Jolanda Neff, ein Bikestar zum Anfassen

Sie strahlt über das ganze Gesicht. Wie die Sonne, die sich diesen Nachmittag mehr und mehr zeigt.

Marco Oehler
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Aufmerksam beobachtet Profisportlerin Jolanda Neff die Kursteilnehmer bei der Sprungübung im Rantelwald. (Bild: Marco Oehler)

Aufmerksam beobachtet Profisportlerin Jolanda Neff die Kursteilnehmer bei der Sprungübung im Rantelwald. (Bild: Marco Oehler)

Sie strahlt über das ganze Gesicht. Wie die Sonne, die sich diesen Nachmittag mehr und mehr zeigt. Jolanda Neff, Thalerin und mit 21 Jahren die jüngste Mountainbike-Gesamtweltcupsiegerin aller Zeiten, erscheint sichtlich gut gelaunt zum Bike-Event, den sie und ihr Promoter freicom am Mittwoch abhalten. Mit dabei sind Angestellte von freicom, Bike-Cracks wie Christof Bischof – und ich als Neuling.

Tips von der Weltbesten

Die Route führt vom Ochsen in Goldach zum Kiesparkplatz des Technologieparks Blumenegg. Dort wird zum Einwärmen unter viel Gelächter und laut rufend «Abstiegerlis» gespielt. Im Spiel geht es darum, dass 15 Radfahrer auf einer kleinen, markierten Fläche herum- und ineinander fahren und versuchen, nicht vom Rad zu fallen beziehungsweise nicht abzustehen. Gar nicht so einfach, auf dem Velo für ein oder zwei Minuten fast stehen zu bleiben. Die ersten wertvollen Tips der U23-Europa- und -Weltmeisterin gibt es daher schon vor dem Spiel. «Die meisten Leute fahren mit zu hohem Reifendruck. Wenn ihr den Daumen auf den Reifen hält und ihn mit der anderen Hand in den Reifen presst, sollte er relativ gut einsinken. Das gibt guten Grip auf der Rennstrecke.» Bei meinem Bike ist sie wohl nur zufrieden, weil ich es freundlicherweise von Bischi-Bikes ausleihen darf. Christof Bischof, Besitzer von Bischi-Bikes, hat ein eigenes Rennteam und ist eigentlich Konkurrent von Jolanda Neffs künftigem Stöckli Pro Team. Von Konkurrenzkampf ist aber nichts zu spüren. «Sicher, direkt an einem Rennen ist die Rivalität vorhanden, aber an einem Event wie heute sind wir wie eine grosse Familie», sagt er.

Radtour mit Schalk

Die Fahrt geht weiter in den Rantelwald im Goldachtobel, wo Jolanda Neff Tips zum Springen mit dem Bike verrät. Auch ich versuche über die Äste zu springen. Das Anheben des Vorderrads klappt problemlos, doch mit dem Hinterrad den Sprung elegant zu vollenden – Fehlanzeige. Stattdessen kommt's zum Zusammenstoss mit den wehrlosen Ästen. Ich fahre mit den anderen weiter über den Kapf, Untereggen und das Iltenriet zurück nach Goldach. Neff gibt immer wieder Tips, die gleich erprobt werden, etwa beim Bremsen. «Wer am Hang genau bremsen will, muss mit der Vorderbremse arbeiten. Dazu reicht ein Finger an der Bremse.» So ist auch eine Vollbremse kein Problem.

Herausfordernder ist der Aufstieg vom Altrüti zum Hinterhof. Dabei kommen die Teilnehmer ins Schwitzen. Auch mir läuft der Schweiss über Gesicht und Rücken. Die Belohnung ist die Abfahrt durch Untereggen. Während der ganzen Ausfahrt ist die Elitefahrerin offen, fröhlich und herzlich. Gegen Ende der Tour dürfen die Teilnehmer mit Markus Neff, Vater und Trainer von Jolanda, im Witenwald auf einem kleinen, aber steilen und schnellen Track alles Geübte nochmals praktizieren. Ich verzichte, ein anderer Kursteilnehmer küsst einen Baum: «Jolanda sagte uns vorher, wir sollen beim Bremsen vorwärts schauen und nicht auf den Boden. Als ich aufschaute, war der Baum plötzlich riesengross», so sein Feedback. Er übersteht den Kurs aber unbeschadet. Die Sonne ist nun fast untergegangen. Jolanda Neff aber zeigt ihr sonniges Lachen weiter.