Junge Menschen schützen und fördern

Das St. Galler Amt für Soziales erstattet Bericht über seine Arbeit im Bereich Kinder- und Jugendpolitik und definiert die Strategie 2015 bis 2020. Eine komplette Neuausrichtung ist nicht zu erwarten.

Roman Hertler
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ST. GALLEN. Bewusst laden der St. Galler Regierungsrat Martin Klöti und das Amt für Soziales in den Talhof. «Hier ist ein Ort, wo sich Jugendliche noch physisch treffen können», sagt Klöti. Solche Angebote seien wichtig in Zeiten, in denen Jugendliche und junge Erwachsene häufig über Smartphones kommunizieren und so Gefahr laufen, sich vermehrt zurückzuziehen und zu isolieren. Räume bieten ist aber nur ein Teil dessen, was der Kanton im Bereich Kinder- und Jugendpolitik unternehmen möchte. Gestern stellten Andrea Lübberstedt, Leiterin des Amts für Soziales, und Judith Siering, Leiterin der Abteilung Kinder und Jugend, den 70seitigen Bericht über die kinder- und jugendpolitische Arbeit und Strategie des Kantons für 2015 bis 2020 vor.

Ein Drittel unter 25 Jahre alt

«Früher war St. Gallen ein junger Kanton», sagt Andrea Lübberstedt. «Doch die demographische Entwicklung macht auch vor uns nicht Halt.» Trotzdem sei noch immer fast ein Drittel der St. Galler Bevölkerung unter 25 Jahre alt. «Das Altern der Gesellschaft erfordert im Sinne eines Dialogs zwischen den Generationen auch eine angemessene Politik.» Eine Neuformulierung der kinder- und jugendpolitischen Strategie sei aufgrund sich wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse angebracht.

Der Bericht steht unter dem Leitmotiv «beteiligen, schützen, fördern». Erwähnt sind diverse kantonale Massnahmen im Bereich der ausserschulischen Kinder- und Jugendpolitik. «Einen Fokus wollen wir beispielsweise auf die Kinderrechte legen», sagt Judith Siering. «So sollen beispielsweise Kinder in gerichtlichen oder vormundschaftsbehördlichen Verfahren vermehrt angehört werden können.» Einen weiteren Schwerpunkt legen die Behörden auf die Frühförderung. Wichtig sei hierbei die Elternbildung. Das bestehende Angebot an Beratungen oder Familientreffpunkte in den Gemeinden soll ausgebaut werden. Regierungsrat Klöti ergänzt: «Frühe Förderung – also die Förderung im Vorschulalter – ist entscheidend für die Chancengleichheit für Kinder aus bildungsferneren Familien oder aus solchen mit Migrationshintergrund.»

Erster Bericht seit 1992

Der Bericht ist die erste Standortbestimmung und Formulierung der künftigen Strategie der kantonalen Kinder- und Jugendpolitik seit 1992. Anlass dazu gegeben haben zwei entsprechende Postulate der CVP-Fraktion im Kantonsrat aus den Jahren 2005 und 2009. 2006 antwortete die Regierung noch, in gesetzgeberischer Hinsicht bestehe kein dringender Handlungsbedarf. Regierungsrat Martin Klöti betont, dass man auch heute auf dem «richtigen Weg» sei.

«Dass der Bericht erst jetzt kommt, heisst nicht, dass wir die vergangenen zehn Jahre nichts gemacht haben», sagt Amtsleiterin Andrea Lübberstedt. Man habe zudem auf Entscheide auf Bundesebene gewartet, welche die Rolle der Kantone in der Kinder- und Jugendpolitik deutlicher definieren.

Der Bericht wurde der kantonsrätlichen Kommission vorgelegt – er soll in der Junisession im Rat behandelt werden.

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