleibe das Talent eine Leidenschaft. Claudia Herold bezeichnet die Talentschule daher nicht als eine Talentschmiede. «Schweizer Meister hatten wir einige. Dass wir aber einen Star auf europaweiter Ebene herausgebracht haben, bezweifle ich eher.»

Regelklasse als Vorteil

Da die Talentschule beliebt sei, sei es ein Thema, das Angebot weiter zu entwickeln. «Im vergangenen Jahr mussten wir einigen Sporttalenten absagen, weil es keinen Platz mehr in den Regelklassen gab.» Deshalb überlege man sich, den Unterricht künftig nicht mehr überall in den Regelklassen durchzuführen. Obwohl dies ein «riesiger Vorteil» sei, wie Claudia Herold sagt. Falls sich ein Schüler verletzt oder jemand abbricht, kann dieser weiterhin in seiner Klasse bleiben. Bei einer separaten Talent-Klasse hätte dies einen Schul- oder Klassenwechsel zur Folge. Man sei laufend dran, sich über die Zukunft der Talentschule Gedanken zu machen. Ausgearbeitet sei aber noch nichts.

Bis zum 20. Januar können sich wieder angehende Oberstufenschülerinnen und -schüler für die Talentschule anmelden. Claudia Herold: «Im Bereich Musik wird es wahrscheinlich wieder eher wenige Anmeldungen geben. Die Anmeldezahlen für den Bereich Gestaltung haben im vergangenen Jahr stark zugenommen. Ich bin gespannt, ob das nur eine Ausnahme war. Im Sport rechne ich wieder mit 20 bis 30 Anmeldungen.»