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Joseph Beuys kehrt zurück

Einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts gastierte im Januar 1985 in Rorschach. Joseph Beuys zog damals 600 Zuschauer in den Stadthof. Morgen will das Amt für Aufschwung den Künstler wieder aufleben lassen.
Dominik Bärlocher
Joseph Beuys (Bild: pd)

Joseph Beuys (Bild: pd)

RORSCHACH. Joseph Beuys hatte Zeit seines Lebens hehre Ziele: Er wollte die Weltordnung verändern, sie zu einem «freien demokratischen Sozialismus» bringen. Mit seiner Vortragsreihe machte der Ausnahmekünstler halt in Rorschach. Er wollte den Bewohnern der Hafenstadt die Freiheit im Geistesleben, die Gleichheit im Rechtsleben und die Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben näher bringen.

Der Abend, der 20. Januar 1985, soll im Amt für Aufschwung wieder aufleben. Marco Kamber, Leiter des Amtes, hat dazu Rorschacherinnen und Rorschacher eingeladen, die dem 1986 verstorbenen Beuys damals im Stadthof zugehört haben. Und solche, die sich den Vortrag auch 27 Jahre später zu Gemüte führen wollen.

Die höchste Menschenwürde

Im Vortrag «Aktive Neutralität – die Überwindung von Kommunismus und Kapitalismus» erklärte der damals 64jährige Beuys die Erweiterung der Sinne und den neuen, vergeistigten Menschen. Das «Ostschweizer Tagblatt» schrieb damals: «Beuys umgab seine Theorie mit so viel gescheit unklarem Gerede, dass man sich kaum getraute, sie der Simplifikation auch nur zu verdächtigen.» Der deutsche Künstler sprach davon, dass jeder Mensch ein Künstler sei, dass er nach neuen Formen suchen soll und sich dieser Form würdig erweisen muss. Dabei sprach er von Ideologien, die für ihn immer das Ende einer Epoche darstellten, da sie keinerlei Entwicklung mehr zuliessen. «Wichtig ist nicht, dass die Form gut ist, sondern dass sie veröffentlicht wird», sagte Beuys im Stadthof.

Weiter beschrieb er die Kreativität. «Sie ist eine Freiheitswissenschaft, keine modische Erscheinung», sagte Beuys. Denn im Jahre 1985 sah Beuys, dass die Kunst für aktuelle Tagesfragen im privatwirtschaftlichen Kapitalismus keine Bedeutung habe. Sie werde nur als Dekoration gebraucht. Im Osten wie im Westen werde die Kunst «heruntermanipuliert», ihr werde bestenfalls eine Spielwiese gelassen. «Kreativität, die der allerhöchsten Menschenwürde entspricht, wird herabgewürdigt zu einem Hobby», sagte Beuys.

Rorschacher Reflexion

«Beuys Worte von damals sind auch heute noch so aktuell wie im Jahre 1985», sagt Marco Kamber. Vom Verleger Rainer Rappmann, der ein guter Freund von Beuys war, hat Kamber die Videoaufnahme des Vortrags erhalten. Diese Aufnahme werde er morgen Abend abspielen. «Beuys Worte betreffen auch die Stadt Rorschach. Seine Themen, wie die Frage nach dem gesellschaftlichen Aufschwung, der <Weiterentwicklung des Menschen> in einer Stadt, die sich ihrerseits weiter entwickelt, kann auf die Hafenstadt bezogen werden.»

«Aktive Neutralität – Vortrag von Joseph Beuys in Rorschach aus dem Jahre 1985», Amt für Aufschwung, Ex-Ex-Libris, Kronenstrasse 4, Rorschach Morgen Donnerstag, 19.30 Uhr.

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