Jubel, Jammer, Erklärungsversuche

Es ist wie immer am Wahlsonntag: Die einen feiern, die anderen suchen nach Erklärungen. Über die Gründe für die Verluste sind SVP und FDP uneins. Einig sind sich aber fast alle: Bürgerliche Anliegen werden es künftig schwerer haben.

Ralf Streule/Janina Gehrig
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Die Grenze zwischen Siegern und Verlierern ist einfach gezogen. SP und Grüne hier, FDP, SVP und CVP dort. Besonders hart erwischt hat es die FDP, deren Fraktion von 12 auf 10 Sitze schrumpft. «Die Niederlage schmerzt», sagt Andreas Dudli, Präsident der FDP-Stadtpartei. Damit meine er nicht nur die verlorenen FDP-Sitze, sondern die «vier bis fünf» Sitze, welche vom bürgerlichen Lager Richtung links wanderten. Immerhin bleibe die Parlamentsmehrheit bürgerlich. Für die FDP werde es aber künftig schwerer, Anliegen durchzubringen. «Wir werden noch mehr Aufwand betreiben müssen, um die politische Mitte abzuholen.»

SVP will sich treu bleiben

Die Sitzverluste seien schwer zu erklären, sagt Dudli. Sie hätten aber wohl damit zu tun, dass es der Stadt finanziell gutgehe – was der Linken immer Auftrieb gebe.

Für den Verlust der zwei SVP-Sitze hat Parteisekretär Dominique Lambert einen anderen Erklärungsversuch parat. Der Linksrutsch habe mit der Krise zu tun, sagt er. «In vier Jahren werden die Wähler erstaunt sein, wenn die Steuern erhöht worden sind», sagt er. Ändern müsse die städtische SVP aufgrund der Sitzverluste nichts. «Die Art des Politisierens bleibt gleich», verspricht er.

Bei der CVP hält sich die Enttäuschung nach dem einen Sitzverlust in Grenzen. «Wir haben den Sitz verloren, den wir vor vier Jahren gewonnen haben. Er ist wohl an die BDP gegangen», sagt Fraktionspräsident Philip Schneider. Dass die Rolle der CVP als Zünglein an der Waage durch das neue Kräfteverhältnis im Parlament noch entscheidender werden könnte, denkt Schneider nicht. «Die Partei tritt in Sachfragen geschlossen auf», sagt er. So bleibe der Einfluss der CVP in Abstimmungen gleich gross.

«Neue Generation zieht ein»

Zu den grossen Siegern gehört die SP/Juso/PFG-Fraktion, die insgesamt drei Sitze dazugewonnen hat. Das Resultat habe sich abgezeichnet, sagt Bettina Surber, Präsidentin der SP-Stadtpartei. «Wir haben das Ziel erreicht.» Erfreut sei sie auch über den Sitzgewinn der Juso. Surber sieht im Resultat «eine Stadt im Aufbruch, die sich für sichere Arbeitsplätze, gute Schulen und lebendige Quartiere einsetzt». Als besonders positiv wertet sie, dass mit Maria Pappa, Evelyne Angehrn und Alexandra Schubiger-Akeret drei jüngere Frauen neu ins Parlament einziehen werden. «Eine Generation, die bisher extrem untervertreten war», sagt Surber.

Von einem «schönen Erfolg» spricht auch ihr Kollege und Fraktionspräsident Martin Boesch (SP). «Wir sind dem Ziel einer links-grünen Mehrheit einen grossen Schritt nähergekommen.» Die vielen neugewählten Jüngeren gäben der Politik eine neue Richtung. Auffallend sei Gallus Hufenus' Spitzenergebnis. «Sein Einsatz für die Villa Wiesental wurde honoriert», sagt Boesch. Das zeige, dass es im Wahlkampf eben nicht reiche, drei Monate lang Plakate aufzuhängen, sondern dass man an einer Sache dranbleiben müsse.

Mit einem Lächeln auf dem Gesicht war gestern auch Thomas Schwager, Fraktionspräsident der Grünen, Jungen Grünen und GLP, im Waaghaus unterwegs. «Durchs Band erfreulich» seien die Resultate. «Ich hoffe, wir können zusammen mit der SP in der städtischen Politik etwas bewegen», sagt Schwager. Auch der wiedergewählte Basil Oberholzer von den Jungen Grünen ist «sehr zufrieden». «Wir wussten, dass es schwierig werden würde, Franziska Wenk zu ersetzen, die immer viele Stimmen geholt hat.»

Grünliberale: Zu wenig laut?

Eher enttäuscht über ihr Resultat waren hingegen die Grünliberalen. Sie haben ihr Ziel verpasst, mit einem Sitzgewinn Fraktionsstärke zu erreichen. Vielleicht habe das Ergebnis damit zu tun, dass die Partei «keinen lauten Wahlkampf» betrieben habe, sagt Parteipräsident Res Schneider.

Erfreut sei man aber darüber, dass mit Sonja Lüthi neu eine GLP-Frau im Parlament sitze. Ob die Grünliberalen weiterhin mit den Grünen und Jungen Grünen eine Fraktion bilden werden, sei noch offen. «Es gibt nicht nur diese Variante», sagt Schneider.