JUBILÄUM: Stolz darauf, Frauen zu sein

Die Frauengemeinschaft Goldach hat an ihrer Hauptversammlung auf ihr 125-jähriges Bestehen zurückgeschaut. Die Rückblende bringt einige Kuriositäten hervor, die zum Schmunzeln anregen.

Simon Roth
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Die Gruppe Phon&zu rundet den Abend wortgewandt und stimmig ab. (Bilder: Simon Roth)

Die Gruppe Phon&zu rundet den Abend wortgewandt und stimmig ab. (Bilder: Simon Roth)

Simon Roth

simon.roth@tagblatt.ch

Bei der Frauengemeinschaft Goldach (FG) ist der Name Programm: Das Zusammensein wird bei ihnen grossgeschrieben. Nur schon die zahlreichen Anlässe, die regelmässig angeboten ­werden, zeugen vom lebhaften Vereinsleben. Es wird geturnt, ­gejasst, gestrickt, gewandert, getöpfert, gekocht und vieles mehr. Zusammen ist eben immer noch besser als allein. Bei den unterschiedlichen Tätigkeiten werden ganz nebenbei Tipps für den Alltag ausgetauscht und auch mal ein Blick hinter die Kulissen gewagt. So führte etwa ein Besuch in die Studios des Schweizer Fernsehens in Leutschenbach.

Die Goldacher Frauen machen sich stark für die Gesellschaft, einmal im Jahr backen sie Leckereien, die sie am Martinimarkt feilbieten. Der Erlös geht jeweils an einen guten Zweck. Da erstaunt es nicht, dass die FG mit 422 Mitgliedern einer der grössten Vereine der Gemeinde ist. Die Gemeinschaft motiviert und treibt an. Und das seit 125 Jahren.

Männer an den Herd

Das Jubiläum feiert am Dienstagabend rund die Hälfte der Mitglieder am Dienstagabend. Bereits beim Apéro erfüllt die heitere Stimmung die Aula in Goldach. Es wird geplaudert und sich erinnert. 125 Jahre Vereinsgeschichte bieten viel Gesprächsstoff. «Martina, hast du überhaupt die Erlaubnis deines Mannes, an der Hauptversammlung teilzunehmen?», fragt Marianne Gnädinger ihre Vorstandskollegin mit keckem Unterton. In vergangenen Zeiten sei dies nämlich gang und gäbe gewesen, haben die Vorstandsfrauen beim Durchlesen alter Versammlungsprotokolle herausgefunden. Seit dem Jahr 1954 fand die Hauptversammlung am Sonntag um 14.15 Uhr im Restaurant Schäfli statt. Die Uhrzeit sei so gewählt gewesen, dass die Frauen mit dem Abwasch des Mittagessens fertig geworden sind und pünktlich zum Abendessen wieder zu Hause waren, um das Abendbrot auf den Tisch zu stellen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Seit 2005 wird die Hauptversammlung in der Aula gefeiert. Im Mai organisiert die FG gar einen Kurs für Männer: Ein Kochkurs soll sie lehren, einfache Gerichte zuzubereiten.

Im Jahr 1892 wurde der Verein unter dem Namen christli-­ ­ cher Frauenverein junger Mütter gegründet. Der Rückblick auf die Vereinsgeschichte wird denn auch als «wohl einer der in­teressanteren Traktanden des Abends» angepriesen. So erfährt man beispielsweise, dass in den 1950er-Jahren der Jahresbeitrag noch bei lediglich einem Franken pro Jahr lag. Die Fakten, die durchaus zum Schmunzeln anregen, werden mit Bildern der Gemeinde Goldach sowie Fotos von Treffen unterlegt. Diese lassen beim Publikum Erinnerungen hochkommen. «Weisch no» und «Da isch doch döte» flüstern die anwesenden Frauen. Im Jahr 2007 ist aus der Frauen- und Müttergemeinschaft die heutige Frauengemeinschaft geworden.

Drei kostenlose Anlässe dank Sponsor

Die Frauengemeinschaft Goldach zählt auf breite Unterstützung: Die katholische Kirche Region Rorschach hat den Apéro der Hauptversammlung gesponsert, und dank der Ortsgemeinde Goldach kann die FG drei Anlässe kostenlos anbieten.

Abschliessend entführt die Gruppe Phon&zu nach eigener Aussage in den siebten Himmel. Wortgewandt und mit entspannenden Klängen untermalt löst das Trio sein Versprechen ein. Von Schwänen über Spatzen, Meisen bis zu den Fliegen bieten die Künstler einen humoristischen Blick auf die Welt der fliegenden Tiere. Dass nach diesem gelungenen Abend Kaffee und Kuchen nicht fehlen dürfen, ist selbsterklärend.

Hinweis

Infos unter: www.fg-goldach.ch