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Jugendorganisation im Wandel

Am 19. März feiert die Jungwacht Rorschach ihr 80jähriges Bestehen. Für das Fest haben sich ehemalige Jungwächter aus der ganzen Schweiz angemeldet. Gemeinsam wird auf die Geschichte der Jugendorganisation zurückgeblickt.
Otmar Elsener
Militärische Einflüsse: Die Jungwacht marschiert im Jahre 1940 auf der Hauptstrasse in Rorschach. (Bild: Archiv)

Militärische Einflüsse: Die Jungwacht marschiert im Jahre 1940 auf der Hauptstrasse in Rorschach. (Bild: Archiv)

RORSCHACH. Die Jungwacht Rorschach nennt sich heute die Nr. 1 in der Region für sinnvolle Freizeitgestaltung. Die katholische Pfarrei Rorschach gründete die Organisation 1935, obwohl in Rorschach bereits seit 1927 eine paritätische, liberale Pfadfinderabteilung als Jugendbewegung bestand. Doch in jenen Jahren der konfessionell getrennten Vereine und Schulen wollte die Kirche mit Autorität auf die religiöse Ausrichtung Einfluss nehmen. In den ersten Jahrzehnten fand die Aufnahme in die Jungwacht noch während eines feierlichen Gottesdienstes statt, und die Buben nahmen in ihrer grünen Kluft an Prozessionen und anderen kirchlichen Anlässen teil. Die Buben lernten Kameradschaft und begannen, Aufgaben und Verantwortung für andere zu übernehmen. In jenen Kriegsjahren herrschten auch eine militärische Sprache und soldatische Formen vor. Appell, Marschieren in Kolonnen, An- und Abtreten und Grüssen wurde von den Leitern verlangt, die selber als Rekruten der Schweizer Armee geschult worden waren.

Bereichernde Jugendzeit

Die gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüche veränderten ab den 1970er-Jahren die Jugendkultur. Die Bedeutung der Turnvereine mit Jugendriegen und der Sportclubs mit Juniorenabteilungen nahm zu und hielt viele Jugendliche vom Beitritt zur Jungwacht ab. Die Mitgliederzahlen sanken, obwohl die konfessionellen Bezeichnungen und Abgrenzungen längst verschwunden waren. Bestandene Männer blicken heute mit Wehmut und Nostalgie auf ihre Jugendjahre in der Jungwacht zurück, sie erlebten ihre Jungwacht-Jahre als bereichernden Teil ihrer Jugend.

Längst überkonfessionell

Die Jungwacht überlebte diesen Niedergang, sicher auch weil sie heute längst überkonfessionell organisiert ist, es sind sogar einige Moslems dabei. Sie hat sich fast vollständig von der Autorität der Kirche losgelöst; wird aber von ihr noch finanziell unterstützt, an der Schnittstelle amtet ein Mitglied des Pfarreiteams als Präses.

Ihr Ziel ist unverändert geblieben: den Buben eine sinnvolle Freizeit zu bieten. Die heutige Schar zählt noch 40 Buben, einst waren es über 100. Die Jungwächter treffen sich für ihre Anlässe, wenn nicht in der Natur, in Lokalen der Kirchgemeinde. Wie vor 80 Jahren sind sie eingeteilt in Gruppen, je nach Altersstufe. Das Programm eines Samstagnachmittags wird von den Leitern gut vorbereitet – schliesslich sind alle in kantonalen Kursen ausgebildet worden und werden von Jugend + Sport unterstützt. Die Buben lernen in den Wäldern am Rorschacherberg die Pflanzen und Tiere kennen und eignen sich Fähigkeiten an wie Morsen, Abseilen, Feuerstellen bauen und Abkochen und üben sich in Wettkämpfen und Orientierungsläufen.

Höhepunkt Sommerlager

Schon in den 1940er-Jahren reisten die Buben, die meistens aus Arbeiterfamilien stammten, für Sommerlager in die Berge, wo sie bei Geländespielen und Wanderungen die Schweiz erlebten. Patriotische Gefühle weckte jeweils das feierliche Hissen der Schweizer Fahne und deren Einholen vor dem abendlichen Lagerfeuer.

Die Sommerlager sind auch heute noch ein Höhepunkt im Jungwacht-Jahr, sie werden seit einigen Jahren gemeinsam mit der Mädchenorganisation Blauring unter der Bezeichnung «Jubla» durchgeführt. Weg von Schule und Eltern, herrscht in den Lagern ein ungezwungenes, kreatives Leben mit Spiel und Gesang. Die Namen der Gruppen, einst «Bär», «Adler» oder «Hirsch», haben sich den Zeiten angepasst. Heute heissen sie «Squa-Mosa», «Plutitos», «Los Gringos» und die der Jüngsten «Snickers». Auch heute erhalten die Buben in lustiger Taufe ihren Jungwacht-Namen, der ihnen meistens zeitlebens erhalten bleibt.

Fest im Zentrum St. Kolumban

Für das Fest zum 80jährigen Bestehen sind Anmeldungen aus der ganzen Schweiz eingegangen. Das Fest wird geleitet von Raphael Fasola v/o Nefo und beginnt am Samstag, 19. März, um 10.30 Uhr in der Kolumbanskirche mit einer Einstimmung und einem Gedenken an den legendären Jungwachtleiter Hans Okle v/o Turbo, der das Fest geplant hatte, aber am 4. November 2015 93jährig verstorben ist. Bis zum Mittag stellen sich die Generationen vor: 1935–1955 durch Anton Rüedi v/o Habakuk, 1955–1975 durch Guido Fritschi v/o Klipp, 1975–1995 durch Norbert Wenger v/o Nöbi und 1995–2015 durch Ramon Büchel v/o Knox. Nach einem Mittagessen führen die Generationen Gruppenstunden durch und zeigen Bilder und Filme aus ihren Jungwacht-Jahren. Den Teilnehmern wird auch ein heutiges Jungwacht-Atelier demonstriert.

Viele werden an diesem Anlass die in der Jungwacht eng geschlossenen Freundschaften wiederbeleben und sicher miteinander nostalgisch auf ihre Jungwacht-Jahre zurückblicken.

Die heutige Jungwacht zusammen mit Blauring im «Jubla»-Sommerlager 2013 in Muotathal. (Bild: pd)

Die heutige Jungwacht zusammen mit Blauring im «Jubla»-Sommerlager 2013 in Muotathal. (Bild: pd)

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