Josy und Orazio können gehen

«Bald» will der Stadtrat Parlament und Volk eine neue Marktplatz-Vorlage unterbreiten. Wann genau dies der Fall sein wird, ist offen. Einfliessen werden die Resultate der Vox-Analyse. Siegerprojekt und Parkplatzkonsens sind damit vom Tisch.

Andreas Nagel
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«Der Stadtrat nimmt die Vox-Analyse ernst», bekräftigten Stadtpräsident Thomas Scheitlin und Baudirektorin Elisabeth Beéry gestern unisono vor den Medien. Was doch einiges an Überwindung kostet. Vom Siegerprojekt «Josy und Orazio» ist nämlich, abgesehen von der ÖV-Haltestelle Richtung Westen beim «Pfund», nicht mehr viel übrig geblieben.

So sollen in der überarbeiteten Projektvariante Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt zwar weiterhin verkehrsfrei werden, die Calatrava-Wartehalle am Bohl nun aber doch stehen bleiben. Ebenso, und das dürfte namentlich im bürgerlichen Lager für Aufsehen sorgen, werden keine Parkgarage Schibenertor und wohl auch kein Marktpavillon gebaut. Schliesslich muss der Kostenvoranschlag für die Neugestaltung, um den Resultaten der Vox-Analyse gerecht zu werden, deutlich tiefer ausfallen.

Noch kein Zeitplan vorhanden

Wann die entsprechende Vorlage vors Stadtparlament kommt, ist derzeit noch offen. Stadträtin Beéry liess sich auch auf Nachfragen hin keinen Zeitplan entlocken, um «nicht wieder darauf behaftet zu werden», wie sie sagte.

Unklar ist auch, ob ein neuer Architekturwettbewerb ausgeschrieben wird. Fest steht hingegen, dass eine zweite Volksabstimmung stattfindet. Was den Schluss zulässt, dass die Baukosten sicher über 15 Millionen Franken liegen werden.

Parkplatzkonsens hinfällig?

Was bedeuten diese Vorgaben konkret? Zuallererst einmal: Der Stadtrat ist ganz nah bei Feld 1 angelangt, so dass die Planung von vorne beginnen kann. Neuerlich müssen zahlreiche Gespräche mit Parteien, Verbänden und Interessenvertretern geführt werden. Zudem kommt der mühsam erarbeitete Parkplatzkonsens nicht oder höchstens in angepasster Form zustande. Die Parkgarage Schibenertor erst hätte eine Plafonierung der öffentlichen Parkplätze in der Innenstadt über die nächsten 15 Jahre erlaubt.

Zweitens, da die Vox-Auflage auf «autofreie» Gestaltung lautet, muss eine Einigung erzielt werden, wie die oberirdischen Parkplätze ersetzt, ob sie teilweise ersetzt oder – in einer bürgerlich regierten Stadt wie St. Gallen als Sensation einzustufen – womöglich gar nicht ersetzt werden.

Drittens, da die Calatrava-Halle bleibt und somit kein kombinierter Warte-/Marktpavillon mehr zur Diskussion steht, sind die Minimalbedürfnisse der Marktleute zu eruieren. Laut Elisabeth Beéry werden die fraglichen Gesprächstermine bis Mitte Juli vereinbart. Kein Zweifel bestehe indes darüber, dass die grünen Marktstände «in absehbarer Zukunft» abgebrochen werden müssten. Offen ist die Zukunft der Marktrondelle.

Viertens muss die Frage geklärt werden, wie das Taubenloch ohne Parkgarage saniert und wie die «Erneuerung und Aufwertung» des darüberliegenden Blumenmarktes gelöst werden kann. Hier sind aber bereits konkretere Aussagen erhältlich: So soll die Taubenloch-Garage künftig nur noch für die technischen Fahrzeuge des Strasseninspektorats zur Verfügung stehen. Geprüft wird ausserdem, ob im Bereich Taubenloch die «geplante grosse WC-Anlage» für das Stadtzentrum eingebaut werden kann.