JUBILÄUMSTREFFEN: Im Tanz das Land verstehen

Am Sonntag treffen sich Volkstänzerinnen und Volkstänzer aus der ganzen Schweiz im «Engelwies». Sie feiern 50 Jahre Volkstanzkreis St. Gallen.

Nina Rudnicki
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Geprobt wird jeweils am Mittwochabend in der Aula des Schulhauses Zil. (Bild: Ralph Ribi)

Geprobt wird jeweils am Mittwochabend in der Aula des Schulhauses Zil. (Bild: Ralph Ribi)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Der Bärnermutz, der Fünfländerblick, der Jiffy Mixer, der Lassu Sergö und der Hora Cimpulungului: Die Tanzliste des Volkstanzkreises St. Gallen liest sich wie ein exotisches Wörterbuch. Rund 50 Tänze aus der Schweiz und der ganzen Welt gehören zum Repertoire. Getanzt und geübt wird jeden Mittwochabend in der Aula des Schulhauses Zil.

Am Sonntag feiert der Volkstanzkreis sein 50-Jahr-Jubiläum. Für Interessierte ist es die Gelegenheit, in den Volkstanz hineinzuschnuppern. Das Jubiläum wird im Rahmen des Frühlingstreffens der Arbeitsgemeinschaft Schweizer Volkstanzkreise (ASV) in der Mehrzweckhalle Engelwies gefeiert. Vormittags gibt es Programmtänze, bei denen Gruppen aus der ganzen Schweiz mitmachen. Nachmittags folgt ein offenes Tanzen, bei dem sich Zuschauerinnen und Zuschauer aufs Parkett wagen können.

Doch was umfasst Volkstanz alles und wer tanzt ihn heute überhaupt noch? Bei der ersten Frage gerät Thomas Bücking vom OK fürs Fest des Volkstanzkreises St. Gallen ins Schwärmen. «Für mich ist die Musik das Schönste. Je mehr man auf Details achtet, wie etwa auf die Einsätze der Streicher, desto feiner wird die Melodie», sagt er. «Gleichzeitig reicht Volksmusik ins Moderne hinein. Die Musiker wissen, wie man traditionelle Instrumente modern spielt.»

Die Jungen wollen die Faszination nicht erleben

Beim Volkstanz werde mitreissende Musik mit Tanz verbunden. Die Faszination, die davon ausgehe, würden leider nicht mehr allzu viele Junge erleben. Beim Volkstanzkreis St. Gallen seien es seit Jahren etwa 20 Personen, die an den Mittwoch-Tanzabenden zusammenkämen. Getanzt wird stets unter Anleitung einer Lehrerin oder eines Lehrers. Jede und jeder von ihnen hat ein Spezialgebiet. Es gibt Experten für osteuropäische, israelische, skandinavische oder nordamerikanische Tänze und natürlich auch für Schweizer Tänze.

Letztere waren für Thomas Bücking auch der Schlüssel zum Verständnis der Schweiz. Vor gut zwanzig Jahren zog er von Kiel an der Ostsee wegen des Jobs nach St. Gallen. An der Offa lernte er zufällig Mitglieder des Volkstanzkreises kennen. Bücking hatte schon als Gymnasiast gerne getanzt. Daher sagte er sofort zu, einmal bei den Volkstänzern vorbeizuschauen. «Das war der beste Entscheid», sagt er rückblickend. Denn nebst seinem Job als Softwareentwickler beim Verwaltungsrechenzentrum St. Gallen wurde das Tanzen «zu meinem zweiten Standbein».

Thomas Bücking lernte Personen aus der ganzen Schweiz und deren Traditionen und Bräuche kennen. Diese Vielfalt wird auch beim Frühlingstreffen am Sonntag in der Mehrzweckhalle Engelwies sichtbar sein: Alle Volkstänzerinnen und Volkstänzer werden in ihren Trachten erscheinen. «Zueluege, zuelose, mittanze» heisst das Jubiläumsmotto. Volkstanzkreis nennen sich die Gruppen, weil der Kreis das prägende Element ist. In dieser Form wird nach einer fixen Choreografie getanzt. Anschliessend wird der Kreis oftmals geöffnet, so dass als Paar weitergetanzt werden kann.

Zwei Freundinnen gründeten den Tanzkreis

Den Volkstanzkreis gegründet haben die zwei St. Galler Freundinnen Ella Läufer und Brigitte Ryter. Sie warben innerhalb eines Jahres 40 Mitglieder an und konnten für die Tanzabende die Aula im Dachstock des Hadwig-Schulhauses reservieren. In den 1970er-Jahren wurden Kinder- und Seniorengruppen gegründet. Es bildete sich ein Stamm regelmässiger Tänzerinnen und Tänzer, die bis heute am eidgenössischen Trachtenfest und an internationalen Volkstanzfesten mitmachen. International wird es morgen Sonntag auch am Jubiläumsnachtmittag: Ab 14 Uhr gibt’s zu Livemusik der Band Amal Balfolk Volkstanz vom Balkan. Ab 15.30 Uhr folgen alpenländische Programmtänze. Die Livemusik liefern die Frickbuebe.

www.vtksg.ch